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Burgenbau zwecks Machterhalt

Dr. Jan Habermann

Dr. Jan Habermann

Goslar. „Königsherrschaftliche Raumerfassung am Nordharz unter den späten Saliern“ lautete der Titel des Vortrages, den Dr. Jan Habermann beim Geschichtsverein Goslar hielt.

Von Elke Brummer Samstag, 16.04.2016, 13:40 Uhr

„Ein etwas sperriger Titel“, bemerkte denn auch Vorsitzender Günter Piegsa, der allerdings offensichtlich bei den Gästen gut ankam: Der große Saal im Kreishaus an der Klubgartenstraße war nahezu gefüllt. Kein Wunder, denn Referent Dr. Jan Habermann lieferte einen rasanten und kenntnisreichen Parforceritt durch die Geschichte des 11. und 12. Jahrhunderts, der seine Begeisterungsfunken für das Thema auch auf das Publikum überschlagen ließ.

Dass Heinrich IV. ein streitbarer Geist war, hat die Geschichte hinlänglich bewiesen: Sachsenkriege, Intrigen und Gegenkönige, Konflikte mit Papst Gregor inklusive päpstlichem Bann und schließlich sein Gang nach Canossa kennzeichnen die turbulente Regentschaft des Saliers. Im Fokus der wechselvollen Geschichte standen auch immer wieder der Harz und Goslar. Hier installierte Heinrich seine „schwäbischen Erfolgsleute“: treue Freunde und Berater, die er mit Ländereien und dem Bau von Burgen „belohnte“ und mit deren Hilfe er die Gemengelage von Adels- und Königsbesitz neu ordnen wollte. Auf dem Steinberg bei Goslar, in Bad Harzburg, auf dem Ilsen- und dem Aladstein und in Darlingerode wurden die wehrhaften Höhenburgen entlang der Nordrandharzstraße errichtet und festigten sowohl Führungsanspruch als auch strategisch -militärische Ausgangsposition. Dass die exklusive Höhenlage der Burgen die Anlage von Wirtschaftshöfen zur Versorgung der Bewohner nicht zuließ, störte die Herrschenden offenbar wenig: die Wehrburgen waren eben auch Zwingburgen – was man zum Leben brauchte, wurde der Bevölkerung entrissen.

Ein Umstand, vor dem Bruno von Magdeburg in einem „Propagandabrief“ schon frühzeitig gewarnt hatte („Er wird Euch Euer Hab und Gut entreißen“) und der nicht unwesentlich zum Geschichtsbild einer unglückseligen Regentschaft durch Heinrich IV. beigetragen haben dürfte.

Dr. Jan Habermann, der im Goslarer Stadtmuseum und in der Kaiserpfalz beschäftigt ist, verabreichte den Zuhörern am Ende seines energiegeladenen Vortrages allerdings noch eine bittere Pille: Er habe durchaus begründete Zweifel, ob Goslars Ruf als mittelalterliches Machtzentrum tatsächlich begründet sei. Vielleicht erhellt Dr. Habermann diese Frage in einer seiner nächsten Forschungsarbeiten. Demnächst will sich der Historiker, der in seiner Freizeit gern ausgedehnte Wanderungen in den Harzer Wäldern unternimmt, mit hochmittelalterlicher Königsherrschaft im europäischen Vergleich beschäftigen.

Es ist zu hoffen, dass er über die Ergebnisse dieser Arbeit wieder beim Geschichtsverein Goslar berichten wird.

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