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Biergarten und Café locken ins Leo-von-Klenze-Museum

Das Haus am Damm 14 ist wie geschaffen für einen Ort, an dem das Wirken des neben Karl Friedrich Schinkel bedeutendsten Architekten des Klassizismus gewürdigt wird.

Das Haus am Damm 14 ist wie geschaffen für einen Ort, an dem das Wirken des neben Karl Friedrich Schinkel bedeutendsten Architekten des Klassizismus gewürdigt wird.

Schladen. Jochen Buchholz hat ein ehrgeiziges Ziel: Im kommenden Herbst soll die ehemalige Apotheke am Marktplatz wieder öffnen – als Museum für den in Schladen geborenen Leo von Klenze, der neben Karl Friedrich Schinkel als bedeutendster Architekt des Klassizismus gilt. „Ich möchte mich selbst treiben. Ich brauche ein Ziel“, erklärt Buchholz seinen Zeitplan.

Dienstag, 12.05.2020, 15:31 Uhr

Im Garten des künftigen Klenze-Museums will Jochen Buchholz Angebote schaffen, die zusätzlich Besucher locken: Mitten im üppigen Grün soll ein Biergarten entstehen. Fotos: Kühlewind

Im Garten des künftigen Klenze-Museums will Jochen Buchholz Angebote schaffen, die zusätzlich Besucher locken: Mitten im üppigen Grün soll ein Biergarten entstehen. Fotos: Kühlewind

Schon seit Jahren arbeitet Buchholz auf diese Eröffnung hin. 2016 initiierte er dafür die Gründung des Fördervereins, dessen 1. Vorsitzender er ist. Ursprünglich hatte der Verein geplant, in diesem Jahr das Gebäude am Damm 14 zu erwerben und den Kaufpreis in zehn Jahresraten zu begleichen. Daraus wird nun nichts. „Der Verein hat einen Vorvertrag und wird das Haus in naher Zukunft erwerben. Das wird aber noch mindestens ein oder zwei Jahre dauern“, sagt Buchholz.

An der geplanten Museumseröffnung ändert das nichts. Die Eigentümerin des Hauses, die zugleich die letzte Apothekerin war, hat dem Verein das Nutzungsrecht für das Erdgeschoss eingeräumt. So konnte der Flur bereits ebenso renoviert werden wie das Zimmer im Anbau, das für öffentliche Veranstaltungen wie Lesungen und die Ostpreußische Weihnacht genutzt wird. Auch wenn Buchholz fasziniert ist vom Leben und Wirken Leo von Klenzes, so ist er doch Realist genug, um zu erkennen, dass der Name allein keine große Zugnummer sein wird. Deshalb soll im Haus zusätzlich ein kleines Cafe entstehen, im Garten unter anderem ein Biergarten. Außerdem soll das ehemalige Labor erhalten bleiben und Einblicke in eine Zeit ermöglichen, als es üblich war, in einer Apotheke Benzin, Zigarren oder Arsen zu kaufen. Der Weg dorthin wird durch den Eingang der früheren Apotheke führen, in deren Geschäftsraum das Museum eingerichtet wird. „So wird man auf dem Weg zum Cafe oder Essen mit Kunst konfrontiert“, stellt Buchholz fest und hofft, dass künftig auch Einheimische vermehrt die Adresse aufsuchen: „Die Leute kommen aus Peine, Wolfenbüttel, Goslar und Braunlage, aber kaum aus Schladen.“

Das Museum soll sich den bisher unbekannten Seiten Leo von Klenzes widmen. Dazu gehört zunächst seine Kindheit und Jugend. Von Klenze wurde in Buchladen geboren und kam nach ein oder zwei Jahren ins Haus Damm 14. Ob dem Vater das Haus gehörte oder dieser nur als Bediensteter dort wohnte, ist bisher ungeklärt. Buchholz will Licht in das Dunkel bringen und hofft, da Schladen damals zum Bistum Hildesheim gehörte, auf die Unterlagen im dortigen Domarchiv. An der Universität Braunschweig, wo von Klenze studierte, will er nach den alten Semesterbüchern forschen.

Außerdem soll das Museum eine Übersicht über die größeren Werke von Klenzes bieten. Der dritte Schwerpunkt schließlich ist der Eremitage in St. Petersburg gewidmet – jener Bildergalerie, die von Klenze im Auftrag von Zar Niko-laus I. errichtet hat. „Er war sieben Mal dort. Aber über den Bau weiß man ganz, ganz wenig“, berichtet Buchholz. Was stand da vorher? Wie hat es sich entwickelt? Auf diese und viele andere Fragen hofft Buchholz, Antworten zu finden. Dazu will er sich an die russische Botschaft in Berlin wenden und versuchen, einen deutschsprachigen Kontakt vermittelt zu bekommen. „Wir bemühen uns, Schladen in Russland bekannter zu machen“, verweist Buchholz auf einen Nebeneffekt.

Die Informationen sollen ansprechend aufbereitet und auf drei oder vier Bildschirmen präsentiert werden. „Eine gute Schauspielerstimme muss das vortragen. Die muss die Besucher in den Bann ziehen“, stellt sich Buchholz vor.

Das ehemalige Labor im Hinterzimmer bleibt erhalten und erinnert an die Apotheke, die es 199 Jahre lang an diesem Standort gegeben hat.

Das ehemalige Labor im Hinterzimmer bleibt erhalten und erinnert an die Apotheke, die es 199 Jahre lang an diesem Standort gegeben hat.

Während sich der 72-Jährige um die Inhalte kümmert, stehen die übrigen Vereinsmitglieder und freiwillige Helfer um den Stellvertretenden Vorsitzender Henning Schacht bereit, die baulichen Vorbereitungen zu stemmen. Der Verkaufsbereich der alten Apotheke muss noch leer geräumt und renoviert werden. „Es werden Wände eingezogen und ein neuer Fußboden kommt da rein“, erläutert Schacht. Der Raum soll bis zum Sommer fertig werden. „Das zu machen, ist nicht das Ding. Das ist eine kleine Fleißarbeit“, erläutert der Praktiker. Was dann noch fehlt, ist die technische Ausstattung. „Wir müssen noch Sponsoren für die Touchscreens finden“, ergänzt Schacht und ist guter Dinge, um die Unterstützung nicht groß betteln zu müssen: „Da hab ich keine Sorgen.“

Die Entscheidung, ein digitales Museum ohne große Exponate aufzubauen, hält die Kosten gering. So fiel es dem Verein auch nicht schwer, das Angebot eines Münchner Auktionshauses verstreichen zu lassen. „Die haben uns angeschrieben und gefragt, ob wir ein Gebot für ein Gemälde von Leo von Klenze abgeben wollen. Er hat 79 Bilder gemalt“, berichtet Henning Schacht. Die Münchner müssen die Schladener für sehr finanzkräftig gehalten haben – schätzten sie doch den Wert des Gemäldes auf bis zu 300.000 Euro. „Das ist weit weg von unserer Realität“, stellt Schacht fest und ergänzt: „Wir haben nicht geantwortet.“

Das digitale Museum wird in der ehemaligen Apotheke eingerichtet.

Das digitale Museum wird in der ehemaligen Apotheke eingerichtet.

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