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Die doppelte Transall von Ballenstedt

Die doppelte Transall von Ballenstedt

Für etwas mehr als fünf Tonnen ist die Landebahn zugelassen“, sagt Uwe Gröschler. Das Gewicht hat die Transall, die am 18. Dezember auf dem Flugplatz Ballenstedt aufsetzte, mal eben um das Sechsfache überschritten.

Von Eike Bruns Samstag, 13.01.2018, 12:00 Uhr

Für etwas mehr als fünf Tonnen ist die Landebahn zugelassen“, sagt Uwe Gröschler. Das Gewicht hat die Transall, die am 18. Dezember auf dem Flugplatz Ballenstedt aufsetzte, mal eben um das Sechsfache überschritten.

Und dennoch hat der Geschäftsführer der Flugplatz Ballenstedt-Harz GmbH alle nötigen Sondergenehmigungen für die Landung der „Silbernen Gams“ bekommen. Schließlich hat das knapp 40 Jahre alte Transportflugzeug der Bundeswehr keine Premiere hingelegt. Das blieb der Schwestermaschine 50+07 vorbehalten, die am 16. Oktober 2012 als bis dahin größtes Flugzeug, das jemals in Ballenstedt gelandet ist, auf der nicht einmal 600 Meter „kurzen“ Landebahn aufsetzte.

Seitdem hat Gröschler vor seinem Tower die gut 32 Meter lange Maschine in Nato-olivgrüner Lackierung stehen. Und warum kommt jetzt noch eine zweite Maschine in silberner Ursprungslackierung hinzu?

„Schuld daran“ ist Gröschlers Vereinskollege Clemens Aulich. Der ist nämlich nicht nur Mitglied im Motorflugverein Ballenstedt, sondern auch Chef des Luftfahrtmuseums Wernigerode. Seit seiner Kindheit ist der Museumsgründer begeisterter Flieger. Der Enkel eines Fluglehrers begann mit 14, sich ins Cockpit zu setzen und besitzt heute Pilotenscheine für Hubschrauber, Segel- und Motorflugzeuge.

Eigentlich Unternehmensberater hat sich sein Hobby zu einem Touristenmagneten in Wernigerode entwickelt. „Rund 60.000 Besucher haben wir 2017 gehabt“, erklärt Mario Schmidt, Marketing- und Vertriebsleiter des Museums. Und die Transall könnte für noch mehr Publikum sorgen. Sie soll nämlich weithin sichtbar auf das Dach des Luftfahrtmuseums im Nordwesten der Stadt gehoben werden.

Ein Vorhaben, das Clemens Aulich nun schon seit mehr als fünf Jahren verfolgt. Bereits die erste Transall, die in Ballenstedt landete, sollte demontiert und von dort in per Tieflader nach Wernigerode gebracht werden. Allerdings verzögerte sich der Neubau des Museums auf dem ehemaligen Gelände des Elektromotorenwerks, dessen Dach extra schon für die schwere Maschine konzipiert wurde.

In dieser Zeit entwickelte sich die olivgrüne 50+07 schon zu einem Publikumsmagneten auf dem Flugplatz Ballenstedt. Also hat Aulich in einer Mischung aus Liebe zu Flugzeugen und Verbundenheit zum Motorflugverein seine guten Kontakte zur Bundeswehr spielen lassen und sich nach einer weiteren Transall umgeschaut. Ein ganz wesentlicher Bewegungsgrund, eine zweite Maschine zu kaufen, war aber die Farbe. „Die Sonderlackierung war mir wichtig“, erklärt der gebürtige Braunschweiger. So werde die Transall auch ein Blickfang vom Wernigeröder Schloss aus.

Die silberne Ursprungslackierung der ersten Flugzeuge dieser Baureihe aus den frühen 60ern hat die 51+01 erst vergangenes Jahr im bayrischen Penzing bei Landsberg am Lech erhalten. Dort ist das Lufttransportgeschwader 61 der Luftwaffe stationiert, das die Transall zuletzt beheimatete. Zum 60. Geburtstag des Geschwaders wurde die Transall von Olivgrün auf Silber umlackiert. Zusammen mit dem Wappentier des bayrischen Geschwaders war der Spitzname „Silberne Gams“ geboren.

