Das Geheimnis des Königsschwertes
Da hat wohl jemand zu viel Kraft: Das Heft ist sauber vom Schwert abgetrennt, aber (kleines Foto) schon längst wieder angebracht. Fotos: Privat
Bad Harzburg. König Artus war auf dem Burgberg. Oder irgendein anderer wahrer König. Möglicherweise. Vielleicht war es auch einfach nur ein Irgendjemand mit zu viel Kraft. Man weiß es nicht. Fest steht nur, dass das Schwert, das im vergangenen Frühjahr als originelle Erinnerung an den Todestag Ottos IV. inklusive Stein dort als Denkmal platziert worden war, kaputt gegangen ist.
{picture1s} „Von dem mythischen Zauberer Merlin war das Schwert Excalibur durch einen Stein (beziehungsweise Amboss) getrieben worden. Von ihm hieß es, nur der wahre künftige Herrscher könne es dort wieder herausziehen. Nachdem zahlreiche namhafte Ritter und Adelige an dieser Aufgabe gescheitert waren, gelang es Artus, dem Sohn des englischen Großkönigs Uther Pendragon, das Schwert mühelos zu befreien, was ihn zum rechtmäßigen König machte.“ So liest man die Sage vom Schwert bei Wikipedia im Internet.
Oben auf dem Burgberg hatte Wirt und Fördervereins-Chef Dirk Junicke mit seinen Getreuen solch ein Schwert mit ganz anderen Gedanken in den Stein gebohrt: Als Erinnerung an Otto IV.. Das Schwert soll sein Reichsschwert darstellen, das natürlich nie in irgendeinem Stein steckte, (womöglich auch nie auf der Harzburg war), aber seither als originelles Denkmal die Besucher erfreut.
Einen Besucher hat das Teil aber wohl zu sehr erfreut oder zumindest zum sportlichen Kräftemessen animiert. Wahrscheinlich hat diese Person probiert, wie einst Artus, das Schwert aus dem Stein zu reißen. „Sicherlich nicht aus bösem Willen“, wie Junicke wohlwollend vermutet. Aber mit genügend Kraft: Denn zack, hatte der unbekannte Kraftprotz den Griff (unter uns Rittern auch Heft genannt) des Schwertes in der Hand. Was dann geschah, mag man nur vermuten, womöglich war der Mensch überrascht von seiner eigenen Kraft oder der Aussicht, nun König zu sein. Auf alle Fälle legte er das Stück Schwert artig neben dem Rest des Denkmals ab und ritt, Pardon, schritt, flugs von dannen.
Die Hüter dieses und aller anderen Burgberg-Schätze fanden es dort, überlegten, ob und wie sie dieses Zeichen deuten sollten, entschieden sich dann aber für eine pragmatische Vorgehensweise: Das Heft wurde wieder am Schwert beziehungsweise das Schwert ordentlich im Stein befestigt.
Wo es nun auf den nächsten Kandidaten für das Amt des wahren Königs wartet? Nein. Denn der war nun schon da. Vielleicht holt er ja jetzt nur seinen Hermelinmantel.