Brauereimuseum Lautenthal ist erneut in Gefahr
Die schmuckvolle Gestaltung verrät, wie geschichtsträchtig das Objekt ist: Die städtische Brauerei wurde im Jahr 1660 gegründet. Fotos: Kühlewind
Lautenthal. Droht dem Lautenthaler Brauereimuseum endgültig das Aus? Nach einem verlorenen Gerichtsprozess ist diese Frage aktueller denn je. Seither kommt Eigentümer Rainer Podszun aus Bremen nur noch zwei Mal im Jahr nach Lautenthal: „Einmal, um die Heizung anzustellen und einmal, um sie wieder auszumachen.“
Bald will er eine Entscheidung darüber treffen, wie es mit dem historischen Gebäude und dem für die ehemalige Bergstadt Lautenthal so wertvollem, da geschichtsträchtigen Inventar weitergeht. Anzeichen, die auf eine Wiedereröffnung hoffen lassen könnten, gibt es derzeit keine. Podszun hat resigniert.
Die historische Stätte war die Wiege des Zwergenbräu.
Doch es kam anders: Die Nachbarn zerstritten sich und Podszun verlor das Wegerecht für den Zugang zur Rückseite des Hauses. Dort befindet sich der Eingang zur ehemaligen Wohnung des Braumeisters, die Podszun bewohnen wollte. Seither führt der einzige Zugang durch den Keller des Brauereimuseums – zu umständlich, wie Podszun sagt. 2016 zog er vor Gericht und unterlag. „Wenn der Zugang durch den Keller erfolgen muss, zweifle ich auch ein bisschen an unserem Rechtsstaat“, erklärte er jetzt auf Anfrage der GZ.
Podszun fühlt sich der Nutzung seiner Lautenthaler Wohnung beraubt. Doch von Bremen aus kann er das Brauereimuseum nicht betreiben. So blieb es seit der Niederlage vor Gericht geschlossen. „Und ich gehe davon aus, dass es nicht mehr geöffnet wird“, ergänzt der Eigentümer: „Meine Motivation geht gegen Null.“
Podszun fühlt sich beim Versuch, das Museum zu erhalten, allein gelassen. „Warum soll ich mir die Beine ausreiße, wenn keine Unterstützung aus der Bevölkerung kommt“, fragt er. „Lautenthal ist vielleicht nicht so sehr daran interessiert.“
Ortsbürgermeister Hartmut Arndt widerspricht dem vehement: „Die Brauerei liegt uns am Herzen. Die ist einmalig in Norddeutschland. So gut erhalten und authentisch. Die Großväter vieler Lautenthaler haben dort gearbeitet.“ Arndt erinnert an die Überlegungen, einen Verein zu gründen, um das Brauereimuseum zu erhalten. Das war, bevor Rainer Podszun die Immobilie erworben hat. Nach dem Kauf schien der Bestand gesichert, ein Verein nicht mehr vonnöten.
Brauereimuseum Lautenthal. Foto: Kühlewind
Genau das aber scheint gut möglich. „Ich werde das Gebäude vor dem Verfall schützen, aber mehr auch nicht“, macht Podszun deutlich. „Ich gucke mir das jetzt noch mal ein oder zwei Jahre an, dann überlege ich mir, was ich mache. Dann ist mein Entschluss fest.“ Wie die Option dann aussehen könnte, verheimlicht Podszun nicht: „Das Museum wird womöglich aufgelöst.“
Nach dem Kauf der Immobilie 2011 ist Rainer Podszun noch zuversichtlich: Er will das Brauereimuseum in der Hahnenkleer Straße erhalten und beginnt mit Reparaturen. Archivfoto: Gereke
Brauereimuseum Lautenthal. Foto: Kühlewind