Erinnern an die Zeit in Schreiberhau
Im Ratssaal liegen zahlreiche Fotografien und Dokumente für die Teilnehmer des 38. Schreiberhauer Heimattreffens aus. Carl-Peter Freytag (rechts) und seine Mutter Christa sowie die weiteren Besucher blättern sich durch die Historie von Schreiberhau, dessen Wappen (kl. Bild) vor der Heimatstube steht. Fotos: Seltmann
Bad Harzburg. Waren es vor Jahrzehnten noch Hunderte Besucher, haben sich in diesem Jahr 40 Personen angemeldet: Zum 38. Mal fand bis Sonntag das Schreiberhauer Heimattreffen in der Patenstadt Bad Harzburg statt. Jetzt firmiert es als Stammtisch.
Bad Harzburg. Waren es vor Jahrzehnten noch Hunderte Besucher, haben sich in diesem Jahr 40 Personen angemeldet: Zum 38. Mal fand bis Sonntag das Schreiberhauer Heimattreffen in der Patenstadt Bad Harzburg statt. Jetzt firmiert es als Stammtisch.
Im Mittelpunkt standen und stehen bis heute der Austausch und das Erinnern an die Kindheit in der Stadt im Riesengebirge, die heute Szklarska Poreba heißt. Ein offizielles Programm brauche es da gar nicht, meinte Carl-Peter Freytag. „Die Menschen wollen reden.“ Er ist der Sohn von Carl-Heinz Freytag. Sein 84-jähriger Vater hält als Vorsitzender der Heimatgemeinschaft Schreiberhau die Fäden zusammen und sorgt unter anderem dafür, dass die Mitglieder zu den Treffen eingeladen werden. Sohn Carl-Peter ist Jahrgang 1963 und erinnert sich noch an Schreiberhauer Heimattreffen im Kurhaus mit 800 Besuchern, zu denen er als Kind seine Eltern begleitet hatte. „Auch die wollten nur reden, manche sind dazu extra rausgegangen.“
Fasziniert erinnert er sich, wie die Menschen zusammentrafen: „Einer sprach bayrisch, der andere hessisch oder hamburgisch. Dann glich sich das an, und am Abend sprachen alle eine Sprache.“
Freytag junior ist in Bielefeld geboren. Dorthin verschlug es die Familie des Vaters 1946. Dort fand er seine spätere Ehefrau Christa, die die Treffen seit Jahrzehnten mitträgt, obwohl sie nicht aus dem Riesengebirge stammt. „Wir können schon von Glück sagen, dass wir solche Ehepartner gefunden haben, die Verständnis für uns haben“, meinte auch Monika Grund, die in Ober-Schreiberhau aufwuchs und deren Mann Franke ist. Den Flüchtlingsstatus hätten sie lange gehabt, sagte Freytag. Es habe lange gedauert, bis man akzeptiert worden sei. Als er Christa 1961 geheiratet habe, hätte es noch gehießen: „Die kriegt einen Flüchtling.“
Heidi Hembs aus Wernigerode war zum ersten Mal bei einem Treffen dabei. Ihre verstorbene Mutter stammte aus Schreiberhau. Sie hatte Dokumente dabei, die sie der Heimatstube der Stadt überlassen wollte. „Es ist schön, dass man eine Verbindung zur Vergangenheit hat“, sagte sie.
Im Ratssaal des Rathauses stand ganz viel Vergangenheit auf dem Programm. Hier hatte Ralf Otte, der in der Verwaltung die Partnerschaften der Stadt betreut, zahlreiche Ordner und Fotografien ausgelegt, die von den Besuchern eifrig studiert wurden. Auch ein Film wurde gezeigt. Monika Grund nutzte die moderne Technik und machte mit dem Smartphone Aufnahmen von den alten Fotografien. Aus der dritten Generation stammte Christina Kielbinski. Ungewöhnlich: Sie wurde 1949 in Schreiberhau geboren und wuchs dort auf. Ihre Mutter war nach dem Krieg in Polen geblieben, weil sie dort verheiratet war. Christina Kielbinski, die heute in Bremen lebt, wuchs zweisprachig auf und studierte Germanistik, bevor sie 1983 nach Deutschland kam. Alte Freunde aus Bad Harzburg trafen am Wochenende auch aufeinander. Wolfgang Kullig, ehrenamtlicher Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Bad Harzburg und seit Jahrzehnten bei den Treffen dabei, erhielt von Carl-Heinz Freytag ein Erinnerungsgeschenk als Dankeschön. Kullig hatte die Schreiberhauer am Freitagabend auch offiziell im Namen der Stadt begrüßt. Ein Kaffeenachmittag in der Marienteichbaude und ein gemütliches Beisammensein im Palmen-Café sowie eine sonntägliche Verabschiedungsrunde komplettierten das Treffen des Schreiberhau-Stammtisches 2019.
Auch die Heimatstube in der Remise am Rathaus hat ihre Pforten geöffnet für die Gäste.
Carl-Heinz Freytag (links) und Georg Hallmann (rechts) im Gespräch mit dem Bad Harzburger Partnerschaftsbeauftragten Wolfgang Kullig.
Ralf Otte
38. Schreiberhauer Heimattreffen Stammtisch Rathaus