Ehemalige Olympiateilnehmer treffen sich in Goslar
84 ehemalige Olympioniken treffen sich auf der Steinbergalm in Goslar. Sie sind Mitglieder der Gemeinschaft deutscher Olympiateilnehmer. Foto: Krause
Der Verein Gemeinschaft deutscher Olympiateilnehmer trifft sich in der Steinbergalm in Goslar. Vizepräsident Karl-Heinz Smieszek blickt dabei mit Sorge auf die Olympischen Spiele.
Als vor wenigen Wochen die European Championships in Berlin und Glasgow ausgetragen wurden, wurde vielerorts von Mini-Olympia gesprochen. Den Veranstaltern war der Begriff ein Dorn im Auge, wollten sie doch mit ihrem Konzept einen neuen Weg einschlagen. Schluss mit Größenwahn, Gigantismus und Milliardenausgaben, hin zu mehr Nachhaltigkeit, Umweltschutz und zu den Fans.
Während die European Championships als Erfolg gefeiert werden, sind die Olympischen Spiele in Mitteleuropa nur noch schwer vermittelbar. Argumente gegen das größte Sportereignis der Welt gibt es reichlich. „Olympia muss kleiner werden. Diese Gigantomanie muss aufhören“, sagt Karl-Heinz Smieszek, Vizepräsident der Gemeinschaft deutscher Olympiateilnehmer.
Er war am Freitag mit 84 ehemaligen Olympioniken in der Steinbergalm in Goslar zu Gast, um die turnusmäßige Mitgliederversammlung des Vereins einzuleiten. Am Samstag wurde das Präsidium neu gewählt.
Damit die Spiele eine Zukunft haben, muss sich aus Smieszeks Sicht einiges ändern. Besonders an den Kosten. „Es muss jeder Staat auf der Welt in der Lage sein, Olympische Spiele auszurichten“, sagt der ehemalige Sportschütze, der 1976 in Montreal mit dem Kleinkaliber über 50 Meter liegend Gold gewann. „Heute ist doch kein europäisches Land mehr in der Lage, vernünftig und schuldenfrei die Spiele auszutragen.“ Sollte sich das nicht ändern, halte er Olympia sogar für überflüssig. Alternative: European Championships.
Der 70-Jährige hofft zwar, dass es nicht so weit kommt. Die aktuellen Diskussionen rund um die Spiele sieht er aber als „gefährliche Angelegenheit“. Alles müsse kleiner und bescheidener werden, fordert Smieszek.
Von den Bemühungen deutscher Städte, die Spiele ins eigene Land zu holen, zeigt er sich enttäuscht. „Ich hätte von einer Stadt wie Hamburg nie erwartet, dass sie Olympia ablehnt“, sagt Smieszek, der aus Salzgitter stammt. Gleiches gilt für die gescheiterten Bewerbungen Münchens. „Da war ich schwer enttäuscht von dieser Entscheidung.“
Für ihn habe die Politik versäumt, die Bevölkerung bei solchen Entscheidungen mitzunehmen. Die Folge sei, „dass die Spiele immer in Staaten vergeben werden, die gar nicht danach fragen. Dann haben wir die Spiele bald nur noch in Russland“, sagt Smieszek. Auch Olympia in Rio sehe er als mahnendes Beispiel.
Wie es anders geht, hat 2012 die britische Hauptstadt London gezeigt. Seitdem sind die Briten in vielen Sportarten führend. Von dem Aufschwung werden sie noch einige Jahre profitieren. So eine Begeisterung, meint Smieszek, täte dem deutschen Sport auch gut.