Ein „Voodoo-Girl“ aus Goslar
<p>Baden-württembergische Autoren-Gegenwart: Petra Meineke schreibt unter dem Pseudonym Roxanne Rivington. Foto: Privat</p>
Goslar. Petra Meineke alias Roxanne Rivington ist bei einem Autorenwettbewerb erfolgreich. Schriftstellerin mit Goslarer Wurzeln.
Zoé ist 16 Jahre alt und von Selbstzweifeln geplagt. Sie ist bei ihrer Tante Megan aufgewachsen und hat ihre Eltern nie kennengelernt. Eine Reise nach Haiti, wo sie geboren wurde, soll ihr die Antworten auf viele Fragen bringen. Auf der Karibikinsel bekommt sie es mit Voodoo-Zauber, Geistern und Dämonen zu tun. Außerdem spielen längst vergangene Zeiten eine Rolle, als der charismatische Sklavenführer Boukman zusammen mit Voodoo-Hexe Cécile Fatiman und dem jungen Sklaven Mokabi 1791 das Fanal zur Revolution setzt.
Welch ein Stoff für eine fesselnde Geschichte: Dunkle Magie, rätselhafte Geheimnisse, eine epochale Historie und eine exotische Kulisse – Roxanne Rivington hat in ihrem Premieren-Werk „Voodoo Girl“ an nichts gespart. Auf die Idee ist die Autorin durch ihr Faible für fremde Kulturen und Geschichte gekommen. Ihr Schriftsteller-Pseudonym hat die 1961 in Goslar geborene Petra Meineke dagegen eher durch Zufall erfunden.
Als „Roxanne“ hatte sich Meineke 2006 in einem Harry-Potter-Forum angemeldet, als Joanne K. Rowling die Welt gerade mit einem der ihrer Meinung nach „gemeinsten Cliffhanger der Literaturgeschichte beglückt“ hatte. Harrys großer Lehrmeister und großväterlicher Freund Albus Dumbledore war am Ende des sechsten Teils „Der Halblutprinz“ einem magischen Mörder zum Opfer gefallen. Wie sollte es weitergehen? „Ich wollte mitspekulieren“, erklärt Meineke, „und die Figur Roxane aus Cyrano de Bergerac mochte ich schon immer.“
Der zweite Teil des Namens kam im Herbst 2014 hinzu. Als Meineke ihr Skript für „Voodoo Girl“ beim Piper-Autorenwettbewerb auf der Schreibplattform Wattpad einreichte, war sie beileibe nicht die einzige Roxanne, die sich dort tummelte. „Also musste ganz schnell ein Nachname her.“ Die Anleihe nahm sie diesmal bei Martha Grimes, einer ihrer Lieblingsschriftstellerinnen. Vivian Rivington ist eine ihrer Krimi-Figuren und steuerte den Nachnamen bei. Und es lief, wie erträumt: „Voodoo-Girl“ erreichte das Finale, der Piper-Verlag bot einen Vertrag an, und das Pseudonym habe dem Verlagsteam so gut gefallen, so Meineke, „dass ich dabei geblieben bin“.
Und wer versteckt sich hinter Roxanne Rivington alias Petra Meineke? „Geboren in den Swinging Sixties im wunderschönen Goslar am Harz“, wirbt sie auf ihrer Homepage für ihre alte Heimat und verrät, dass sie Zahlen ebenso wie Worte mag und außer Frauen-Zeitschriften eigentlich alles liest – „auch Kochbücher, Gebrauchsanweisungen und Landkarten, vor allem aber Romane quer durch alle Genres.“
Warum das? „Wer schreiben will, muss lesen.“ Diesen unbezahlbaren Rat („ich beherzige ihn bis heute“) habe ihr einst ihr Chef Alexander Sowa gegeben, als sie ein Texter-Praktikum in dessen Goslarer Werbeagentur absolviert habe. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits 25Jahre alt, hatte am CvD-Gymnasium ihr Abitur gemacht, in Braunschweig ein Kunstpädagogik-Studium nach zwei Semestern abgebrochen und ein Diplom in Betriebswirtschaft in der Tasche.
1988 erhielt Meineke die Chance, die Verantwortung für die Kundenzeitungen der Lidl- und Schwarz-Kette, zu der auch Kaufland gehört, als Chefredakteurin zu übernehmen. Nach vier Jahren ging sie zurück zu ihren betriebswirtschaftlichen Wurzeln und arbeitete als Marketingleiterin in verschiedenen Unternehmen. Mit einem Großhandel für Kommunikationstechnik machte sie sich 2000 selbstständig. Eine schwere Knochen- und Gewebekrankheit zwang sie 2004 zur Aufgabe. Mit den Spätfolgen hat sie immer noch zu kämpfen. Aufgrund ihrer Erkrankung ist sie zurzeit befristet berentet.
2008 begann Meineke nebenberuflich mit dem Schreiben. „Loa – die weiße Mambo“ nannte sie die Geschichte damals, aus der später das „Voodoo Girl“ wurde. Sie wohnt heute im baden-württembergischen Langenbrettach bei Heilbronn und zählt zu ihren Hobbys – natürlich – das Lesen und Schreiben sowie vor ihrer Erkrankung das Tanzen und Laufen. Auf dem sportlichen Sektor funktioniert jetzt nur noch das Schwimmen – eine Beschäftigung, der sie ein frühes Bild in der GZ verdankt. Die Aufnahme, die Fotograf Friedhelm Geyer im Juli 1980 gemacht hatte und eine lachende Petra Meineke mit Schirm im Wasser zeigt, hat sie bis heute aufbewahrt: „Auch bei Regen war ich täglich im Freibad.“ Muss wohl: Während in den USA drückende Hitze bis 60 Grad für Trockenheit, Ernteausfälle und zig Todesfälle sorgte, herrschte in Goslar ganz anderes Wetter. Redakteur Friedrich Metge hatte seine Geschichte damals betitelt: „Im Schwimmbad baden diesen Sommer nur die Regentropfen“.
Ihr erstes Werk „Voodoo Girl“ hat die gebürtige Goslarerin Petra Meineke im Juni 2016 unter dem Pseudonym Roxanne Rivington als E-Book beim Piper-Verlag in dessen E-Programm „Piper Fahrenheit“ veröffentlicht. Es kostet 6,99 Euro und ist in allen Bücher-Webshops sowie im Buchhandel erhältlich.
Das Buch erschien erstmals auf der kanadischen Schreibplattform Wattpad. Die Geschichte begeisterte nach Verlagsangaben tausende Leser und gewann im Herbst 2014 einen „Wattys Award“.
Ursprünglich hatte Meineke den Titel „Loa - die weiße Mambo“ vorgesehen. Das Buch ist Auftakt einer Trilogie und spielt auf der Karibikinsel Haiti.
18 Jahre alt und damals täglich mit Badekappe und Regenschirm im Goslarer Freibad: Petra Meineke hat sich eine GZ-Aufnahme aus dem Jahr 1980 bis heute aufgehoben.