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GZ Plus IconDas „Hohenzollern“ in Braunlage öffnet nicht mehr

Große Balkone mit einem Traumblick über die Stadt und den gesamten Harz sind eines der Merkmale des „Hotels und Residenz Hohenzollern“.  Fotos: Hotel Hohenzollern

Große Balkone mit einem Traumblick über die Stadt und den gesamten Harz sind eines der Merkmale des „Hotels und Residenz Hohenzollern“. Fotos: Hotel Hohenzollern

Braunlage. Diese Traumaussicht auf Braunlage und den Harz wird auch nach dem Lockdown erst einmal kein Urlauber mehr genießen können. Das „Hotel und Residenz Hohenzollern“ öffnet nicht mehr. „Wir mussten die Reißleine ziehen“, sagt Geschäftsführer Dr. Andreas Landau. Am 31. Dezember endete der Hotelbetrieb offiziell. Betroffen sind 15 Mitarbeiter.

Von Michael Eggers Dienstag, 05.01.2021, 15:34 Uhr

Es lohne sich schlicht nicht mehr, das „Hohenzollern“ zu betreiben. „Wir haben in den vergangenen acht Jahren stets ein Minus gemacht“, teilt der Geschäftsführer mit. Die Corona-Krise jetzt sorge dafür, dass die angestrebte „schwarze Null“ in noch weitere Ferne rücke. „Deshalb öffnen wir nicht mehr“, sagt er.
Wie es weiter geht, werde gerade geprüft. „Wir werden das Gebäude jedenfalls weiter nutzen“, sagt Landau. In welcher Form, könne er schlecht sagen. Der Pharmazieunternehmer aus dem Landkreis Hildesheim ist einer von insgesamt fünf Eigentümern der Immobilie und seit acht Jahren Geschäftsführer.

Seit mehr als zehn Jahren sei er an dem Gebäude beteiligt, berichtet Landau. Anfangs habe es noch eine hauptberufliche Hotel-Geschäftsführerin gegeben, die aber dann nach Süddeutschland zurückgekehrt sei. Weil er von den Gesellschaftern räumlich gesehen am nächsten zu Braunlage wohne, habe er die Geschäftsführung übernommen. Unterstützt werde er dabei von Nicole Wallenta. Die Hotelmanagerin leitet den Betrieb vor Ort.

Laut Landau ist es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, ein Hotel zu betreiben. „Unser Hauptproblem ist der Vertrieb“, sagt er. Früher hätten die Urlauber langfristiger gebucht. „Da wussten wir schon, dass wir Weihnachten, zu den Zeugnisferien oder während der Wandersaison ausgebucht sind und konnten uns dabei beim Einkauf und der Personalplanung drauf einstellen“, berichtet er.Dies funktioniere heute nicht mehr. „Viele Gäste buchen sich gleichzeitig über ,booking.com‘ drei Unterkünfte, eine am Meer, eine in der Großstadt und eine bei uns im Harz“, habe er beobachtet, erzählt Landau.

Weil bei diesen Buchungsportalen auch noch kurzfristig kostenlos storniert werden könne, würden sie dann spontan entscheiden, wo sie schließlich hinreisen. „Und da spielt beispielsweise das Wetter eine Rolle“, sagt er.
Unter diesen Voraussetzungen könne natürlich kein Hotel verlässlich geführt werden. Deshalb habe die Betreibergesellschaft versucht, mit einigen größeren Gesellschaften zu kooperieren. Dies sei aber nicht so gelaufen, wie sie sich das vorstellt habe, „und deshalb haben wir dann gedacht, arbeiten wir selbst mit diesen Buchungsportalen zusammen“, berichtet der Geschäftsführer.

Ein weiteres Problem sei gewesen, Personal von außerhalb nach Braunlage zu locken. Dies habe nicht funktioniert. „Und das hat nicht an dem Gehalt gelegen, das wir gezahlt hätten“, sagt Nicole Wallenta. Vielmehr sei es schwierig, adäquate Wohnungen in Braunlage für Familien zu finden, erklärt sie. Und bei dem vorhandenen Angebot sei es so gut wie unmöglich, von außerhalb qualifizierte Kräfte anzulocken.

Personalmangel sei auch der Grund gewesen, warum das Hohenzollern vor zwei Jahren sein Restaurant geschlossen hat. „Wir haben schlichtweg keine qualifizierten Mitarbeiter mehr gefunden“, sagen Wallenta und Landau.
Zudem habe für Schwierigkeiten gesorgt, dass in Braunlage mittlerweile viele weitere hochwertige Unterkünfte neu entstanden seien, teilweise mit Fördergeld subventioniert. „Da sind wir als 20 Jahre alter Betrieb natürlich nicht konkurrenzfähig“, erklärt der Geschäftsführer.

Das „Hotel und Residenz Hohenzollern“ ist im Dezember 2000 als zu diesem Zeitpunkt einziges Fünf-Sterne-Hotel im Landkreis Goslar eröffnet worden. Erster Hoteldirektor war der heutige Bürgermeister der Stadt Braunlage, Wolfgang Langer. Später ist es dann in ein Vier-Sterne-Superior-Hotel zurückgestuft worden, weil Luxushotels zu personalintensiv geführt werden müssen. Das Hotel verfügt über
64 Betten in einem Einzel- und zehn Doppelzimmern sowie einigen größeren Suiten und Appartements.

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