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Experten von der Schlangenfarm: Biss der Bambusotter ist schmerzhaft, aber "mäßig giftig"

Die Tierpfleger der Schlangenfarm kümmern sich dort um etwa 20 Bambusottern. Foto: Keudel

Die Tierpfleger der Schlangenfarm kümmern sich dort um etwa 20 Bambusottern. Foto: Keudel

Clausthal-Zellerfeld. Die Bambusotter, die vor zwei Wochen das erste Mal in Clausthal-Zellerfeld gesehen wurde, wird von den Experten der Schlangenfarm Schladen als „mäßig giftig“ beschrieben. Aber was heißt das für die Menschen, die am Kleingartenverein Roseneck oder am Ottiliae-Schacht unterwegs sind, also da, wo mehrfach eine Schlange gesichtet wurde?

Dienstag, 16.06.2020, 15:45 Uhr

Das Tier ist giftig, sodass ein Biss zumindest für Kinder, kranke und ältere Menschen sowie für Allergiker gefährlich sein kann, sagt Svenja Büsing, Tierpflegerin in der Schlangenfarm.

In Thailand oder auf Java, eine Insel Indonesiens, sind die Bambusottern für die meisten Schlangenbissverletzungen überhaupt verantwortlich. Die Bisse seien zwar schmerzhaft, würden jedoch selten tödlich enden. „Das Gift der Bambusotter ist ein Gewebe zersetzendes Gift, das die Blutgerinnung hemmt“, sagt Oliver Keudel, ebenfalls Tierpfleger in Schladen. Zunächst schwelle die Bissstelle an, werde warm und rot. Das Gift wirke sich recht schnell aber auch auf den restlichen Körper aus. Es komme zu Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, nach einigen Stunden auch zu Schüttelfrost und Fieber.

Die Bambusotter ist nachtaktiv und hauptsächlich in Südostasien weit verbreitet. Durch ihre giftgrüne Färbung ist sie perfekt an die Natur angepasst und im Urwald schwer auszumachen. Nähert man sich ihr, verharrt sie normalerweise regungslos an ihrem Platz. Erst wenn die Bedrohung zu groß wird oder man versehentlich auf sie tritt, geht die Schlange zum Angriff über und beißt zu, erklären die Tierpfleger.

Eine Behandlung mit dem Antiserum (Gegengift) sollte innerhalb von zwei Stunden erfolgen. Da die Schlangenfarm selbst Bambusottern beherbergt, ist dort Antiserum vorrätig, das auch innerhalb von 45 Minuten in Clausthal-Zellerfeld sein könne. Oliver Keudel betont, dass es manchmal erst gar nicht zum Einsatz kommen müsse. Ein Arzt entscheide, ob der Zustand es erfordere. Häufig würden die Symptome nach 48 Stunden einfach so abklingen.

In dieser Woche hat sich die Schlange bisher nicht wieder gezeigt. Was machen die Experten der Schlangenfarm jedoch, wenn sie den entscheidenden Anruf erhalten? „Wir setzen uns schnell ins Auto und pflücken sie aus dem Baum. Wir haben dafür einen Eimer“, meint Keudel. Wenn man wisse, wo sich das Tier aufhält, sei das beinahe ein Kinderspiel. Darum empfehle er den Bürgern, die Schlange gut zu beobachten, falls sie ihnen über den Weg schlängelt – natürlich mit einem Sicherheitsabstand.

Wo die Bambusotter herkommt, ist dem Ordnungsamt noch nicht bekannt. Tierfreund Keudel überlegt, ob die Schlange entweder abgehauen oder ausgesetzt worden sei. Er glaube jedoch nicht, dass sie bei einem angemeldeten Halter gelebt habe. Diese seien in der Regel seriös und hätten sich schon gemeldet. Nach dem niedersächsischen Gefahrtiergesetz braucht man eine Genehmigung, um Giftschlangen zu halten. In Sachsen-Anhalt oder Nordrhein-Westfalen beispielsweise könne jeder solche Tiere zu Hause haben. In Niedersachsen kontrolliert eine Behörde die Haltungsbedingungen.

Unter www.clausthal-zellerfeld.de gibt es weitere Informationen, was zu tun ist, wenn man der Schlange begegnet. Dort stehen wichtige Telefonnummern.

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