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Ein Duo mischt den Theresienhof auf

<p>Ulrich Zerreßen, neuer Leiter des Theresienhofs, ist ein Mann ohne Berührungsängste. Auch „Sparky“ hat seine Rolle im Seniorenheim gefunden. Foto: Kempfer</p>

<p>Ulrich Zerreßen, neuer Leiter des Theresienhofs, ist ein Mann ohne Berührungsängste. Auch „Sparky“ hat seine Rolle im Seniorenheim gefunden. Foto: Kempfer</p>

Goslar. Mit Ulrich Zerreßen gibt seit einigen Monaten ein Rheinländer den Ton im Theresienhof an – hart, aber herzlich. Ein bisschen Spaß muss sein – dafür sorgt auch Zerreßens Hund „Sparky“.

Von Sabine Kempfer Dienstag, 25.04.2017, 16:57 Uhr

Wenn es darum geht, einen Draht zu „seinen“ Bewohnern aufzubauen, dann hat Zerreßen einen Beschleuniger auf vier Beinen: Der Doodle „Sparky“ hat sich längst einen Ruf als „Eisbrecher“ erworben. Hund und Herrchen strotzen vor Energie – und die wird auch gebraucht, um alles umzusetzen, was die Evangelische Stiftung Neuerkerode als Träger mit dem Haus plant (die GZ berichtete).

Die Stiftung sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen, erläuterte deren Direktor Rüdiger Becker; es wurden einige diakonische Einrichtungen integriert, nicht in allen lief es wie am Schnürchen. So war es auch im Seniorenzentrum Bethanien in Braunschweig, für das die Stiftung vor drei Jahren einen neuen Leiter suchte – der Beginn der Zusammenarbeit mit Zerreßen. Der gebürtige Mönchengladbacher zog dafür von Hamburg nach Schöningen. Ein Wunschwechsel, denn in der 12000 Einwohner zählenden Stadt hatte er bereits zwei Jahre lang an den Wochenenden mit seiner Frau, einer Lochtumerin, deren Elternhaus saniert – und wollte an den Sonntagen gar nicht mehr weg.

Zerreßen stach unter den Bewerbern heraus, nicht nur wegen seiner Größe von 1,96 Metern: „Er warwie ein unregelmäßiges Verb“, sagte Becker – genau so jemanden suchte die Stiftung. Der Rheinländer gilt als schneller Entscheider, einer, der nicht lange zaudert, der reden und Konflikte lösen kann. In Bethanien machte er seine Sache gut – jetzt mutet ihm die Stiftung mit dem Theresienhof ein zweites Haus zu, für das er Verantwortung übernommen hat.

Zerreßen soll jedoch kein „Intermezzo“ für den Theresienhof werden, stattdessen ein „Gesicht der Altenhilfe in Goslar“, sagt Becker. Die Altenhilfe sei seine (berufliche) Liebe, sagt Zerreßen, „der Wechselkurs stimmt“, man bekomme viel zurück. Er ist kein „Schreibtischtäter“, sucht das Zwischenmenschliche mit Empathie und Nähe: „Ich versuche, dem gerecht zu werden.“

Angefangen hat der Gladbacher mit mittlerer Reife und einer kaufmännischen Ausbildung, verband das Soziale damit und fand nicht nur eine Arbeit als Verwaltungsangestellter in einer Psychiatrie beim Landschaftsverband Rheinland, sondern auch einen Mentor, der in ihm den perfekten Einrichtungsleiter sah. Zerreßen arbeitete sich hoch, ackerte schwer, absolvierte achteinhalb Jahre berufsbegleitend eine Verwaltungsfachausbildung, das Fachabi und ein Betriebswirtschaftsstudium. Über die Umsetzung des Pflegeversicherungsgesetzes kam er zur Altenhilfe, brachte 15Jahre lang angeschlagene Einrichtungen auf Kurs. „Das war Arbeit ohne Ende, aber auch Spaß ohne Ende“, sagt einer, der die Herausforderung sucht. Für seine Bewohner will er erreichen, „dass es ein Zuhause ist und kein Heim“.

Antreffen wird man den 57-Jährigen, der sich freut, wenn’s der Borussia aus Gladbach gut geht, vor allem im Theresienhof, auch mal in einem Altstadtrestaurant oder auf dem Motorrad: „Kurven und frische Luft“ bringen dem Karnevalsjecken, der seine Herkunft nicht verleugnen kann und der zwei erwachsene Kinder in Dortmund hat, „Glückseligkeit und Entspannung“. Dass er selber Spaß versteht, zeigte sein Lachen auf die Anmerkung einer Mitarbeiterin beim Anblick von Hund und Herrchen: „Da kommen die Heimleitung und ihr Chauffeur...“

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