NBA-Mission in der Heimat: Wagner-Brüder wollen inspirieren
Die Brüder hoffen auf einen gemeinsamen Einsatz in ihrer Heimat. Foto: Andreas Gora/dpa
Als NBA-Stars zurück in Berlin: Franz und Moritz Wagner zwischen Kindheitserinnerungen, Döner-Gerüchten und einer Mission für die Jugend.
Berlin. Bei der wohl elementarsten Frage vor dem ersten regulären NBA-Spiel in seiner Heimatstadt Berlin machte Franz Wagner deutschen Basketball-Fans etwas Hoffnung. „Mir geht’s gut“, sagte der 24-Jährige vor der Partie seiner Orlando Magic gegen die Memphis Grizzlies in der Uber Arena am Donnerstag (20.00 Uhr/Amazon Prime). Er hoffe auf ein gutes Training und gucke, „wie der Fuß reagiert. Und dann hoffe ich, dass ich am Donnerstag spielen kann.“
Natürlich würde für den Welt- und Europameister ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen, wenn er gemeinsam mit seinem Bruder Moritz und Nationalmannschaftskollege Tristan da Silva in der Heimat auflaufen könnte - beim ersten regulären Saisonspiel der Liga in Deutschland.
Franz Wagner (r.) war im Training seines Teams dabei. Foto: Andreas Gora/dpa
Doch es wird nach seiner Sprunggelenksverletzung aus dem Dezember ein Rennen gegen die Zeit. Gemeinsam mit dem Team machte Deutschlands derzeit bestbezahlter Sportler anschließend das Aufwärmen und einige lockere Übungen mit dem Ball mit.
Moritz Wagner: Das ist hier unser Hinterhof
Die Wagners sehen sich auf einer Mission, den Menschen in Deutschland ihren Sport noch näherzubringen. „Ich glaube, wir beide hatten während unserer Kindheit das Gefühl, dass ein Teil der Herausforderung als junger Spieler mentaler Natur ist, dass es weit entfernt scheint und dass es wirklich sehr schwierig und fast unerreichbar ist“, sagte Franz Wagner.
„Ich hoffe, dass viele junge Mädchen und Jungen einschalten und sich das Spiel ansehen werden. Damit sie uns in dieser Position sehen und natürlich verstehen, woher wir kommen, und dass sie einen ähnlichen Weg einschlagen können“, erklärte der 24-Jährige.
Ein NBA-Spiel in der eigenen Heimatstadt ist nur den wenigsten nicht amerikanischen Spielern vergönnt. „Wir gucken uns die ganze Zeit an, weil das schon sehr surreal ist für uns, dass sich hier der Kreis schließt“, sagte Moritz Wagner. „Das ist hier unser Hinterhof. Wir sehen hier viele bekannte Gesichter. Wir sind hier aufgewachsen, mit in dieser Halle.“

Der Kreis schließt sich: Moritz Wagner wurde in Berlin zum Basketballspieler. Foto: Andreas Gora/dpa
Wenig Zeit für Familie und Freunde
Auf den Freiplätzen der Stadt haben sie gemeinsam viele Tage verbracht. In der Max-Schmeling-Halle in der Jugend trainiert. Allein der Geruch bringe ein kleines Trauma zurück, scherzte Moritz Wagner.
In der Uber Arena haben die Brüder aus dem Prenzlauer Berg erst die Alba-Idole träumend bestaunt und dann selbst für den Club ihre ersten Schritte als Profis gemacht. Über das US-College ging es in die beste Liga der Welt.
Wie schon Deutschlands Basketball-Ikone Dirk Nowitzki sind die Wagners auch für ihre Bodenständigkeit bekannt. Im Sommer nach den NBA-Spielzeiten schliefen die Brüder, die wie beste Freunde wirken, immer noch regelmäßig in der elterlichen Wohnung. Auch in Orlando lebten sie zusammen in einem Haus, das im Vergleich zu den Villen anderer NBA-Profis reduziert wirkt.
Viel Zeit für Freunde und Familie gibt es im eng getakteten Zeitplan der NBA erst einmal nicht. „Wir fühlen uns sehr privilegiert und es ist eine coole Erfahrung, dass wir auch ein bisschen die Mission haben können, die NBA nach Berlin, nach Deutschland zu bringen und das den Leuten zu zeigen“, sagte der 28 Jahre alte Moritz Wagner. „Aber auf der anderen Seite heißt es natürlich auch, dass wir viele Termine haben und dass wir nicht so richtig wissen, wo oben und unten ist gerade.“

Moritz Wagner feierte gerade sein Comeback. Foto: Andreas Gora/dpa
Moritz Wagner über Reha: Musste ich durchleben
Nicht nur die Brüder selbst, sondern auch die Liga dürfte in den letzten Wochen mit Blick auf das Spiel ordentlich geschwitzt haben. Denn es schien lange durchaus nicht unwahrscheinlich, dass beide Lokalmatadoren ausfallen.
Erst am Sonntag konnte Moritz Wagner nach mehr als einem Jahr Pause wegen eines Kreuzbandrisses auf das Feld zurückkehren. Der Jubel nach seiner Einwechslung in Orlando dürfte in Berlin noch übertroffen werden.
„Es war natürlich ein total emotionaler Tag für die ganze Familie“, sagte der ältere Bruder. In der Zwangspause und während der Reha müsse man viel opfern. „Das musste ich durchleben und habe das durchlebt. Und natürlich siehst du dann die Welt und auch den Sport ein bisschen anders“, sagte der 28-Jährige.
Auch bei Berlin-Tipps für ihre Heimatstadt sind die Wagners gefragt. Viele Teamkollegen seien interessiert, ein gemeinsames Essen habe es schon gegeben. Eine Leckerei, die es in Berlin an jeder Ecke gibt, steht aber offenbar noch aus. „Döner ging auf jeden Fall schon rum, das Gerücht“, sagte Franz Wagner.