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Ein Verleger mit hoher publizistischer Kompetenz

Ein Foto vom Frühlingsfest 2013 im Wohnstift: Alt-Verleger Dr. Klaus Krause feiert heute seinen 80. Geburtstag.  Foto: Heide Ludwig

Ein Foto vom Frühlingsfest 2013 im Wohnstift: Alt-Verleger Dr. Klaus Krause feiert heute seinen 80. Geburtstag. Foto: Heide Ludwig

Goslar. Der Alt-Verleger der Goslarschen Zeitung, Dr. Klaus Krause, wird am heutigen Mittwoch 80 Jahre alt. Kunst, Kultur und Soziales profitieren von seinem Einfluss.

Dienstag, 17.03.2015, 10:31 Uhr

Weniger ist meist mehr“, lautet ein Credo, das für den Verleger der Goslarschen Zeitung Dr. Klaus Krause wie maßgeschneidert passt. Aber wie sollen wir, die mit ihm zusammengearbeitet haben, journalistisch maßhalten? Das geht schon deshalb nicht, weil es in der alten Kaiserstadt eine Kultur des Vergessens gibt und fast nichts bleibt bis auf das gedruckte Wort. Vom Vergessen ist der Alt-Verleger als Alzheimer-Patient in gesundheitlicher Hinsicht auf andere Art betroffen. Seit zwei Jahren lebt der gläubige Katholik in einem Goslarer Wohnstift, der intensiven Pflege wegen, aber auch, um über einen längst vergangenen Zeitraum noch Mitbewohner und Besucher bewusst erleben zu können. Seine Frau Elke wird ihm heute die ganz persönliche Geburtstags-GZ zeigen, ihm vorlesen und darauf hoffen, dass sie ihn noch erreicht.

Stark sind die Erinnerungen an ihn, der bei seiner Belegschaft als „GZ-Außenminister“ gehandelt wurde. Das hing mit den vielfältigen verlegerischen Ehrenämtern und der langjährigen Verbands-Vorstandsarbeit bis hin zur oft richtungsweisenden Tätigkeit im Presserat zusammen. Sich selbst und die Redaktion sah er immer als Anwalt der Bürger. Dr. Krause war es auch zu verdanken, dass die deutschen Zeitungsverleger eine ihrer jährlichen Verbandstagungen in Goslar abhielten. Diese Aktivitäten waren möglich, weil Gert Krause, sein Bruder und Partner in der Geschäftsführung, mit ihm zusammen die vielfältigen Herausforderungen für ein Zeitungshaus zukunftssicher meisterte.

„Eine Stadt und ihre Zeitung“ wählte der ehemalige Oberstudiendirektor Friedrich Deininger als Titel für ein Buch, in dem er die Anfänge der Goslarschen Zeitung von 1783 bis 1984 beschreibt. Dr. Klaus Krause trat 1965 vier Jahre nach seinem Bruder als tätiger Gesellschafter in die Firma ein. Gemeinsam lenkten sie nach dem Tod ihres Vaters Dr. Walther Krause im Jahr 1971 das Unternehmen, wobei die Redaktion und der Vertrieb zu den Aufgabenfeldern von Dr. Klaus Krause zählten, während Gert ganz wesentlich Technik auf dem neuesten Stand und das Wohl und Weh der Anzeigenabteilung verantwortete.

Dr. Klaus Krause, liberaler Denker, Freund der schönen Künste und mitmenschlich agierender Feingeist, wurde für alles, was ihn ausmachte, geehrt. Niedersachsens Innenminister Gerhard Glogowski überreichte ihm 1998 im Celler Schloss das Große Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens, verbunden mit besten Wünschen von Kanzler Gerhard Schröder.

Als sein Abschied aus dem Verlag im Juni 2004 anstand, ehrte ihn Goslars Oberbürgermeister Dr. Otmar Hesse im Großen Heiligen Kreuz mit der städtischen Ehrenplakette als Dank „für berufliches Wirken sowie außerordentliches Engagement auf sozialem und kulturellem Gebiet“. Bruder Gert hatte sich schon einige Monate vorher zurückgezogen. Damals erlebte die vierte Krause-Generation an der Verlagsspitze mit Philipp und Klemens Karl Krause den stimmungsvollen Abschied.

Wenn eine Stadt eine solch hohe Auszeichnung vergibt, hat das Gewicht. Damit wurde vieles aufgewogen wie die „unendliche Geschichte“ des Kunstförderers Dr. Klaus Krause im Zusammenhang mit dem Verein zur Förderung Moderner Kunst. Viele Jahre bemühte er sich, den 2. Vorsitz im VFK-Vorstand abzugeben, doch erst kurz vor seinem Ruhestand zog er endgültig die Bremse.

