Dagmar Hinzpeter übernimmt Pfarrstelle ihres verstorbenen Mannes
„Es ist unser Zuhause“: Dagmar Hinzpeter ist bereits seit dem 15. August Pfarrerin für Immenrode und Weddingen. Sie tritt die Nachfolge ihres verunglückten Mannes Ekkehard Hasse an – und bleibt in vertrauter Umgebung wohnen. Foto: Heine
Immenrode. „Wir gehören hierher.“ Drei Worte. Ein Bekenntnis tief aus dem Herzen heraus. Pfarrerin Dagmar Hinzpeter hat mit Sohn Erik und Tochter Inka im vergangenen halben Jahr eine „klare Entscheidung als Familie getroffen“, wie sie sagt.
Seit dem 15. August ist sie Pfarrerin für Immenrode und Weddingen – und offiziell Nachfolgerin ihres Mannes Ekkehard Hasse, der im Februar bei einer Bergtour im Allgäu jäh in den Tod stürzte.
Am Sonntag feiern die beiden Gemeinden einen Gottesdienst. Dem Protokoll nach ist es eine Amtseinführung, die um 9.30 Uhr in der Immenröder Kirche beginnt. Aber warum sollte sich eine Frau vorstellen, die seit 18 Jahren im Pfarrhaus nebenan wohnt? Die jeder kennt? Der Wunsch sei aus den Gemeinden gekommen. Um ein Signal zu senden. Um zusammenzustehen. Um gemeinsam zu starten. Also: „Wir feiern das Leben – wissend, dass die Situation ist, wie sie ist“, sagt Hinzpeter. Und sie weiß schon jetzt, dass es an diesem Sonntag sehr emotional werden wird.
Weniger wegen der Fragen rund um Formalien und Struktur. Hinzpeter bleibt der Propstei Bad Harzburg erhalten, wechselt sogar nur innerhalb des Kirchengemeindeverbandes „Zwischen Harz und Heide“ die Stelle – auf eigenen Wunsch. Die Landeskirche habe ihr nach dem Tod ihres Mannes bei der Entscheidungsfindung keine Steine in den Weg gelegt, sondern im Gegenteil alle Freiheiten gelassen.
„Als ich meinen Wunsch mitgeteilt hatte, ging es nur noch um die Frage wann“, sagt sie. Überraschend sei freilich gewesen, wie schnell alles ging. Ursprünglich war der Wechsel von Vienenburg nach Immenrode/Weddingen für den 1.Oktober geplant – jetzt eben früher. Die vakante Stelle in der Nachbargemeinde soll jetzt im November ausgeschrieben werden. Vienenburg verlassen? Das Gewissen habe sich schon gemeldet – Stichwort Emotionen. Hatte sie nicht im Vorjahr noch Kandidaten für die Gemeindewahlen angesprochen, motiviert, überzeugt? Kann sie da gehen? Sie kann. Wer wollte Vorhaltungen machen oder auch nur Andeutungen nach dem, was der Familie widerfahren ist?
Hinzpeter wird auch weiterhin Gottesdienste in Vienenburg gestalten, Konfirmanden-Unterricht geben – auch den in der Förderschule am Harly („das war Ekki wichtig“). Sie wird die kommenden Konfirmationsjubiläen begleiten und sich auch noch von der Gemeinde verabschieden.
Und sie bleibt im Kirchengemeindeverband verantwortlich für das Konfirmanden-Ferienseminar in Südtirol, an dem immer wieder auch Vienenburger Kinder teilnehmen und das die große Herzensangelegenheit und Leidenschaft ihres Mannes war. Ihr Schwiegervater hatte es einst vor 51 Jahren mit ins Leben gerufen.
Hauptansprechpartner für die Vienenburger Gemeinde sind jetzt aber die beiden Pfarrer Johann Böhm aus Lengde und nach seiner Elternzeit Martin Widiger aus dem Bereich Bettingerode, Westerode und Lochtum, solange bis Hinzpeters Nachfolger(in) da ist.
Der Sonntag gehört aber ihr, den Immenrödern und den Weddingern. „Es ist sehr berührend gewesen, wie freundlich und freudig die Menschen reagiert haben“, sagt Hinzpeter und meint den Zuspruch, als sich ihre Entscheidung herumsprach. „Und es war und ist sehr tröstlich, gemeinsam mit ihnen auf dem Weg durch dieses Trauerjahr zu gehen.“
Hinzpeter denkt auch an die Zeit kurz nach der Beerdigung ihres Mannes. Sie erzählt von jenem Brief, den ihr der älteste Immenröder Bewohner geschrieben habe. Einfühlsame Worte, aber bzw. und auch die Ansage: „Ich möchte, dass Sie sich für die Stelle in Immenrode bewerben.“ Nur ein Beispiel von so vielen. Sie machen Mut.
Aber ob es ihrer bedurft hätte? „Meine Kinder sind Immenröder“, sagt Dagmar Hinzpeter. „Mama, wir bleiben hier“, habe deren Botschaft gelautet. Und: „Es ist unser Zuhause – sollen wir das auch noch verlieren?“ Nein. Sie bleibt mit ihren Kindern in jenem Haus, das sie im Sommer 1999 einen Tag nach der Hochzeit mit ihrem Mann bezogen hatte. Ab dem 1. Januar 2000 teilten sie sich sogar eine Stelle. „Es ist ein Trost, das Nest auch ohne Ekki noch haben zu dürfen.“