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Das literarische Quartett für Kinder

Die Autoren Johannes Groschupf, Kristina Andres, Christine Fehér und Boris Pfeiffer (v.l.), sind an vier Tagen dieser Woche in Bad Harzburg, Goslar und Braunlage auf Lesereise.  Foto: Potthast

Die Autoren Johannes Groschupf, Kristina Andres, Christine Fehér und Boris Pfeiffer (v.l.), sind an vier Tagen dieser Woche in Bad Harzburg, Goslar und Braunlage auf Lesereise. Foto: Potthast

Bad Harzburg. Premiere hatten alle Autoren in der Kurstadt, die diesmal zur Jugendbuchwoche von den Ehrenamtlichen der Harzburger Aktion eingeladen sind. Und erstmals war die Vorstellung der Schriftsteller im Parkhotel Bad Harzburg.

Von Angela Potthast Mittwoch, 17.10.2018, 14:46 Uhr

Auszüge aus sehr nachdenklichen und sehr amüsanten Geschichten präsentierten sie den Gästen am Dienstagabend.

Dass er sich einsetze, die Lesefertigkeit von Kindern zu verbessern. Das unter anderem hörten die Gäste, als es um Boris Pfeiffer ging. Der erwiderte: „Das machen wir doch alle.“ Lesungen an Schulen, Begegnungen mit Autoren, das sei gelebte Leseförderung. Mit ihren Themen gehen sie dabei sehr in die Breite. Sie nehmen ihre Rezipienten über den Humor für sich ein, über Selbsterfahrenes, über das, was Kinder bewegt, und über das, was Jugendliche umtreibt.

Selbstmord sei die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen, weiß Autorin Christine Fehér. In ihrem Buch „Dann mach ich eben Schluss“ bringt sich Protagonist Maximilian um, weil er nicht sein künstlerisches Leben leben kann, weil sein Vater sich so dagegen stellt. Aus verschiedenen Perspektiven erzählt sie die Geschichte. Am Dienstag trägt sie die des Vaters vor – und auch ein alternatives, ein positives Ende. Ohne das, sagte eine Zuhörerin, würde sie das Buch nicht lesen können, sie habe zwei Kinder… Ein anderer Gast fragte sich, warum es denn der Alternative bedürfe. Vielleicht, um noch einmal nachdrücklich auf das Verhalten der Angehörigen von Maximilian einzugehen? Um aufzuzeigen, wie alles hätte besser verlaufen können?

Eine tatsächlich gute Wendung nahm das Erlebnis von Autor Johannes Groschupf. Nach einem Hubschrauber-Absturz während einer Pressereise im Jahr 1994 fing sein zweites Leben an, das zum Bücherschreiben. Vorher habe er sich das nämlich nicht getraut. In „Zu weit draußen“ schildert er das Ereignis, das ihn in Todesnähe und in eine außerkörperliche Erfahrung brachte: „Unversehens entfernte ich mich aus meinem Leibe.“ Der Gedanke an seine Kinder holte ihn zurück. Und die Kinder selbst, damals noch sehr jung, halfen ihm ins normale Leben. Aus dem Ereignis entstand das erste Buch von Johannes Groschupf, das intensive Verhältnis zu seinen Kindern sieht er als Grundlage für seine Jugendbücher.

Kindern gibt Boris Pfeiffer in „Unsichtbar und trotzdem da“ eine besondere Aufgabe. „Erwachsene übersehen Kinder“, sagte er. Das machen sich seine Protagonisten zunutze und lösen als Detektive verschiedene Fälle. Wie schwer es „die Kleinen“ im Alltag oft haben, zeichnet er in einer Kaufhaus-Szene nach. Adi möchte ein Autogramm, hat sich früh vor Ort eingefunden, wird allerdings zur Seite gedrängt von den Großen. Versuche, wieder nach vorne zu gelangen, enden in Beschimpfungen durch das lila Schreckgespenst vor ihm, durch die Frau mit Umfang in lila Klamotten. Erwachsene sollten sich ihre Wirkung auf Kinder wohl mal mehr bewusst machen. Wie Boris Pfeiffer die Situation darstellt, bringt den Zuhörer zum Grübeln – andererseits auch zum Lachen.

Sehr belustigend und spielerisch sind die Geschichten von Kristina Andres in „Donnerwetter, sagte Fuchs“. Ihre Hauptfiguren: Fuchs und Hase. Sie hat die Vorlese-Geschichten für Kinder ab vier Jahren geschrieben und sie hat sie illus-triert. Was sie denn zuerst im Kopf habe, wollte ein Gast am Dienstagabend wissen, die Bilder oder das Thema. Das sei unterschiedlich. Bei „Donnerwetter“ habe sie zuerst geschrieben. Und wie sei sie auf die Tiere gekommen? Kristina Andres wohnt zum einen etwas abgelegen und zum anderen begegneten ihr auf dem Nachhausweg oft Fuchs und Hase. Was die beiden Tag für Tag miteinander und mit ihren Freunden veranstalten, auf welche Ideen sie so kommen, hat die Autorin vergnüglich in Kurztexte verpackt. Hase möchte gerne im Sommer Winterfell haben. Fuchs schlägt vor, dass er in den Kühlschrank zieht. Hase hat Unwetter im Bauch. Dagegen hilft eine Schüssel voll Erdbeeren, ein halber Käsekuchen und später noch eine Wolke am Stiel, also Zuckerwatte.

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