Das größte Problem wird verlagert
Holger Schwerin, Goslar, zur Berichterstattung über den geplanten Neubau einer Drogenberatungsstelle (Drobs) mit angeschlossener Substitutionspraxis auf dem Parkplatz Hildesheimer Straße
Zuerst muss ich gestehen, dass ich diese Entscheidung sehr positiv bewerte, wird doch das größte Problem der Innenstadt zwar nicht gelöst, doch zumindest verlagert. Die neuen Nachbarn tun mir jetzt schon mehr als leid! In den vielen Jahren zuvor wurde ja vieles über die Klienten berichtet, meiner Meinung nach mit reichlich Fantasie, denn wenn behauptet wird, ihre Klienten trinken nicht, frage ich mich, was man jeden Tag ab etwa 11 Uhr dort sehen könnte, wenn man davor nicht die Augen verschließt? Und wenn vor Kurzem noch der rührselige Bericht über den einen Patienten abgedruckt wird, der es bevorzugt, nicht wie auf dem Präsentierteller auflaufen zu müssen, warum drängen sich dann jeden Tag bis zu 35 Leute auf dem Stephanikirchplatz?
Ich will nicht alle über einen Kamm scheren, aber gefühlt ist die Kontrolle dort an die Drogensüchtigen abgegeben worden. Wie sonst ist die laute Offenheit zu erklären, mit der dort Tabletten und Drogen verkauft werden? Oder das in den stark reglementieren Corona-Zeiten sich dort diese Menschen trotz der Kontrollen durch die Polizei in großen Gruppen trafen? Und wenn sie nicht dort sind, dann trifft man sie in den Wallanlagen, den Neuwerkgarten, hinter dem C&A-Gebäude, am Bismarckdenkmal…
Und wenn jetzt im städtischen Säckel neun Millionen Euro fehlen, dann sollte man erst recht über diese Maßnahme nachdenken und das Geld in zukunftsorientierte Projekte stecken. Mein Respekt gehört hier klar den Gegenstimmen, beweisen sie doch, ein Ohr für die Belange der Bewohner zu haben.