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Der Gallier germanische Vergangenheit

„Siggi und die Goldene Sichel“ lautet eine der Geschichten, die in den „Lupo modern“-Heften im Jahr 1965 erschien. Es beweist: Die Zeichenfiguren waren schon vor Veröffentlichung des ersten Asterix-Bandes bekannt.  Fotos: Gereke

„Siggi und die Goldene Sichel“ lautet eine der Geschichten, die in den „Lupo modern“-Heften im Jahr 1965 erschien. Es beweist: Die Zeichenfiguren waren schon vor Veröffentlichung des ersten Asterix-Bandes bekannt. Fotos: Gereke

Gielde/Gallien. „Wir befinden uns im Jahre 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre...“ – wer kennt sie nicht, diese Einleitung. So fangen fast alle Abenteuer von Asterix an, die seit 50 Jahren in Deutschland erscheinen. Seit 50 Jahren? Moment mal, hat sich da der Gielder Heinz-Werner Damke gesagt...

Von Andreas Gereke Freitag, 28.12.2018, 19:56 Uhr

Gielde/Gallien. „Wir befinden uns im Jahre 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre...“ – wer kennt sie nicht, diese Einleitung. So fangen fast alle Abenteuer von Asterix an, die seit 50 Jahren in Deutschland erscheinen. Seit 50 Jahren? Moment mal, hat sich da der Gielder Heinz-Werner Damke gesagt...

Und er begann zu stöbern, denn da war doch was: Schon drei Jahre zuvor, nämlich im Jahr 1965, tauchten zwei Figuren in einem Heftchen namens „Lupo modern“ auf, die Asterix und Obelix wie aus dem Gesicht geschnitten sind, meldete er sich bei der GZ. „Vor 53 Jahren hießen die zwei Superhelden Siggi und Babarras, waren Germanen und lebten in Bonnhalla“, erzählt der 70-jährige Damke.

Mit von der Partie damals der Stammeshexenmeister Konradin und die Sichelschmiede des Wernher von Braunfels. „Wenn man sich diese Comicfiguren genau anschaut, dann scheinen also Siggi und Babarras mit ihrem Germanenstamm nach Frankreich ausgewandert zu sein und benutzen seitdem die Namen Asterix und Obelix“, mutmaßt Damke. In Wirklichkeit war es aber genau umgekehrt: Das erste Abenteuer des Kriegers „Asterix der Gallier“ erschien erstmals 1959 als Fortsetzungsgeschichte in einem französischen Comicmagazin. Ersonnen hatten die Figuren Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo. Vor 50 Jahren brachte dann der Ehapa-Verlag, der heute unter Egmont Ehapa firmiert, erstmals eine deutsche Übersetzung heraus.

Doch schon einige Jahre zuvor hatte der „Fix & Foxi“-Erfinder Rolf Kauka die Lizenzen von Asterix-Abenteuern erworben, um sie ab 1965 als Episoden in der Jugendzeitschrift „Lupo modern“ zu veröffentlichen. Allerdings nicht als Übersetzungen, sondern die Geschichten wurden inhaltlich komplett eingedeutscht – aus Asterix und Obelix wurden Siggi und Babarras. Eine Wandlung, die für teils heftige Kritik sorgte, war doch von „rechtskonservativer Ideologie“ die Rede.

Es sind Texte, die in der Zeit des Kalten Krieges zwischen Ost und West entstanden. Siggi und Babarras sind die Westgoten, Bonnhalla erinnert nicht von ungefähr an die damalige Bundeshauptstadt und Konradin an den ersten deutschen Bundeskanzler Adenauer. Und wer Pate für den Sichelschmied stand, lässt sich auch unschwer erahnen: Wernher von Braun, der Raketenpionier, der seine Karriere unter den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg startete. Die Folge der „Germanisierung“ von Asterix: Der französische Dargaud-Verlag, in dem die Asterix-Comics erscheinen, kündigte Kauka den Lizenzvertrag wegen Vertragsbruchs.

Damke, ehemaliger Othfresener, kam aus purem Zufall zu den Heften. „Ein alter Fußball-Kumpel sagte zu mir: Ich hab da was für Dich – und überreichte mir nach einer Haushaltsauflösung einen ganzen Korb voller Hefte. Von Fix und Foxi bis zu Billy-Jenkins-Western.“ Und eben die Lupo-Hefte. Die hatten damals einen stolzen Preis. Damke: „Eines kostete 90 Pfennige, der Eintritt ins Kino dagegen nur 50Pfennige.“

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