„Wer ist dagegen, dass wir einen anderen Kandidaten unterstützen?“ Die Antwort auf die Frage des Stadtverbandsvorsitzenden Jobst-Alexander Dreß (2.v.l.) fällt bei den CDU-Mitgliedern eindeutig aus. Aber auch für einen eigenen Kandidaten gibt es keine Mehrheit. Also: Die Bürgermeisterwahl findet 2019 ohne die CDU statt. Foto: Schlegel
Bad Harzburg. Die CDU wird nicht mit einem eigenen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl am 26. Mai antreten. Sie wird auch keinen der bekannten Kandidaten unterstützen. Mit anderen Worten: Die Christdemokraten halten sich raus. Das war das eindeutige, allerdings nicht in allen Punkten unumstrittene Ergebnis einer Mitgliederversammlung, die eigens zu diesem Thema einberufen worden war.
Wie und ob sich die CDU in den Kampf um den Posten des Bad Harzburger Verwaltungs-Chefs einbringen wird, war lange unklar. „Wir haben alles Mögliche getan, hatten auch drei Kandidaten, aber alle haben am Ende abgesagt“, so der Stadtverbandsvorsitzende Jobst-Alexander Dreß. Grund: Man sieht eigentlich keine Chance, die Sache zu gewinnen. „Gegen einen 63-Prozent-Kandidaten will keiner antreten“, sagte Dreß mit Blick auf das Ergebnis des Amtsinhabers Ralf Abrahms bei der Wahl 2011.
Nicht nur, dass es eine finanzielle Frage sei: 10.000 Euro koste eine Kandidatur, im Gegensatz zur SPD müsse ein Kandidat der CDU das zu großen Teilen selbst bezahlen. Auch der psychologische Effekt einer Wahlniederlage sei nicht zu unterschätzen. „Man tut demjenigen keinen Gefallen“, so Ratsdame Gesine Kirschke.
Und mit Kandidaten, die einem im Vorfeld auch noch erklären, sie würden antreten, wenn man ihnen garantieren könnte, dass sie nicht gewählt werden, sei sowieso kein Staat zu machen. Deshalb der Vorschlag des Vorstandes: „Wir stellen keinen auf.“ Man könnte sich natürlich alternativ überlegen, einen der anderen Kandidaten zu unterstützen.
Das alles aber wollte die Mitgliederversammlung nicht einfach so hinnehmen. „Demokratie ist die Wahl zwischen Kandidaten“, „es stünde uns gut zu Gesicht, einen aufzustellen“, waren die ersten und anschließend oft gehörten Argumente. Außerdem: Auch bei einer gewonnenen Wahl werde der amtierende Bürgermeister ja nicht ewig im Amt bleiben. Dann, so Dreß, würden die Karten aber eh neu gemischt. Ja, aber gerade dann, so die Gegenposition, sollte man jetzt schon einen Kandidaten positionieren, aufbauen, bekannt machen.
Aber macht man ihn (oder sie) mit einer Niederlage bekannt? Die SPD würde so verfahren, die wolle ihren Kandidaten aufbauen, damit er später als Landrat kandidiere. Meinte jedenfalls ein Versammlungsteilnehmer.
Ist denn alles so aussichtslos? Muss nicht, fand jedenfalls der ehemalige Ratsherr und Ex-Ex-Ex-Bürgermeisterkandidat Wilhelm Paul. Als er Ende der 90er-Jahre gegen den damals ebenfalls als sicheren Sieger gehandelten SPD-Kandidaten Klaus Homann antrat, habe auch niemand geglaubt, dass er eine Chance hätte. Doch am Ende sei die Wahl nur knapp für Homann ausgegangen. „Weil wir so ein gutes Wahlkampfteam hatten“, erinnerte Paul. Allerdings habe man heute keinen zugkräftigen Kandidaten.
Doch dann kamen aus Pauls Mund Worte, die überraschten: Ja, er sei früher einer der schärfsten Kritiker von Ralf Abrahms gewesen. Aber nun: „Warum unterstützen wir nicht seine Kandidatur? Er macht gute Arbeit…“
Das nun wiederum fand Hans-Peter Dreß gar nicht gut. Auch er war einst Bürgermeisterkandidat, der erste, der gegen Ralf Abrahms antrat – mit der Überzeugung, gegen ihn bestehen zu können. Hat ebenfalls nicht geklappt. Unter anderem auch, weil die anderen Parteien, als deren Kandidat aus dem Rennen war, plötzlich eine Wahlempfehlung für Abrahms ausgesprochen hatten. Damit sei für ihn, Dreß, schon mal ausgeschlossen, jetzt den SPD-Kandidaten zu unterstützen.
Und den Amtsinhaber? „Wir machen ja viel mit ihm gemeinsam“, so Dreß. Aber das bedeute noch lange nicht, „dass wir ihn unterstützen sollten“. Auch wenn es besser geworden sei – „wir haben doch viel gegen ihn gewettert…“ Eine Wahlempfehlung wäre kontraproduktiv.
Also: Was tun? Doch noch einen Bewerber aufstellen? Aber woher nehmen… Jobst Dreß ließ abstimmen, und drei Viertel der rund 30 anwesenden Parteimitglieder sprach sich gegen einen Kandidaten (oder eine Kandidatin) aus. Ohne dass noch einmal Namen gehandelt worden wären.
Dann also eine Wahlempfehlung? Da war das Ergebnis klarer: Niemand in der Versammlung konnte sich mit dem Gedanken anfreunden, einen anderen Kandidaten zu unterstützen. Ein klares Votum. Und so findet die Bürgermeisterwahl 2019 in Bad Harzburg ohne die CDU statt.