CDU-Ratsherr stürzt über judenfeindlichen Facebook-Post
Der umstrittene Facebook-Eintrag. Mittlerweile ist die Seite nicht mehr öffentlich. Screenshot: Ciszewski
Seesen. Der Seesener CDU-Ratsherr Werner Mroz hat im Internet Juden beschimpft und tritt nun nach Rücksprache mit dem CDU-Kreisvorsitzenden Rudolf Götz aus der Partei aus.
„Juden sind scheiße:)“ schrieb Werner Mroz am 4. Juli auf seiner Facebook-Seite. Mit diesem Eintrag kommentierte er eine vorangegangene Diskussion über den Mord an einem palästinensischen Jugendlichen. Der Tat verdächtigt werden rechte Israelis. Dieser Facebook-Eintrag führt nun dazu, dass Werner Mroz aus der CDU austritt und angekündigt hat, sein Ratsmandat niederzulegen. Die Austritts-Mail ist am Mittwoch an den Kreisverband der CDU gegangen.
Als die GZ den Kommunalpolitiker am Mittwoch auf seinen Facebook-Kommentar anspricht, rudert der zurück. Der Eintrag sei während der Diskussion „aus der Emotion heraus“ entstanden. Er bereue die Worte und würde es heute nicht noch einmal schreiben. Er sei kein Judenhasser, das sei eine Reaktion als Mensch auf die Eskalation im Nahen Osten gewesen.
Diese Reaktion wird ihm als CDU-Ratsmitglied in Seesen nun allerdings zum Verhängnis. Der CDU-Kreisverbandsvorsitzende Rudolf Götz erklärte auf GZ-Nachfrage, dass Mroz ihm gegenüber den Verzicht des Ratsmandats angekündigt habe. „Zuvor habe ich ihn auf die beiden Möglichkeiten aufmerksam gemacht, die es gibt.“ Entweder Mroz ziehe selber die Konsequenzen aus dem Vorfall oder die Partei tue das.
Eine Nachfrage am Mittwoch im Kreistagsbüro der CDU hat ergeben, dass dort eine Mail von Mroz eingegangen ist, in der der Seesener seinen Austritt aus der Partei ankündigt.
Die CDU habe bestimmte Grundsätze und dulde keine judenfeindlichen und antisemitischen Äußerungen von Parteimitgliedern, erklärt Götz weiter. Im Moment gebe es eine sehr aufgeheizte Stimmung rund um den Nahost-Konflikt. „Wir müssen eine ganz klare Trennlinie ziehen zwischen der Beurteilung dessen, was dort zwischen Palästinensern und Israelis vor sich geht, und antisemitischen Äußerungen“, sagt der CDU-Kreisvorsitzende. Mroz habe diese Linie überschritten, das sei für die Partei nicht zu dulden. Für Mroz tue es ihm Leid, sagt Götz. Man kenne sich über viele Jahre. Der 62-jährige Mroz ist seit 15 Jahren Mitglied in der CDU und sitzt seit 2002 im Rat der Stadt Seesen.
Er habe als Kreisvorsitzender schon häufiger darauf hingewiesen, dass man „als CDU-Ratsherr im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht“. Und wenn es zu solchen Äußerungen in der Öffentlichkeit kommt, dann gibt es keine Diskussion, da müsse man einen Schlussstrich ziehen. „Deshalb habe ich ihm den Rücktritt nahegelegt.“
Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die CDU offenbar schon viel früher von dem judenfeindlichen Post wusste. Nach Auskunft von Mroz hätten er und Götz bereits am 7. Juli über den Vorfall gesprochen, allerdings wurde offenbar von Konsequenzen abgesehen. Götz sagt dazu, dass er vorhatte, am 28. Juli bei einer Sitzung Mroz den Rücktritt nahezulegen. Dann ging am Mittwoch doch alles ganz schnell. „Ich habe nicht gedacht, dass das so schnell öffentlich wird“, so Götz.