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Der Kampf um Krankenhaus-Betten

Das Sanatorium Dr. Barner kämpft bereits seit Jahren darum, auch von den gesetzlichen Krankenkassen als Krankenhaus im Bereich psychosomatische Medizin anerkannt zu werden.  Archivfoto: Eggers

Das Sanatorium Dr. Barner kämpft bereits seit Jahren darum, auch von den gesetzlichen Krankenkassen als Krankenhaus im Bereich psychosomatische Medizin anerkannt zu werden. Archivfoto: Eggers

Braunlage/Braunschweig. Es ist zwar kein Sieg auf ganzer Linie, aber immerhin hat das Verwaltungsgericht Braunschweig am Dienstag der Klage des Sanatoriums Dr. Barner stattgegeben, wie Pressesprecher Dr. Torsten Baumgarten mitteilte. Die Chancen, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Leistungen des Sanatoriums im Bereich psychosomatischer Medizin ersetzen, steigen damit. Die Einrichtung strebt insgesamt 30 Krankenhaus-Betten an.

Von Michael Eggers Mittwoch, 13.02.2019, 14:11 Uhr

Dieses Ansinnen war aber vom Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit abgelehnt worden. Das Land gestand laut Baumgarten aber der Kirchberg-Klinik Bad Lauterberg 25 Betten, der Asklepios Fachklinik Tiefenbrunn bei Göttingen 35 Betten und der Klinik Dr. Fontheim in Liebenburg 10 Betten zu. Dagegen hatte das Sanatorium geklagt, weil es sich ungerecht behandelt fühlte.

Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts Braunschweig fehlt bei der Entscheidung des Fachministeriums des Landes die ganzheitliche Betrachtung der Region, erklärt der Pressesprecher weiter. So habe Hannover beispielsweise das AWO-Psychiatriezentrum Königslutter bei seiner Entscheidung über die Krankenhaus-Betten nicht mit berücksichtigt.

Das Braunschweiger Verwaltungsgericht entschied, dass diese ganzheitliche Betrachtung bei der Entscheidung über Krankenhaus-Betten aber wichtig sei. Deshalb forderte es das Land auf, noch einmal unter diesen Gesichtspunkten zu entscheiden. Das bedeute also nicht zwingend, dass die 30 Krankenhaus-Betten des Sanatoriums Dr. Barner von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt werden müssen. Das Fachministerium in Hannover muss nur noch einmal entscheiden.

Johann Barner, der Geschäftsführer des Sanatoriums Dr. Barner, hofft nun, dass diesmal das Land Niedersachsen im Sinne der Einrichtung entscheidet. Er begrüßt denn auch das Urteil des Verwaltungsgerichts Braunschweig. Derzeit wird das Krankenhaus im Sanatorium hauptsächlich von Privatpatienten genutzt.

Das Sanatorium Dr. Barner existiert seit mehr als 100 Jahren und ist vor allem als denkmalgeschütztes Gebäude-Ensemble bekannt. Es gilt als ein einzigartiges Beispiel der deutschen Reformbewegung des frühen 20. Jahrhunderts und ist wegen seiner behutsamen fortlaufenden Instandsetzung erst vor einem Jahr mit dem europäischen Kulturpreis ausgezeichnet worden.

Das Projekt zur Instandsetzung ist von dem Berliner Büro von David Chipperfield Architects in Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Amt für Denkmalpflege und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim umgesetzt worden. Für Anerkennung sorgt, dass die Einrichtung immer noch in Betrieb und kompatibel mit der historischen Bausubstanz ist.

In dem Sanatorium wird das gesamte Spektrum psychosomatischer Erkrankungen behandelt, insbesondere Depressionen, Angst-, Panik-, und Zwangsstörungen, Reaktionen auf belastende Lebensereignisse, Trennungs- und Verlusterfahrungen, private und berufliche Krisen (beispielsweise Burnout-Syndrom). Zu den Patienten gehören auch viele Prominente. Unter anderem hat Wolf Biermann einmal vor ein paar Jahren ein öffentliches Konzert in dem Musiksaal der Einrichtung gegeben. Das Sanatorium Dr. Barner beschäftigt Fachärzte der psychosomatischen Medizin und Psychotherapie, Psychiatrie, Neurologie, Inneren Medizin, Allgemeinmedizin und des Naturheilverfahrens. Es kann maximal 81 Patienten stationär aufnehmen. Alle Patienten sind in Einzelzimmern untergebracht.

Schon jetzt werden in dem Fachkrankenhaus für psychosomatische Medizin und Psychotherapie gesetzlich Versicherte aufgenommen. Doch das Sanatorium kämpft seit Jahren darum, 30 feste Krankenhaus-Betten für gesetzlich Versicherte bereitzustellen, unter anderem um eine bessere Auslastung zu haben und wirtschaftlich auf solideren Füßen zu stehen. Ein Ansinnen, zudem das Land Niedersachsen bislang noch nicht bereit war.

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