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Ebbe in der Talsperre: Okerstausee wird zum tiefen Canyon

<p>Viel Luft nach oben hat das Fahrgastschiff „Aqua Marin“ beim Unterqueren der erneuerten Weißwasserbrücke. Foto: Bertram</p>

<p>Viel Luft nach oben hat das Fahrgastschiff „Aqua Marin“ beim Unterqueren der erneuerten Weißwasserbrücke. Foto: Bertram</p>

Weitgehend gefüllt sollte nach der Schneeschmelze die Okertalsperre sein, doch Schnee und Niederschläge sind ausgeblieben. Der Stausee hat ungewöhnliches Niedrigwasser.

Von Dieter Böhl Dienstag, 15.04.2014, 20:00 Uhr

Grüne Flächen und Schlamm bestimmen das Bild. Natürliche Zuflüsse, alte Straßen und Brücken gibt der sinkende Wasserspiegel frei.

„Aktuell ist die Okertalsperre zu 38 Prozent gefüllt“, erklärt Justus Teicke, Leiter der Abteilung Talsperren der Harzwasserwerke. „Das ist schon ungewöhnlich. Normalerweise hat eine Talsperre Ende April ihren Höchststand“, entnimmt er den langjährigen Aufzeichnungen. Die Ursache: „Wir haben vier Monate sehr unterdurchschnittlichen Niederschlag gehabt, Defizite an Schnee und Regen. November 2012 war der letzte Monat mit normaler Niederschlagsmenge – diese lag sogar etwas über dem jährlichen Mittel“, erklärt Teicke.

Ständigen Vorwürfen, die Harzwasserwerke würden zu viel Wasser aus der Okertalsperre entnehmen, entgegnet Teicke: „Die Entnahme ist in den letzten 30 Jahren immer gleich gewesen. 70 Prozent gehen talwärts in die Oker, beispielsweise zur Energieerzeugung oder als Kühlwasser für die Industrie. 30Prozent werden zu Trinkwasser. Wir verkaufen seit 1980 ungefähr die gleiche Menge Trinkwasser – es ist wirklich eine Frage des Zulaufes.“ Der Talsperren-Leiter räumt ein: „Die Abgabe ins Unterland ist für die Größenordnung der Okertalsperre relativ hoch.“ Daran sind die Harzwasserwerke vertraglich gebunden.

Aus Sicht des Unternehmens besteht aber kein Grund zur Sorge. Der Wasservorrat der Okertalsperre „reicht deutlich bis in den Herbst“. Auch die Granetalsperre hat deutlich Vorrat, ist zwar derzeit unterdurchschnittlich aber zu 65 Prozent gefüllt, sieht Teicke keine Probleme für die Wasserversorgung.

„Für den Segelclub Goslar, die Segler der TU Clausthal und die Ruderer-Vereinigung Nordharz ist der niedrige Wasserstand sehr ärgerlich“, zeigt Justus Teicke als aktives Mitglied und Schriftführer des Segelclubs Goslar Verständnis. „Wir sind nicht auf so einen niedrigen Wasserstand eingestellt und können die Boote oben lassen, auch jetzt schon.“

Schlamm behindert den Weg ins Wasser. Dieser werde im Sommer auch die Badegäste vom Baden abhalten. An den Aufbau der Stege unterhalb der Bootshäuser im Gemkental ist nicht zu denken. Vor dem Winter waren die Stege aus dem Wasser genommen worden. „Eis würde mit wechselndem Wasserstand die Bootsstege beschädigen“, erklärt Teicke.

Keine Probleme hat die Okerseeschiffahrt. „Niedriger Wasserstand? Macht nix!“ steht auf Plakaten an den Anlegestellen des Ausflugsschiffs „Aqua Marin“. Kapitän Michael Römermann und seine Crew betonen: „Niedrigwasser war für uns noch nie ein Problem.“ Seit kurzem fährt das 35 Meter lange Schiff wieder täglich. Dieses bietet Platz für bis zu 250 Fahrgäste. Ihnen bieten sich gerade bei Niedrigwasser interessante Perspektiven auf die steilen Hänge mit ihren bizarren Klippen, die sich ins Wasser ziehen.

Wird man dieses Jahr wieder die Grundmauern des in den Fluten versunkenen alten Schulenbergs sehen können? „Wir sind 2013 auch sehr schlecht gestartet und hatten dann doch einen guten Füllstand der Okertalsperre“, hofft Teicke auf „schöne Regentage“. Es gebe durchaus auch sehr nasse Perioden im Juli/August – „denken Sie nur ans Clausthaler Schützenfest.“

Frühjahr trockengefallen: Auf dem Grund des Schulenberger Arms der Okertalsperre wächst das Gras.

Frühjahr trockengefallen: Auf dem Grund des Schulenberger Arms der Okertalsperre wächst das Gras.

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