Bis dahin hatte „Kunstpapst“ Peter Schenning seinen Freund „Pilo“ mit der ihm eigenen Überzeugungskraft fest an den Kaiserring gebunden. Für den VFK und Goslar waren das Sponsoring und der kluge Rat des Verlegers eine konstante Größe. Zu seinem fotografischen Vermächtnis wurde ein Luftbildband über Goslar, den er zusammen mit der früheren GZ-Lokalchefin Dr. Ursula Müller erstellte.

Apropos Müller, Mueller und Krause: Es gab in Goslar Zeiten, da dominierte der Name Fricke von der Anzahl und der Bedeutung her. Später holten die Krauses auf. Dem Großvater von Dr. Klaus und Gert Krause, Karl Krause, folgte der Vater Dr. Walther Krause, dann kamen die Brüder ans verlegerische Ruder. Und nicht nur das. Sie „verbündeten“ sich mit den Müllers mit „ue“ und „ü“. Chefredakteur Andreas Mueller und Dr. Ursula Müller („um“) als Lokalchefin bildeten zusammen mit ihnen eine starke Einheit. „Liberalität habe ich neben anderem als junger Geschäftsführer von Andreas Mueller gelernt“, sagte Dr. Klaus Krause im Rückblick auf die gemeinsame Zeit.

Verleger einer Lokalzeitung wie der „Goslarschen“ zu sein, verlangt an manchen Tagen nach Stressresistenz. Nicht jedem Leser munden Meinungen und Kommentare, selbst wenn damit der Versuch von positiver Stadtentwicklung verbunden ist. In den Diskussionen mit den Mächtigen aus allen Gesellschaftsschichten im Verbreitungsgebiet gab es Stürme mit erheblichen Turbulenzen. Dr. Klaus Krause stand dabei fest an der Seite seiner Redaktion.

Seine Schreiber erlebten ihn freudig, als er von einer Verlegertagung zurückkam und erzählte, dass die GZ durch die diversen Sammelaktionen zur Linderung weltweiter Katastrophen im Kollegenkreis hohe Beachtung gefunden hatte. Das war die soziale Schiene, die er und sein Bruder vorlebten. Dazu gehörten auch sein persönlicher und ihr gemeinsamer enormer Beitrag als Mitgründer der Bürgerstiftung für Goslar und Umgebung an der Seite der Familie Tessner. In einer GZ-Hauspostille wurde „Dr. Klaus“ mit einem Augenzwinkern zum „Schweinchen-Moltke“. Ähnlich wie der Stratege auf militärischem Gebiet lenkte er Jahr für Jahr die Logistik für die „Glücksschweinchen-Aktion“ der GZ und suchte gezielt nach denen, die aus den Erlösen Hilfe erhalten sollten.

Der auf Harmonie bedachte Naturliebhaber und begeisterte Tennisspieler blieb bei seinem langen beruflichen Wirken nicht frei von Emotionen. Schmerzlich war die Aufgabe des Zeitungsrings. Als die GZ nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 wieder erscheinen durfte, schloss sie sich mit anderen Verlagen im südlichen Niedersachsen zum späteren „Zeitungsring Süd-Niedersachsen“ zusammen. Die Zentralredaktion saß in Goslar, und erst 1986 wurde der Ring aufgelöst. Dr. Klaus Krause hat darunter gelitten.

Den Schmerz über den Verlust der Deutungshoheit im Umgang mit dem, was täglich auf der Seite 1 mit „überparteilich und unabhängig“ überschrieben wird, konnte er schwer verbergen. Zu spüren war Herausgeber-Tradition alter Prägung, weil ein Stück Selbstständigkeit verloren ging. Sichtlich bewegt hatte ihn die Wiedervereinigung, verbunden mit dem leider nur kurzzeitigen Engagement des Verlages in Wernigerode, das als „Abenteuer“ ein Stück Geschichte wurde.

Es gab und gibt in der GZ immer wieder Anregungen, die Positives nach sich ziehen und den Verlag erfreuen. Ein großes Beispiel dafür war die Entwicklung rings um das Rammelsberger Bergbaumuseum, dessen Zustandekommen maßgeblich dem journalistischen Einsatz von „um“ zu verdanken ist. „Da trinken wir ein kleines Bier drauf“, pflegte Dr. Klaus Krause mit feinem Lächeln bei derartigen Gelegenheiten zu sagen.

Der Autor Hans Kraus war von 1991 bis 2005 Chefredakteur der Goslarschen Zeitung und arbeitete in dieser Zeit eng mit dem damaligen Verleger Dr. Klaus Krause und seinem Bruder Gert zusammen.

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