Buch krönt Geschichte des Brusttuchs
Das Hotelier-Ehepaar Oberhuber-Ballach und Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk (v.re.) mit den Autoren des Buches über das Brusttuch. Foto: Kempfer
Goslar. Der Geschichtsverein präsentiert eine Publikation, die „ein faszinierendes Gebäude zwischen zwei Buchdeckel“ bringt, das Brusttuch. Hotelier Heinrich Oberhuber plauderte aus dem Nähkästchen.
„Renaissance in Holz – Das Brusttuch in Goslar“ – so lautet der Titel eines neuen Buches, das der Geschichtsverein Mittwoch an authentischem Ort, umrahmt von authentischen Klängen der Gruppe „Alte Musik“ vom CvD, vorgestellt hat. Dass das Werk, an dem neun Autoren mitgewirkt haben, tatsächlich erst heute vom Buchbinder kommt, störte dabei nicht; zu sagen gab’s auch so schon manches.
Geschichtsvereinsvorsitzender Günter Piegsa, selbst einer der Autoren des Buches, überreichte Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk und Heinrich Oberhuber vorab jeweils ein handgebundenes Exemplar des Buches, das sich als Band 55 in die Reihe der Beiträger zur Geschichte der Stadt Goslar einfügt. Eben diese Goslarer Geschichte und die Art und Weise, wie Goslarer mit ihrer Geschichte am Beispiel ihrer Gebäude umgehen, bildete den Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung im „Brusttuch“, das der Patrizier Magister Johannes Thiling 1526 errichten ließ. „Ein Denkmal wie dieses erhält man nur durch Nutzung“, sagte Junk; und berichtete von der geradezu demütigen Reaktion der beeindruckten Franzosen aus Arcachon, die jüngst in diesen herrlichen Räumen bewirtet wurden.
Die Schnitzereien des außergewöhnlichen Gebäudes wurden ebenso wie tragende Teile seiner Konstruktion vor mittlerweile sechs Jahren mithilfe des Bundesförderprogramms für Welterbestätten saniert. 2007 hatte es der Goslarer Hotelier Heinrich Oberhuber erworben, nach gründlicher Überlegung, wie er rückblickend berichtete: „Nee, ich nicht mehr“, hatte er eigentlich auf dieses Ansinnen geantwortet. Und dann gedacht: „Eigentlich ist es schade.“ Fernab der Stadt, auf Teneriffa, fällte er dann mit seiner Frau die Entscheidung für den Kauf. Die zwölf Zimmer wurden saniert, dann kam die Fassadensanierungs-Anfrage. „Nee, ich nicht mehr“, sagte Oberhuber, der „keine Handwerker mehr sehen konnte“, wie er freimütig gestand.
Dann kam die 90-Prozent-Förderung; und Oberhuber entschied neu; er wollte sich nicht von den Goslarern sagen lassen, er sei „verrückt geworden“. Heute ist das Ehepaar froh darüber und Oberhuber hat eine neue Beziehung zur Denkmalpflege: „Frau Reulecke, Sie haben mir das immer so schön erklärt; heute ertrage ich Denkmalschutz viel besser, denn ich habe viel darüber gelernt“, sagte er zur Bezirkskonservatorin.
Kauft und rettet der Hotelier vielleicht noch ein Haus? „Nee, ich nicht mehr“, sagt Oberhuber, und dieses Mal könnte er dabei bleiben: „Das, was wir haben, machen wir noch zu Ende“, versprach der 77-Jährige – ein Konferenzzentrum in der Worthschule, im Brusttuch ein Hotel mit Schwimmbad und Sauna. Das Buch über „sein“ Brusttuch wird er gerne als Gastgeschenk nutzen.
Die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, die Stadt Goslar und der Regionalverband Harz trugen als Sponsoren dazu bei, dass das Buchprojekt realisiert werden konnte und dass es heute in einer Auflage von 1000 Stück auf den Markt kommt; 224 Seiten zum Preis von 24 Euro.
Zu den Autoren gehören neben Piegsa, der sich mit der Frage befasst, wie Renaissance-Schnitzereien und Fachwerk zusammen kommen, acht weitere Autoren: Dieter Haupt nimmt die Baugeschichte unter die Lupe, Christina Wötzel befasst sich mit dem Bauherrn, Cordula Reulecke mit dem Baudenkmal, Bernhard Gockel mit der baukonstruktiven Sanierung des Fachwerks, Bernhard Recker mit den Farben und Holger Windmann mit der Restaurierung des Schnitzwerks. Dr. Johanna Junk und Dr. Beatrice Nunold haben das Bildprogramm der Schnitzereien aufs Korn genommen und treffen Aussagen zu Hexen und Heiligen sowie zur Astrologie und Alchemie.