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Forstamt will 250.000 Bäume pflanzen

Forstamtsleiter Stefan Fenner (links) begutachtet mit dem neuen Revierförster St. Andreasbergs, Tobias Rauhut, die Schäden durch den Borkenkäfer am Eschenberg und der Umgebung, in der etliche Hektar Wald wegen des Schädlings gefällt werden mussten. Foto: Eggers

Forstamtsleiter Stefan Fenner (links) begutachtet mit dem neuen Revierförster St. Andreasbergs, Tobias Rauhut, die Schäden durch den Borkenkäfer am Eschenberg und der Umgebung, in der etliche Hektar Wald wegen des Schädlings gefällt werden mussten. Foto: Eggers

Braunlage. „Gras, Maus, tot“, lautet ein Spruch unter Förstern. Damit die vom Borkenkäfer befallenen Waldflächen eben nicht vergrasen, will das Forstamt Lauterberg im Bereich Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß bereits in diesem Jahr gegenhalten. 250.000 Bäume sollen neu gepflanzt werden, kündigt Leiter Stefan Fenner an. Das sei etwa eine Fläche von 50 bis 80 Hektar.

Donnerstag, 16.01.2020, 14:43 Uhr

Diese Größe hört sich erst einmal viel an. Aber angesichts von 1400Hektar Wald – das sind etwas mehr als 3100 Fußballfelder – , die laut Fenner im Bereich des Forstamtes von dem Schädling befallen sind, ist das nicht gerade viel. „Es ist schwierig, viele Pflanzen zu bekommen, weil die Nachfrage bei den Baumschulen riesig ist“, sagt er. Denn das Problem mit dem Borkenkäfer haben viele Mittelgebirge in Mitteleuropa.

Der 44-Jährige will neben der Fichte, die in den Höhenlagen des Harzes durchaus ihre Berechtigung habe, auch Buche, Berg- und Spitzahorn, Douglasie, Lärche, Birke, Esche und in den niedrigeren Bereichen auch Eichen anpflanzen lassen. Daneben seien die Mitarbeiter des Forstamtes, zu denen neben zehn Förstern, drei weitere Springer-Förster und 21 Forstwirte gehören, auch in diesem Jahr weiter mit der Borkenkäfer-Bekämpfung beschäftigt.

Der Forstamtsleiter rechnet aber mit weniger Borkenkäfern als im Vorjahr. Der Grund sei unter anderem der milde Winter mit vielen Kälte- und Wärmeperioden. Auf die könne sich das Insekt nur schwer einstellen. Dadurch verbrauche es sehr viel Energie. Viele Tiere würden diese Schwankungen nicht überleben.

Weiter rechnet Fenner für dieses Jahr mit weniger Borkenkäfern, die aus dem Bereich des Nationalparks in den Bereich des Forstamtes fliegen. Ganz einfach deshalb, weil die meisten Bäume der Naturschutz-Einrichtung an der Grenze zum Forstamt bereits tot seien.

Zudem habe es im vergangenen Jahr durch den feuchten Oktober keine dritte Generation an Borkenkäfern im Jahr gegeben. Dadurch gebe es weniger Nachwuchs. Die feuchte Witterung sorge außerdem bei einigen Bäumen für Pilzbefall und dies sei etwas, was die Borkenkäfer ebenfalls nicht mögen würden.

„Dennoch brauchen wir den Regen weiterhin“, sagt Fenner. Der Wildboden im Oberharz sei nur die ersten 30 bis 50 Zentimeter feucht. Danach sei es trocken, und vor allem die Buche habe dadurch Probleme. Auch für die geplanten Neu-Anpflanzungen sei ein feuchter Waldboden von Vorteil.

Der 44-Jährige kündigt auch an, dass diese jungen Bäume nur wachsen können, wenn es einen ausgewogenen Wildbestand gebe. Um den zu erreichen, müssten mehrere Bewegungsjagden veranstaltet werden. „Denn wir haben in unseren Wäldern viel zu viel Rot- und Rehwild“, sagt der Forstwissenschaftler.

Aus diesem Grund sehen die Wanderer und Spaziergänger im Wald derzeit viele junge Bäume mit blauen Kunststoff-Kappen an der Spitze. „Wenn wir die nicht hätten, könnte die große Masse der Bäume nicht weiter nach oben wachsen“, erklärt er. Diese Bäume würden sonst verbuschen. „Aber den Pflanzen diese Kappen aufzusetzen, ist natürlich ein ungeheurer Aufwand, der auch viel Geld kostet“, meint er.

Noch schlimmer sei es bei den Buchen. Wenn sie in jungen Jahren von dem Rotwild geschält würden, würden sie nicht überleben. „Deshalb haben wir die vielen Schutz-Zäune im Wald gezogen“, berichtet Fenner. Zudem seien etliche Buchen am unteren Teil des Stamms mit einem Drahtgeflecht eingewickelt worden.

„Wenn wir aber jetzt mit Riesenaufwand neue Bäume pflanzen, dann können wir diese Schutzmaßnahmen aus Kostengründen kaum vornehmen“, sagt der 44-Jährige. Er plädiere deshalb für die intensivere Bejagung, um ein „vernünftiges Gleichgewicht“ zu erreichen.

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