Die Gesellschafter der Harzwasserwerke sortieren sich
Hildesheim/Harz. Die Befürchtungen um die Zukunft der Harzwasserwerke (HWW) sind weitgehend verpufft. Stattdessen gibt es Gesprächsbedarf unter den Gesellschaftern.
Von einer Privatisierung, dem Einstieg von Finanzinvestoren gar sowie einem steigenden Trinkwasserpreis blieb nichts übrig. Bei den Harzwasserwerken bleibt vielmehr vieles beim Alten: Die sieben der elf Gesellschafter, die 2014 ihren Konsortialvertrag gekündigt haben, der den Ausstieg, aber auch die Arbeit des Aufsichtsrates regelt, „sind bislang alle noch an Bord“, stellt Aufsichtsratsvorsitzender Horst Wiesch fest. Ende vorigen Jahres war immerhin ein Wertgutachten angefertigt worden, um die Anteile zu bemessen und einen Verkauf vorzubereiten.
Die tatsächlich anstehenden Veränderungen erscheinen hingegen minimal. Zwei neue Gesellschafter sind in Sicht. Die Stadtwerke Lehrte und der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband wollen bei den HWW einsteigen. Sie würden aber lediglich Gesellschafter bei der Harzwasser Kommunale Wasserversorgung (HWK). Die HWK ist mit bislang 37 Versorgern der größte Anteilseigner im Gesellschafterkreis. Die GmbH hält 25,1 Prozent der Anteile. Laut einem Bericht will die HWK ihre Anteile aufstocken.
Aufgestockt werden soll auch die Leitung der Harzwasserwerke. Im Mai 2014 war Günter Wolters als technischer Geschäftsführer ausgeschieden. Seither leitet Renke Droste als kaufmännischer Direktor die HWW allein. Nun soll die Stelle wiederbesetzt werden. Wiesch begründet dies mit „immensen Investitionen“, die anstünden. „Die technische Begleitung ist da das Richtige“, sagt er. Was Wiesch nicht sagt: Die Gesellschafter rechnen aufgrund der Instandhaltungs- und Investitionspläne für die Westharzer Talsperren und technischen Anlagen, darunter die welterbegeschützten Oberharzer Wasserwirtschaftseinrichtungen, künftig mit mageren Gewinnen. Das Unternehmensergebnis wird „stark belastet“, berichtete Droste vor wenigen Wochen den Mitarbeitern. Vor diesem Hintergrund sollen „alle denkbaren Optimierungsmöglichkeiten“ ausgeschöpft werden.
Auf Eis legen musste der Geschäftsführer mittlerweile Umzugspläne, die der Betriebsrat ablehnte und auch bei den Gesellschaftern keine Zustimmung fand. Droste wollte mit der HWW-Zentrale in Hildesheim in das Verwaltungsgebäude der Sparkasse einziehen. Eine Sanierung des Unternehmenssitzes erschien ihm zu teuer.
Die Gesellschafter aber setzen derzeit andere Schwerpunkte. Nach GZ-Informationen läuft „eine gemeinsame grundlegende Positionsbestimmung für die weitere Zusammenarbeit untereinander sowie mit den HWW“. Die Ausstiegspläne könnten Irritationen hinterlassen haben. Warum die sieben Gesellschafter, die den Konsortialvertrag gekündigt haben, noch dabei sind, ist nicht bekannt. Möglicherweise haben sie sich vom Verkauf einen höheren Erlös versprochen.
Dem Vernehmen nach soll aber das Wertgutachten ergeben haben, dass die HWW seit dem Verkauf 1996 durch die damalige Landesregierung keine Wertsteigerung erfuhr. Ein Verkauf hätte möglicherweise nicht so viel erbracht, wie erhofft. Nun soll über den Konsortialvertrag neu verhandelt werden. Die Gespräche werden in etwa einem halben Jahr weitergeführt.