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Ein Zahnarzt mit Biss auf der Tartanbahn

Die Meisterstaffel des Jahres 1984: Ein Mannschaftsbetreuer (Name ist nicht bekannt) freut sich mit Reinald Kohne, Carsten Fischer, Uwe Wegner und Erwin Skamrahl (v. re.). Archivfoto: privat

Die Meisterstaffel des Jahres 1984: Ein Mannschaftsbetreuer (Name ist nicht bekannt) freut sich mit Reinald Kohne, Carsten Fischer, Uwe Wegner und Erwin Skamrahl (v. re.). Archivfoto: privat

Er sei damals nur das „vierte Rad am Wagen“ und seine Teamkollegen die deutlich besseren Läufer gewesen, gibt sich Dr. Reinald Kohne heute bescheiden. Doch der 56-jährige Zahnarzt aus Goslar gehörte in den 1980er Jahren zu Deutschlands Leichtathletik-Elite. 1984 wurde er mit der 4x400-Meter-Staffel des SV Union Groß Ilsede gar deutscher Meister.

Donnerstag, 28.12.2017, 15:40 Uhr

Er sei damals nur das „vierte Rad am Wagen“ und seine Teamkollegen die deutlich besseren Läufer gewesen, gibt sich Dr. Reinald Kohne heute bescheiden. Doch der 56-jährige Zahnarzt aus Goslar gehörte in den 1980er Jahren zu Deutschlands Leichtathletik-Elite. 1984 wurde er mit der 4x400-Meter-Staffel des SV Union Groß Ilsede gar deutscher Meister.

Drei Minuten und 5,86 Sekunden brauchte die Staffel um Startläufer Kohne damals für die 1600 Meter über dieTartanbahn im Düsseldorfer Rheinstadion. Bis heute sei das die zweitschnellste Zeit, die eine deutsche Staffel je in dieser Disziplin gelaufen ist, so Kohne. Das Quartett, das damals für Groß Ilsede an den Start ging, bestand neben Kohne aus Carsten Fischer, Uwe Wegner und seinem prominentesten Mitglied, dem Schlussläufer Erwin Skamrahl. Dieser wurde 1982 mit der deutschen 4x400-m-Staffel gar Europameister, 1983 Vize-Weltmeister und Fünfter bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles.

So weit nach oben ging es für Reinald Kohne auf der Erfolgsleiter zwar nicht, doch an „fünf oder sechs deutschen Meisterschaften“ hat der Abiturient des Ratsgymnasiums aus dem Jahr 1980 auch teilgenommen. Dazu stehen in seiner Erfolgsbilanz sieben Landesmeistertitel und sechs norddeutsche Meisterschaften – alle mit der 4x400-m-Staffel und alle in den 1980er Jahren.

Mit 15 Jahren hat Kohne die Leichtathletik für sich entdeckt. Er startete seine Karriere bei der Postsportgemeinschaft Goslar. Zunächst probierte er sich im Sprint und Sprung aus, „einmal auch als Zehnkämpfer“, erzählt der Zahnarzt. In der 4x100-m-Staffel sei er damals auch mit Christian Lossie gelaufen, der heute als Neurologe in Goslar arbeitet. Das Laufen scheint Harzer Medizinern in den Genen zu liegen...

Ab 1978 spezialisierte sich Kohne auf die 400 Meter und machte schnell auf sich aufmerksam. 1979 wurde er auf der Strecke A-Jugend-Landesmeister.

1980 absolvierte er seinen Grundwehrdienst in Warendorf und wechselte zum Postsportverein Hannover. Sein Trainer war der im März 2017 verstorbene Friedrich Kanngiesser, über Jahrzehnte einer der erfolgreichsten Sprinttrainer in Niedersachsen. Ab 1981 studierte Kohne Zahnmedizin in Göttingen, lief jedoch zunächst weiter für den Postverein, bis sein Trainer 1983 nach Groß Ilsede wechselte. Kohne und der Rest der zukünftigen Meisterstaffel folgten ihm. 1987 übernahm er die Zahnarztpraxis seines Vaters in Goslar. Langsam klang dann auch die Laufkarriere aus: 1991 reichte es noch einmal zur deutschen Vize-Senioren-Meisterschaft in der 4x400-m-Staffel.

Heute lasse er es etwas ruhiger angehen, sagt der Zahnmediziner. Seinen sportlichen Ehrgeiz hat er aber an seinen Sohn weitergegeben. Simon Kohne mag es dabei etwas schneller und dreht als Bahnradfahrer seine Runden.

Reinald Kohne

Reinald Kohne

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