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Gäste dürfen wieder ins Bergwerk einfahren

Frischer Wind pfeift durch den Roeder-Stollen

Durchzug im Stollen: Rammelsberg-Direktor Gerhard Lenz (von links), technischer Leiter Ralf Siegemund und der stellvertretende Museumschef Dr. Johannes Großewinkelmann stellen die neue Belüftungsanlage vor.  Fotos: Hartmann

Durchzug im Stollen: Rammelsberg-Direktor Gerhard Lenz (von links), technischer Leiter Ralf Siegemund und der stellvertretende Museumschef Dr. Johannes Großewinkelmann stellen die neue Belüftungsanlage vor. Fotos: Hartmann

Goslar. Der Rammelsberg nimmt seine Führungen unter Tage wieder auf. Ab heute können Besucher wieder den Roeder-Stollen besichtigen. Die Genehmigung durch den Landkreis liegt seit Anfang der Woche vor, seit Mittwoch steht das Konzept des Rammelsberg-Teams, und ab heute, 11 Uhr, dürfen wieder Gäste ins Bergwerk einfahren.

Samstag, 13.06.2020, 06:06 Uhr

Möglich macht den virensicheren Schachtbesuch in Corona-Zeiten vor allem eine neue Belüftungsanlage: Ein frischer Wind, der durch den Stollen pfeift, sorgt dafür, dass die Ansteckungsgefahr gering gehalten wird. Im Schacht herrschten schon immer freundliche 12 Grad Celsius, was ihn während der Sommerschwüle zu einem beliebten Ausflugsziel für Sonnenflüchter machte, nun kommt noch eine kühle Brise von bis zu drei Metern pro Sekunde hinzu, die die Temperatur – gefühlt – noch etwas senkt. Objektiv gemessen sei der Unterschied nur gering, versichert Gerhard Lenz, der Direktor des Rammelsberges.

Die Kosten für den Umbau liegen laut Lenz zwischen 5000 und 7000 Euro für Wettertüren, Kabel, Licht und Arbeitsstunden. Nicht zu Buche schlägt die Grubenlüftung selbst. Die Anlage, die rund 8000 bis 10.000 Euro gekostet hätte ist eine „Leihgabe und Freundschaftsspende der Goslar Bergwerke“, freut sich Lenz.

Das Bergwerk am Rammelsberg kann jeden neuen Besucher gebrauchen. Nach der vollständigen Sperrung aufgrund der Corona-Krise und der nun schrittweisen Wiedereröffnung unter Auflagen sind die Gäste-Zahlen alles andere als astronomisch. Im Mai besuchten rund 40 Personen täglich das Weltkulturerbe statt wie im Vorjahr rund 310, also nur 12,5 Prozent der Besucherzahlen des Vorjahresmonats. Im Juni liegen die Werte immerhin schon bei 23 Prozent: 80 Besucher täglich gegenüber 340 Besuchern im Vorjahr. Kurzarbeit gibt es seit Mai nicht mehr am Rammelsberg.

Für die Roeder-Stollen-Führung mit neuem Konzept wurde im Schacht einiges verändert, und die Strecke ist jetzt kürzer: Sie misst nur noch 470 Meter, also rund zwei Drittel der Originalstrecke. Die Expeditionen in den Berg dauern rund eine Stunde und werden in der Zeit von 11 bis 16 Uhr angeboten.

Wer an einer der Führungen teilnehmen möchte, sollte sich auf folgende Bedingungen einstellen: Mundschutz ist Pflicht. Die maximale Gruppengröße beträgt neun Personen (plus ein Grubenführer). Vorherige Anmeldung ist nicht zwingend erforderlich, wird aber dringend empfohlen. Wer auf „gut Glück“ spontan hereinschaut, muss damit rechnen, keinen Platz mehr zu bekommen. An der Kasse müssen Namen und Kontaktdaten angegeben werden. Ein besonderer Hinweis an Brillenträger: Der Besuch des Stollens ist für sie bis auf Weiteres nicht möglich, da der Mundschutz und die kühle Luft sofort für beschlagene Brillengläser sorgen und die betroffenen Personen orientierungslos durch die Gänge stolpern würden. Dr. Johannes Großewinkelmann, der stellvertretende Leiter des Rammelsberg-Museums konnte dies beim probeweisen Hindurchtasten im Roeder-Stollen am eigenen Leibe erfahren. Mit Kontaktlinsen gebe es aber keine Probleme, hieß es. Keine offizielle Warnung seitens der Verantwortlichen gibt es für Hexenschuss-Kandidaten, doch wer mit sommerlich durchgeschwitztem T-Shirt durch den kalten Wind des Roeder-Stollens wandern will, sollte sicherheitshalber eine warme Jacke mitbringen. Ob das Durchlüftungs-Konzept auch nach Abschied von Corona bestehen bleibt, dazu konnte Lenz noch nichts sagen. Auch ob und wann die Grubenbahn wieder in Betrieb genommen wird, steht noch in den Sternen, darüber werde man wohl frühestens in drei bis vier Wochen reden können, sagte Lenz.

Johannes Großewinkelmann demon striert, warum Brillenträger noch nicht wieder in den Schacht dürfen.

Johannes Großewinkelmann demon striert, warum Brillenträger noch nicht wieder in den Schacht dürfen.

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