„Digitale Welt wird Autohäuser nicht ersetzen“
Mit den Zahlen in Goslar ist Block-am-Ring-Chefin Claudia Block sehr zufrieden. Am drittgrößten Standort des Unternehmens verkauft Geschäftsführer Andreas Deutschmann 450 Fahrzeuge im Jahr, darunter Motorräder. Claudia Block fährt sie selbst und verrät zudem: „Ja, wir lieben Sportautos.“ Foto: Kempfer
Goslar. Mit Fahrrädern hat „Block am Ring“ vor 125 Jahren in Braunschweig angefangen, gefolgt von Motorrädern und Autos. Heute hat das Unternehmen sieben Standorte in zwei Bundesländern. Die beiden größten sind das Stammhaus in Braunschweig und der Standort in Hildesheim: Gleich danach komme schon Goslar, verrät Claudia Block.
Die Chefin des Unternehmens hat es sich nicht nehmen lassen, zum Jubiläums-Pressegespräch wieder einmal selber nach Goslar zu kommen – die Filiale hat sie persönlich drei Jahre lang geführt. 2004 wurde Andreas Deutschmann Geschäftsführer in Goslar. Der 56-Jährige „macht das ganze Leben schon BMW“. Ein Familienunternehmen auf Expansionskurs: Mitte der Sechziger hatte Block am Ring eine Filiale in Bad Harzburg, dann kam Goslar hinzu. Ein Standort in der Region reichte, Goslar machte das Rennen.
Claudia Block ist zufrieden: „Goslar ist immer im Ziel“, sagt sie, „wir sind sehr zufrieden mit dem Harz.“ Wir, das sind zwei Generationen: Sohn Luca ist mit im Unternehmen. Ein Name, der momentan in aller Munde ist: Dass „Luca“ nichts mit der App zu tun hat, ärgere ihn schon manchmal, scherzt sie; möglicherweise wäre das dann ja noch lukrativer als das Autogeschäft. Abgesehen davon: Auch die Auto-Branche wird digitaler. „Wir überlassen das Netz nicht den anderen“, sagt die Unternehmerin kämpferisch – ihre Autoverkäufer sind mit mobilen Endgeräten ausgestattet und agieren entsprechend. Der Leitsatz lautet: „Aus Tradition sind wir modern.“ Dinosaurier überlebten nun mal nicht.
An eine Verkleinerung des Geschäftsstellennetzes denkt sie deswegen aber nicht. Es wird weiter ausgebaut – nicht durch weitere Standorte, aber deren Einzugsgebiet wird größer. „Die digitale Welt wird das Autohausgeschäft nie ersetzen können“, ist sich Deutschmann sicher. Ein Auto sei keine Hose, die man im Internet kaufe und einfach umtausche. Die Kunden wollen die Haptik – sie wollen ein Auto anfassen. Der Service und der Kontakt zu Menschen seien im Autohaus wichtige Faktoren.
Das hat man besonders in der Corona-Zeit gemerkt, als beispielsweise die Probefahrten ausfallen mussten – im Absatz hat sich das bemerkbar gemacht. Mehr als 3000 Fahrzeuge (BMW, Mini und Motorräder) verkauft das Unternehmen im Jahr (neu und gebraucht), in Goslar sind es 450. 34 von 270 Mitarbeitern sind am Unternehmensstandort Goslar beschäftigt, sechs von 49 Auszubildenden lernen hier Automobilkaufmann oder KFZ-Mechatroniker.
Wie steht das Unternehmen zur Elektromobilität? „Das ist die Zukunft“, sagt Deutschmann. „Mittelfristig“, schränkt Block ein. Sie glaubt nicht an das Elektro-Auto für die nächsten 20 Jahre, in ihren Augen ist es „eine Übergangstechnik“. Block warnt davor, den Verbrennungsmotor zu schnell abzuschaffen; die Technik sei schlicht noch nicht so weit. Was bringt die Zukunft? Brennstoffzellenfahrzeuge? Wasserstoffantrieb? Sicher ist: In der Branche bleibt es spannend.