Die Liebe trotzt dem Corona-Virus: Dieses Paar heiratet trotzdem im Oberharz
<p>Ein glückliches Brautpaar: Alexandra und Sebastian Lambrecht bei ihrer standesamtlichen Hochzeit am Freitag. Fotos: Privat</p>
Clausthal-Zellerfeld. Heute sollte ihr schönster Tag sein, ganz in Weiß: Für die Hochzeit von Alexandra Kaminski und Sebastian Lambrecht war alles vorbereitet. Doch durch die Corona-Krise fällt ihre kirchliche Trauung mit anschließender Feier aus. Die beiden lassen sich von dem Virus jedoch nicht die gute Laune verderben. Am Freitag gaben sich die Lambrechts standesamtlich das Ja-Wort.
„Ich habe lange gedacht, dass die Hochzeit am Samstag auf jeden Fall stattfinden kann“, sagt Alexandra Lambrecht. Dann jedoch hatten sich die Meldungen überschlagen: Zum Junggesellenabschied von Sebastian Lambrecht nach Sylt darf er nicht aufbrechen. Sein Trauzeuge sitzt aufgrund der Reiseeinschränkungen in Australien fest. Die Familie von Alexandra, die aus Polen kommt, darf ebenfalls nicht einreisen.
Irgendwann haben sich die beiden damit abgefunden, dass es zunächst keine kirchliche Trauung und Feier geben wird. „Wir haben versucht, das Beste daraus zu machen. Am Anfang waren wir natürlich traurig und wütend“, gibt Alexandra Lambrecht zu. Von Familie und Freunden hätten sie in dieser Zeit viel Anteilnahme erfahren. Lange Zeit sei zudem unklar gewesen, ob sie überhaupt standesamtlich heiraten dürfen. Das ist ihnen jedoch gestattet. Ein kleiner Teil der Familie und Trauzeugen darf am Freitag auch dabei sein.
Am Samstag sollten die kirchliche Trauung und Feier der Lambrechts stattfinden. Für den Nachholtermin im November müssen nur neue Einladungen gedruckt werden.
Darum haben sie über den Schmerz hinwegsehen können, dass die Feier heute nicht wie geplant vonstatten geht. Bei dieser Aussage wirken die beiden so verbunden, als wären sie schon jahrelang in einer Beziehung. Dabei haben sie sich erst vor drei Jahren bei der Arbeit als Psychologen im Rehazentrum Oberharz kennengelernt. „Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir mehr füreinander sind als nur Kollegen“, sagt Sebastian Lambrecht. „Wer hätte gedacht, dass wir in so einem kleinen Ort die Liebe unseres Lebens finden“, ergänzt seine Frau. Ursprünglich kommt sie aus Hamburg, ihr Mann aus Hannover.
Seit dem 1. Oktober 2018 sind die beiden ein Paar, und nach einem Jahr hat Lambrecht um die Hand seiner Liebsten angehalten. Das war für ihn mit viel Stress verbunden, wie er sich erinnert. Er wusste nämlich nicht genau, wann und wo er seine Alex fragen soll. „Ich hatte den Ring auf einer Rundreise in Italien dabei. Bei Sicherheitskontrollen hatte ich Angst, dass es piept und meine Freundin so die Schatulle entdeckt“, sagt er. „Ja, ich bin immer sehr neugierig“, gibt sie schmunzelnd zu.
Zu dem Antrag kam es schlussendlich in Florenz im Michelangelo-Park. „Mit Kniefall“, schwärmt Alexandra Lambrecht. Von der Frage aller Fragen war sie zwar überrascht, aber gezweifelt habe sie keine Sekunde: „Es harmoniert einfach so gut zwischen uns. Worauf sollten wir also noch warten?“
Von da an war den beiden klar, dass sie schnell heiraten wollen. „Wir haben recht fix einen Termin beim Standesamt bekommen. Es hatte einfach alles gut geklappt. Zu gut“, sagt sie. Alle der 75 Gäste hätten an dem Tag Zeit gehabt. Mit der gewünschten Location, dem Caterer und dem DJ habe es auf Anhieb für den besagten Termin funktioniert. Sie hat schnell ein Kleid gefunden und er einen Anzug.
Wichtig ist den beiden, die Feier nachzuholen. Der neue Termin steht auch schon fest, es ist der 7. November. Auch an dem Nachholtag haben wieder alle Gäste Zeit. „Zum Glück gibt es vonseiten der Caterer und Location keinen logistischen Mehraufwand. Wir müssen nur die Einladungskarten neu drucken. Sonst bleibt alles beim alten“, sagt Sebastian Lambrecht. Wenn es nach den Familienmitgliedern und Freunden des Paares geht, müssten sie im November dann doppelt so viel feiern.
Besonders Alexandra Lambrecht ist es ein Anliegen, die kirchliche Trauung nachzuholen. Der Glaube spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Darum trifft es sie sehr, dass sie in der aktuellen Situation nicht in die Kirche gehen kann, um sich dort Trost zu holen. Viel Unterstützung habe sie jedoch von Jan Nalepa, Pfarrer der katholischen St. Nikolaus Gemeinde, erfahren. Er habe dem Paar sogar angeboten, falls es im November Probleme mit der Location gehabt hätte, den Gemeinderaum für die Feier zu schmücken.
Wie verbringen die beiden jetzt eigentlich den heutigen Tag? „Das ist eine gute Frage, da haben wir uns noch gar keine wirklichen Gedanken gemacht“, sagen sie beinahe aus einem Mund. Weil sie sich so auf ihre standesamtliche Trauung fokussiert hätten, sei das komplett untergegangen. Sie wollen die Zeit auf jeden Fall mit ihrer Familie genießen, mit ihrer Mischlingshündin Cara spazieren gehen und gemeinsam kochen.
Eigentlich standen die Flitterwochen an, die leider auch ausfallen müssen. „Wir machen es uns trotzdem schön. Denn nur Rumsitzen ist ja auch nicht so der Hit“, sagt Alexandra Lambrecht. Ihr Mann gibt ihr zustimmend einen Kuss.