Frühere Goslarerin Gertrud Henze feiert Sonntag ihren 112. Geburtstag
Das Foto zeigt Gertrud Henze kurz vor ihrem 110. Geburtstag, den sie noch feierte. Zum 112. lässt sie es ruhiger angehen, möchte keinen Trubel. Archivfoto: Metge
Mit ihrer Gesundheit ist Gertrud Henze durchaus noch zufrieden. Selbstverständlich ist das nicht unbedingt, immerhin wird sie am Samstag 112 Jahre alt.
Damit ist sie nicht nur die älteste Einwohnerin Göttingens, wo sie in einem Seniorenstift lebt, und Goslars, wo sie viele Jahre lange wohnte und arbeitete: Sie ist auch die älteste Deutsche. Allzu große Bedeutung misst sie dem aber nicht bei.
Anders als vor zwei Jahren, beim 110. Geburtstag, wird sie es am Samstag auch eher ruhiger angehen.
In Goslar hat die Tochter eines Pastors Büchereigeschichte geschrieben. Als „Kriegsaushilfskraft“ kam die ausgebildete Krankenschwester 1941 zur Stadtbücherei, in der sie 20 Jahre blieb und – mit Erfolg – viel in Angriff nahm. Mit 50 Jahren holte sie ihr Diplom als Bibliothekarin nach.
Längst im Rentenalter, war sie immer noch in „ihrer“ Stadtbücherei zu finden. Dass sie auch die Goslarer Kreisbücherei aufbaute, später auch die Bibliothek des Wohnstiftes leitete, passt ins Bild. Bücher waren und sind auch ihre Welt, sind ihr Leben. An die 5000 mag sie gelesen haben. Auch wenn das etwas mühsamer geworden ist und eine Lupe helfen muss: „Meine Bücher konnte ich hier in Göttingen gar nicht alle unterbringen“, erzählte sie. Aber ein Schrank voller Literatur, das musste sein.
Bis zu ihrem 100. Geburtstag war die Welt gesundheitlich noch in Ordnung. Seit einem Sturz geht es Gertrud Henze nicht mehr so gut: „Die vergangenen Jahre habe ich doch gemerkt“, sagte sie ohne Bitterkeit. Denn letztlich müsse man doch alles so nehmen, wie es kommt. Ihren Humor und ihre Fröhlichkeit hat sie dabei nicht verloren.
Wenn sie erzählt, wie bei einem Besuch vor ihrem 110. Geburtstag, huscht oft ein Lächeln durch ihr Gesicht. So wie bei der Erinnerung an den ersten (und einzigen) Flug ihres Lebens am 16. Juni 1923 vom Flughafen Goslar nach Wernigerode. Seit 30 Jahren lebt Gertrud Henze in dem Göttinger Wohnstift, in das sie gezogen ist, weil Angehörige dort bereits wohnten. Der Kontakt nach Goslar ist trotz der vielen Jahre nie abgerissen.