Zähl Pixel
GZ-Archiv

Fels-Werke suchen neue Geschäftsfelder

Produktneuheit Mörtel-Pellets: Fels-Kommunikationsleiter Bernd Röwert (li.) und Dr. Burkhard Naffin, Vorsitzender der Geschäftsführung, präsentieren ein neues Produkt für den Baubedarf.  Foto: Stade

Produktneuheit Mörtel-Pellets: Fels-Kommunikationsleiter Bernd Röwert (li.) und Dr. Burkhard Naffin, Vorsitzender der Geschäftsführung, präsentieren ein neues Produkt für den Baubedarf. Foto: Stade

Goslar. Die Fels-Werke, die in der Region mit mehreren Betriebsstätten verankert sind, fühlen sich ungeachtet der bevorstehenden Übernahme durch die texanische Investmentgesellschaft „Lone Star“ für die Zukunft gut gerüstet.

Von Oliver Stade Mittwoch, 08.02.2017, 17:04 Uhr

Das Unternehmen befindet sich indes in einer Phase, in der neue Geschäftsfelder erschlossen werden.

Erstmals seit seinem Dienstantritt beschreibt Dr. Burkhard Naffin (51), der Vorsitzende der Geschäftsführung, öffentlich, vor welcher Entwicklung er den Kalkspezialisten sieht. Fels hat in Goslar seinen Sitz und gehört zum Düsseldorfer Baustoffkonzern Xella.

Die Fels-Werke sortieren gegenwärtig ihre Geschäftsfelder neu und wollen Marketing und Innovation stärken. Weil mit den Kohlekraftwerken im Zuge der Energiewende ein wichtiges Absatzfeld wegbricht, intensiviert das Unternehmen sein Engagement in der Landwirtschaft. Kalkprodukte dienen der Branche zur Düngung und zur Bodenhygiene.

Zudem hat Fels „einige Millionen Euro“ in das Mörtelwerk in Niemegk bei Berlin investiert, in dem Mörtel-Pellets produziert werden. Eine Produktneuheit für den Baubedarf. Weil bei der Anwendung weniger Staub entsteht als beim herkömmlichen Mörtel, gewann das Unternehmen mit den Pellets einen Arbeitsschutzpreis.

Hinter Fels liegen unruhige Zeiten. Dazu gehören unter den aktuellen Eigentümern, den Finanzinvestoren Goldman Sachs und PAI Partners, ein gescheiterter Börsengang sowie eine sogenannte Ertüchtigung, der allein am Standort in Goslar trotz guter wirtschaftlicher Marktlage 30 Arbeitsstellen zum Opfer fielen.

Naffin ist seit April 2016 Vorsitzender der Geschäftsführung. Seither hat er „in Ruhe das Unternehmen kennengelernt“. Schon während des Studiums beschäftigte er sich mit Kalk, zuletzt arbeitete er bei Rheinkalk. Wenn Naffin über das Produkt spricht, gerät er ins Schwärmen, Kalk begleite viele Menschen im Alltag, ohne, dass sie es wüssten. Fels sei Deutschlands zweitgrößter Kalkproduzent und in Europa Nummer drei.

Naffin, der mittlerweile nach Goslar gezogen ist, rechnet bei Fels unter den künftigen Eigentümern nicht mit Einschnitten. Er betont, das Unternehmen zähle zu einem von Lone Star aufgelegten Fonds, der keine Sanierungsfälle, sondern wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen halte. Fels sei das erste Unternehmen in dem Fonds.

Ende November war bekannt geworden, dass Goldman Sachs und PAI Partners Xella samt Fels verkaufen. Bis zum Sommer soll der Verkauf an Lone Star vollzogen werden. Die aktuellen Eigentümer hatten Xella samt der früheren Preussag-Tochter Fels 2008 gekauft, die seit 2002 zu Xella gehört.

Zur Neuorientierung gehört der Abschied von einem preisgekrönten Projekt. Das mehrfach ausgezeichnete und mit 4,4 Millionen Euro Fördergeld entwickelte Verfahren zur umweltschonenden Produktion von Synthesegas aus Biomasse und Sekundärrohstoffen wird nicht weiterverfolgt. Das Projekt hieß Ecoloop und wurde in einer Pilotanlage in Rübeland erprobt. „Die Entwicklung der Energiepreise ließ das Verfahren nicht wirtschaftlich erscheinen“, sagt Naffin.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!