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Fels-Werke vor entscheidender Weichenstellung

Ostharz-Standorte: Schier unerschöpfliche Lagerstätten für hochreinen Kalkstein sind das große Fels-Plus.  Foto: GZ-Archiv

Ostharz-Standorte: Schier unerschöpfliche Lagerstätten für hochreinen Kalkstein sind das große Fels-Plus. Foto: GZ-Archiv

Goslar. Börse oder Verkauf? Die Signale verdichten sich, dass bei den Fels-Werken ein Wechsel in der Eigentümer-Struktur des Mutter-Konzerns Xella in nicht mehr allzu weiter Ferne liegt.

Von Frank Heine Dienstag, 15.09.2015, 16:50 Uhr

Was passiert wann mit den Fels-Werken? Nicht erst seit dem Frühjahr, als die komplette Xella-Gruppe mit einem als Effizienzprogramm bezeichneten Streichkonzert ihre Strukturen schlank und sich als Braut offenbar hübsch für den Markt machte, wird mal verdeckt, mal offen über einen bald bevorstehenden Eigentümer-Wechsel spekuliert.

Jetzt verdichten sich die Vorzeichen weiter. Am 7. September brachte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die Duisburger Fels-Mutter Xella als Börsenkandidat ins Gespräch, „der womöglich noch in diesem Jahr den Schritt aufs Parkett machen wird“. Finanzkreise halten demnach eine Bewertung mit bis zu 2,5 Milliarden Euro für möglich. Seitdem die Haniel-Gruppe Xella im Sommer 2008 an ein Konsortium verkauft hatte, sind die Finanzinvestoren PAI Partners (Frankreich) und Goldman Sachs (USA) Unternehmen zu gleichen Teilen am Unternehmen beteiligt.

Goslarer Fels-Kenner halten hinter vorgehaltener Hand aber auch einen Verkauf nach wie vor für möglich. Sicher sind sie nur in ihrer Beurteilung, dass spätestens 2016 eine der beiden Optionen gezogen wird – und eine Abtrennung des Gruppen-Krösus Fels vom Rest des Unternehmens eher unwahrscheinlich ist. Der Kalk steuert laut FAZ 21 Prozent zum Jahresumsatz 2014 von knapp 1,3 Milliarden Euro bei und ist das margenstärkste Segment der Gruppe – in Goslar wird von einer locker zweistelligen Rendite gesprochen.

Also Börse oder Verkauf? Für Kommunikationschef Ernst Arelmann ist die Xella-Gruppe „gut aufgestellt“. Er bittet um Verständnis, dass Xella Gerüchte nicht kommentiere. „Wir verfügen über vielfältige Optionen, um unsere erfolgreiche Strategie fortzusetzen“, erklärt Arelmann. Eine Abtrennung oder ein gesonderter Verkauf von Fels stünden nicht zur Debatte.

Egal wie: Eine Veränderung birgt laut Firmen-Kennern Gefahren gerade für die Goslarer Zentrale an der Geheimrat-Ebert-Straße, die schon im Frühjahr mit dem angekündigten Streichen von mehr als 30 Jobs viele Federn lassen musste und künftig nur noch rund 70 Arbeitsplätze zählt. Laut Arelmann läuft das Effizienzprogramm „X-Celerate“ wie geplant und angekündigt. Der Stellenabbau in der Fels-Zentrale finde „im kommunizierten Rahmen“ statt.

Warum besteht Gefahr für Goslar? Längst wird Fels zu großen Teilen aus Duisburg gesteuert. Dr. Jochen Fabritius, Sprecher der Fels-Führung, ist in Personalunion seit November 2014 technischer Geschäftsführer von Xella. Im Übrigen war er vorher 14 Jahre lang beim Unternehmensbrater McKinsey aktiv, das im Frühjahr Xella durchleuchtet hatte. Regionale Wurzeln hat aus der Geschäftsführung eigentlich nur noch Dr. Thomas Stumpf. Der Bad Harzburger ist aber inzwischen auch schon 60 Jahre alt.

Der Fels-Einkauf wird von Duisburg aus gesteuert, die Buchführung ist nach Rumänien ausgelagert, die Forschung und Entwicklung längst nach Rübeland abgewandert. Im Ostharz liegt der wichtigste Fels-Standort mit den schier unerschöpflichen Lagerstätten für hochreinen Kalkstein – mehr als eine Milliarde Tonnen sollen dort liegen und sichern Fels, hinter Rheinkalk bundesweit zweitgrößter Kalkproduzent, eine herausragende Marktposition in Niedersachsen und den neuen Bundesländern.

Warum überhaupt noch eine Zentrale in Goslar? So müsste die Frage eigentlich lauten, sagen Insider. Bei einem Eigentümer-Wechsel käme diese Frage wohl unweigerlich auf den Tisch. Arelmann sieht dagegen kein Fragezeichen hinter Goslar. „Die Aufstellung von Fels entspricht optimal den Anforderungen an eine leistungsstarke Organisation“, bekräftigt er. Goslar sei weiterhin der ideale Standort, um die operativen Funktionen zu steuern und zu bündeln sowie Projekte für unsere Kunden und den Geschäftsbereich zu koordinieren und abzustimmen. „Die Fäden von Fels werden auch in Zukunft in Goslar zusammenlaufen“, lautet seine Prognose.

Trotz des Dementis: Bei einem Verkauf stiegen wohl die Chancen auf einen Erhalt des Goslarer Standorts wohl mit der regionalen Nähe eines möglichen Erwerbers. Deutsche Interessenten – einzeln oder in Konsortien – hätten derzeit aufgrund des miserablen Euro-Kurses eher schlechte Karten gegenüber Konkurrenten von außerhalb Europas. Angebote, so heißt es, soll es bereits gegeben haben. Arelmann will sie allerdings weder bestätigen noch quantifizieren. Auch erste Bestrebungen deutscher Bieter soll es gegeben haben. Sie seien noch ganz frisch, so heißt es.

Ob sie Erfolg haben? Vielleicht lohnt es sich, auch politisch anzusetzen: Einem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel etwa sollte eine Fels-Zukunft in seiner Heimatstadt nicht egal sein, zumal das Unternehmen zu seiner Zeit im Rat und noch unter anderen Besitzern dereinst Erweiterungspläne speziell für Goslar hegte. Und vielleicht kümmern sich auch aktuelle Ratspolitik und Verwaltung frühzeitig um einen Traditionsbetrieb in ihrer Stadt.

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