Betriebsrat sieht die Pflege in Gefahr
Im Krankenhaus Goslar: Mitarbeiter der Harzkliniken während eines Infotages im vorigen Jahr. Foto: Archiv
Goslar. Die Asklepios-Harzkliniken kämpfen offenbar mit einem altbekannten Problem. Der Betriebsrat beklagt – nicht zum ersten Mal – die dünne Personaldecke in der Pflege. Die Folgen sind aus Sicht der Belegschaftsvertretung verheerend für eine Klinik: Die Gesundheit von Patienten und Mitarbeitern sei „fortlaufend“ gefährdet.
Goslar. Die Asklepios-Harzkliniken kämpfen offenbar mit einem altbekannten Problem. Der Betriebsrat beklagt – nicht zum ersten Mal – die dünne Personaldecke in der Pflege. Die Folgen sind aus Sicht der Belegschaftsvertretung verheerend für eine Klinik: Die Gesundheit von Patienten und Mitarbeitern sei „fortlaufend“ gefährdet.
Mit diesen Worten wandte sich Betriebsratsvorsitzender Franz Diener in einem Mitarbeiterbrief an Belegschaft und Geschäftsführung.
Tägliche Arbeiten, „die zeitnahe Versorgung bei Inkontinenz, Sicherstellung der zeitgerechten Gabe von Medikamenten“, aber auch „Kontrollen von Blutzucker und Blutdruck können oft nicht gewährleistet und sichergestellt werden“. Diener schreibt in dem Brief: „Die Kontrolle der Medikamente kann nicht immer mit der notwendigen Sorgfalt gewährleistet werden.“
Die nach Meinung des Betriebsrates dünne Personalausstattung führe zu Leistungsdruck, Stress und Krankheit unter den Beschäftigten. Er appelliert an die Geschäftsleitung: „Wir fordern sie im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitern und Patienten auf, zeitnah Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Zustand zu beenden.“
Auch in der Asklepios-Klinik Seesen herrscht Unruhe. Für beide Krankenhäuser ist Adelheid May als Regionalgeschäftsführerin zuständig. Betriebsratsvorsitzender Oliver Kmiec sagt: „Die Personaldecke ist mehr als auf Kante genäht.“
Dazu gebe es bereits Gespräche. Die Belegschaft wolle der Geschäftsführung „die Augen öffnen“, sagt Kmiec. Es gebe Probleme, qualifiziertes Personal zu finden. Erst kürzlich habe eine Station mit 28 Betten wegen des hohen Krankenstandes vorübergehend geschlossen werden müssen.
Unruhe herrscht in Seesen derzeit auch wegen struktureller Veränderungen. Laut Betriebsrat ist geplant, die beiden Intensivstationen und die Notaufnahmen zu zentralisieren. Teams würden auseinandergerissen.
Externe Fachleute
Verdi Gewerkschaftssekretär Jens Havemann aus Braunschweig sagt, die Probleme seien schon oft akut geworden, bisher habe sich nichts getan. „Wenn sich nichts ändert, werden wir das zu einem großen Thema machen.“ Er denke daran, externe Fachleute einzuschalten, um die Personalausstattung zu überprüfen. In Seesen liege das Problem eher bei Arbeitszeit und Überstunden.
Adelheid May nennt die Vorwürfe „völlig undifferenziert und haltlos“. Die Versorgung sei jederzeit gewährleistet. „Der Krankenstand bei uns bewegt sich im normalen Rahmen“, sagt sie und ergänzt: „Auch die Besetzung der Pflegekräfte ist im Vergleich zu anderen Kliniken völlig üblich. Im vergangenen Monat hatten wir keine einzige Überlastungsanzeige, und insgesamt sind diese Anzeigen bei uns stark rückläufig.“ Asklepios stelle mehr Pflegekräfte ein als ausscheiden.
Als Beleg dafür, dass die Pflege gezielt gestärkt werde, führt sie in einer Mitteilung eine Vielzahl von Projekten auf.