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Gregor Zippel feiert 80. Geburtstag

Ein „cooler Lehrer“ und Gottesmann

Anlässlich des 80. Geburtstages von Benediktiner Gregor Zippel (Mitte li.) wird in der katholischen St.-Konrad-Kirche Oker ein Festgottesdienst gefeiert. Daran nimmt auch Domkapitular a. D., Adolf Pohner, teil. Er war in den 1970er und 1980er Jahren Pfarrer der St.-Konrad-Gemeinde.  Foto: Slotosch

Anlässlich des 80. Geburtstages von Benediktiner Gregor Zippel (Mitte li.) wird in der katholischen St.-Konrad-Kirche Oker ein Festgottesdienst gefeiert. Daran nimmt auch Domkapitular a. D., Adolf Pohner, teil. Er war in den 1970er und 1980er Jahren Pfarrer der St.-Konrad-Gemeinde. Foto: Slotosch

Oker. Verschmitzter Blick, klare Ansagen und ein Blick, der mit 80 Jahren noch ohne Brille auskommt: Gregor Zippel feierte beziehungsweise wurde eine ganze Festwoche lang gefeiert.

Dienstag, 03.12.2019, 14:46 Uhr

Letzte Station der vielen Ehrungen und Glückwünsche war der Besuch bei Nichte Angelika Slotosch und Ehemann Jürgen in Ohlhof. Das Ehepaar hatte auch Freunde eingeladen, so dass einem gemütlichen Abend nichts im Wege stand.

Hier, so ganz privat, feierte der emeritierte Abt des Bendiktinerklosters Rohr (Niederbayern) sein Jubiläum. Und das nicht zufällig.

Nach der Flucht aus Oberschlesien war die Familie in Oker bei Bekannten untergekommen und hatte hier ein neues Zuhause gefunden. Da war Stefan Edmund Zippel fünf.

Während andere Schulfreunde Landwirt, Lehrer oder Handwerker wurden, war für ihn schnell klar: Ich will Priester werden. Seine Mutter wurde von einem befreundeten Geistlichen auf die damals neugegründete Klosterschule in Rohr aufmerksam gemacht. „Ich habe beim Pfarrer in Oker fünf Monate lang Latein nachgelernt und bin dann mit 14 in die zweite Gymnasialklasse in Rohr aufgenommen worden“, erinnerte sich der Jubilar.

Die Klostergemeinschaft der Benediktiner gefiel ihm so gut, dass bald für ihn feststand, hier Mitglied werden zu wollen. Das blieb er über Jahrzehnte. Acht Jahre lang, von 2002 bis 2010, stand er der Gemeinschaft vor. Seitdem ist er als Abt offiziell im Ruhestand. Und klingt wehmütig, als er erzählt: „Wir sind aktuell nur noch vier Mitglieder.“ Es habe Zeiten gegeben, da gehörten gut 30 Männer zur Gemeinschaft. „Ora et labora“ (bete und arbeite) ist aktuell eben nicht das angesagteste Lebensmotto.

Für Gregor Zippel war es aber beinahe ein ganzes Leben lang genau das, was er liebte und lebte. Bis heute steht er morgens um 4.55 Uhr auf, besucht 6 Uhr den ersten Gottesdienst der Abtei und beginnt um 8 Uhr mit dem Schulunterricht. Der Okeraner, so kann man ihn durchaus nennen, hat nämlich neben dem Leben unter strengen Regeln ein zweites als Lehrer. Offenbar ein begnadeter, denn die gesamte Schülerschaft, Lehrer und Eltern dankten und feierten ihren „Alt-Abt“ in Rohr mit vielen Aufmerksamkeiten und Dankesworten.

Das ist für einen Lateinlehrer nicht unbedingt die Regel. Doch der einstige Abt hat einige Tricks, um seine Schüler und das Lateinische schmerzfrei und im Idealfall lustvoll miteinander zu verknüpfen: Die alte Sprache macht ihm selber viel Freude. Er liebt sie, vermittelt sie gern, nutzt auch neue technische Möglichkeiten. Und er ist fest davon überzeugt, dass Latein („und nicht Englisch“) die ideale Basis ist, um viele andere Sprachen leicht zu lernen. Ginge es nach ihm, wäre Latein die erste Sprache nach Deutsch. Als „Exenschreck“ durchaus schon mal verwünscht, sorgt bis heute sein wöchentlicher schriftlicher Test der Lateinvokabeln dafür, dass ganz einfach gelernt werden muss.

Auch sonst muss er am Johannes-Nepomuk-Gymnasium eine Menge richtig machen, um bis heute als „cooler Lehrer“ zu gelten. In den 40 Jahren, in denen er neben Latein auch Deutsch unterrichtete, hat er ganze Generationen durch die Schule begleitet. „Inzwischen dürfte ich Bayerns ältester Lateinlehrer sein“, scherzte er. Ein Jahr lang will er mindestens noch unterrichten.

„Jede Feier war auf ihre Art einmalig und schon fast beschämend schön“, sagt er zu seiner „Festwoche“. Nach den Veranstaltungen in der Abtei, in der Schule, einem festlichen Gottesdienst mit vielen Mitgliedern in der St.-Konrad-Kirche in Oker und in privater Runde ging es nun zurück in die Abtei.

Das Unterrichten und das Leben nach den Regeln der Gemeinschaft sowie ein fester Glaube, da ist er sich sicher, hat ihn geistig wie körperlich vital bis ins achte Lebensjahrzehnt geführt. Angesichts dessen, dass sein Vater mit 46, die Schwester mit 48 Jahren verstorben ist, sieht er seit seinem 50. Geburtstag sowieso „jeden Tag als Geschenk, das ich dankbar annehme“.

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