Da das neue Transportflugzeug der Luftwaffe, der Airbus A400M, nach jahrelangen Problemen allmählich ausgeliefert wird, kommen die Transall-Maschinen zur Hochwertteilegewinnung – das ist Bundeswehrdeutsch für Verschrottung.

Oder aber Museen reißen sich um die vielleicht noch20 verbliebenen Flugzeuge, speziell dann, wenn sie eine Sonderlackierung haben. Zuerst unterlag Aulich einem Mitbewerber aus dem niederländischen Eindhoven, doch bei der zweiten Maschine erhielt er den Zuschlag.

Dabei ließ es sich der Kommodore des Geschwaders, Oberst Daniel Draken, nicht nehmen, selbst die Maschine von Penzing nach Ballenstedt zu fliegen. Dafür hat er sogar extra die Landung auf einer kurzen Landebahn geübt – und dabei auch ein paar Reifen verschlissen, wie es heißt.

Nun wartet die „Silberne Gams“ darauf, ihre letzte Reise anzutreten: In mehrere Teile zerlegt auf Tiefladern nach Wernigerode, um dort per Kran aufs Dach gehoben zu werden.

„Das wird ein Wahnsinnsaufwand“, ist sich Uwe Gröschler sicher. Selbst der Transport per Lastenhubschrauber stand kurzzeitig zur Diskussion. Mindestens noch sechs Wochen Planung sind nötig. Im Frühjahr soll die Transall auf dem Museumsdach dann begehbar sein, inklusive einer Rutsche vom Dach.

Die Transall wird klar das größte der rund 60 Flugzeuge im Museum sein. Mehr geht nicht, oder? „Man kann nie wissen“, antwortet Clemens Aulich verheißungsvoll. Dann aber dürfte Ballenstedt als Übergabe-Flugplatz zu klein werden.

Die olivgrüne Transall (vorne) bleibt in Ballenstedt, ihre silberne Schwester, die Oberst Daniel Draken Clemens Aulich (kl. Foto v.re.) übergeben hat, kommt nach Wernigerode.

Die olivgrüne Transall (vorne) bleibt in Ballenstedt, ihre silberne Schwester, die Oberst Daniel Draken Clemens Aulich (kl. Foto v.re.) übergeben hat, kommt nach Wernigerode.

Das Wappentier und die Namen der letzten Besatzung zieren den Rumpf.

Das Wappentier und die Namen der letzten Besatzung zieren den Rumpf.

Mario Schmidt, Leiter Marketing und Vertrieb im Luftfahrtmuseum, zeigt auf dem Dach die Podeste, auf dem die Transall gute zehn Meter über der Straße stehen soll. Im Hintergrund erhebt sich der Agnesberg mit dem Wernigeröder Schloss.

Mario Schmidt, Leiter Marketing und Vertrieb im Luftfahrtmuseum, zeigt auf dem Dach die Podeste, auf dem die Transall gute zehn Meter über der Straße stehen soll. Im Hintergrund erhebt sich der Agnesberg mit dem Wernigeröder Schloss.

Das Cockpit befindet sich wie die „Silbernen Gams“ selbst im Originalzustand. Sogar die Karte vom letzten Flug ist noch vorhanden.

Das Cockpit befindet sich wie die „Silbernen Gams“ selbst im Originalzustand. Sogar die Karte vom letzten Flug ist noch vorhanden.

Uwe Gröschler, Geschäftsführer der Flugplatz Ballenstedt-Harz GmbH, der im Tower gerade dem Polizeihubschrauber aus Magdeburg die Landeerlaubnis erteilt, ist Nutznießer der Leidenschaft seines Vereinskameraden im Motorflugverein: Eine Transall bleibt dauerhaft in Ballenstedt.

Uwe Gröschler, Geschäftsführer der Flugplatz Ballenstedt-Harz GmbH, der im Tower gerade dem Polizeihubschrauber aus Magdeburg die Landeerlaubnis erteilt, ist Nutznießer der Leidenschaft seines Vereinskameraden im Motorflugverein: Eine Transall bleibt dauerhaft in Ballenstedt.

Übergabe Transall vom Commodore an Clemens Aulich (li.) am 18.12.2017 auf dem Flugplatz Ballenstedt

Übergabe Transall vom Commodore an Clemens Aulich (li.) am 18.12.2017 auf dem Flugplatz Ballenstedt

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