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Funktioniert der Hochwasserschutzdamm im Ernstfall?

Und plötzlich endet der Hochwasserschutzdamm im Nichts: Laut Wasserverband Peine sei die Schladener Ortslage trotzdem geschützt, weil die natürliche Topografie ein Eindringen der Fluten verhindert.  Foto: Gereke

Und plötzlich endet der Hochwasserschutzdamm im Nichts: Laut Wasserverband Peine sei die Schladener Ortslage trotzdem geschützt, weil die natürliche Topografie ein Eindringen der Fluten verhindert. Foto: Gereke

Schladen. Die Meinungen zum Hochwasserschutzdamm „Neue Wiese“ gehen weit auseinander. Während er für Verwaltung und Wasserverband Peine als Projektbeauftragten im Rahmen der Flussgebietspartnerschaft Nördliches Harzvorland ein wichtiger Baustein zum Hochwasserschutz ist, bezeichnen andere den Deich als „Schildbürgerstreich“.

Von Andreas Gereke Dienstag, 28.05.2019, 17:51 Uhr

„So wie er gebaut worden ist, ist er lächerlich“, findet Sabine Oloff aus der Schladener Guîtrestraße. Ihr Nachbar Axel Möker pflichtet ihr bei. Er hat zudem beobachtet, dass immer wieder Spaziergänger am Ende der Guîtrestraße die dortige Treppe benutzen, um am Feld entlang Richtung alte Kiesteiche zu gehen – und dabei einfach über den Deich latschen.

Für Irritationen sorgt vor allem die Bauweise: Südlich von Schladen entstand ein Damm sowie östlich zwischen Hermann-Müller-Straße und dem Verbindungsweg nach Isingerode – dazwischen aber nichts, da ist der Wall nicht geschlossen. Die Sorge der Anwohner: Wenn die Oker Hochwasser führt, stauen sich die Fluten im südlichen Bereich so weit an, bis die Wassermassen um den Deich herum fließen, um dann doch in die Siedlung zu gelangen.

Der Wasserverband Peine weist solche Befürchtungen als unbegründet zurück. „Die Grundstückshöhen sind in Berechnungen für den Hochwasserschutzwall in Schladen mit eingeflossen“, erklärt Pressesprecherin Sandra Ramdohr, der Wall müsse im östlichen Verlauf nicht geschlossen sein.

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Warum der Schutz des östlichen Siedlungsgebiets gegeben ist, obwohl auf der östlichen Seite der Wall nicht über die ganze Länge geschlossen ist, erläutert Markus Link, Ingenieur des Wasserverbands Peine: „Bei den Berechnungen, wie wir einen effektiven, naturnahen und kostenbewussten Schutz für ein hundertjähriges Hochwasserereignis für das östlich gelegene Bebauungsgebiet erreichen können, sind nicht nur die Abflüsse der Oker, sondern auch die topografischen Gegebenheiten dieses Siedlungsgebiets genau berücksichtigt worden. Die hydraulischen Berechnungen haben nachgewiesen, dass aufgrund der vorhandenen Grundstückshöhen der Wall östlich des Bebauungsgebiets nicht geschlossen werden muss“, erklärt er auf GZ-Anfrage.

Südlich von Schladen teilt sich der Abfluss der Oker im Hochwasserfall auf, dann gibt es zusätzlich zum Abfluss in der Oker einen separaten Vorlandabfluss zwischen Schladen und Isingerode. Die neue Hochwasserschutzverwallung bei Schladen diene dem Schutz der östlichen Bebauung vor dem Wasser dieses Vorlandabflusses, so Ramdohr. Die beiden Wallabschnitte wurden schon bei der Planung an die bestehenden Ortsverhältnisse angepasst, dabei seien auch die jeweiligen Grundstückshöhen berücksichtigt worden: Der rund 490 Meter lange Wall des zweiten Abschnitts im Süden schließt an den Lärmschutzwall der Bahn an. Im Osten beginnt der erste Abschnitt an der Hermann-Müller-Straße. Er verläuft rund 390 Meter nach Süden und schützt damit diesen Bereich vor eindringendem Wasser. Zwischen Süd- und Ostwall sorge die natürliche Topografie mit einsprechenden Grundstückshöhen in diesem Bereich für einen ausreichenden natürlichen Schutz bei einem hundertjährigen Hochwasserereignis, so Ramdohr.

Auch die Auswirkungen der neuen Verwallung auf die Umgebung würden bei solchen Planungen immer mit betrachtet, heißt es: „Der neue Wall hat keine nachteiligen Auswirkungen auf Unter- und Oberlieger, auch das haben die hydraulischen Überprüfungen nachgewiesen. Das gilt auch für Isingerode und den Abfluss in den Eckergraben“, wird erklärt Ingenieur Link auf die GZ-Anfrage zitiert. Dank des neuen Damms bei Schladen werde die Bebauung geschützt, während sich das Wasser bei einem hundertjährigen Hochwasserereignis auf landwirtschaftlichen Flächen südlich und östlich der Bebauung höher aufstauen wird, heißt es.

Bei den Planungen von Hochwasserschutzmaßnahmen an der Oker kamen sogenannte hydrodynamische Strömungsmodelle zum Einsatz, die sich bewährt hätten, so Ramdohr. Diese Modelle wurden über die Jahre weiterentwickelt, weitere Daten sind eingeflossen. Das Modell, mit dem die Effekte des Hochwasserschutzdamms bei Schladen überprüft wurden, werde zum Beispiel auch zur Feststellung von Überschwemmungsgebieten sowie zur Erstellung von Hochwasserrisikokarten im Zuge der EG-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie genutzt.

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