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Bekenntnis zu den Wurzeln der Stadt

Rund 200 Bergleute und dem Bergbau Verbundene zogen im Festumzug durch Clausthal zur Marktkirche.  Foto: Neuendorf

Rund 200 Bergleute und dem Bergbau Verbundene zogen im Festumzug durch Clausthal zur Marktkirche. Foto: Neuendorf

Clausthal-Zellerfeld. Ein eindrucksvoller Bergdankfestzug belebte das Wintergrau: Rund 200 Bergleute und dem Bergbau Verbundene folgten auf Einladung der Marktkirchengemeinde, der Fachschule für Wirtschaft und Technik, des Traditionsvereins der Berg- und Hüttenschule und des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins dem ehrwürdigen Brauch, am Samstag vor Fastnacht für das zurückliegende Bergjahr zu danken und der verstorbenen Bergleute zu gedenken.

Montag, 12.02.2018, 14:44 Uhr

Neben einem Großteil der studentischen Verbindungen marschierte eine große Abordnung von Bergleuten und Angehörigen aus dem nordthüringischen Revier Nordhausen mit. Besonders erfreut waren die Veranstalter über die Anwesenheit von Vertretern der IGBCE aus Goslar. Für sie steht fest, dass sie wiederkommen – das Bergdankfest in Clausthal, so ihre Auffassung, ist eben doch etwas ganz Besonderes durch sein Alter und seine Authentizität.

Musikalisch unterstützt von den Neuen Berghornisten und den Bergwerkswohlfahrtern sowie dem Bergschulchor zeigte die Festgemeinde, wie viel ihr am historischen Bergbau und ebenso am Wohl der aus den Wurzeln des Bergbaus entstandenen Stadt und ihrer Universität liegt. Dieses Bekenntnis hätte auch einer größeren Ratsgruppe gut zu Gesicht gestanden – ganze fünf Ratsmitglieder hatten sich eingefunden, unter ihnen auch Bürgermeisterin Britta Schweigel.

Nach dem Gottesdienst in der Marktkirche, in dessen Mittelpunkt eine nachdenkenswerte und aktuelle Auslegung der traditionellen Lesung aus dem Buch Hiob durch Pastor Walter Merz stand, ging es in den Glückauf-Saal zur fröhlichen Feier. In Vertretung von Reinhard von Liebenstein begrüßte OGMV-Vorsitzender Thomas Gundermann die Versammlung und dabei besonders herzlich den Präsidenten des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), Andreas Sikorski: „Andere schmücken sich mit Ministern, wir haben unseren Berghauptmann“, sagte Gundermann unwidersprochen.

In seinem Bergbericht zog Präsident Sikorski eine gemischte Bilanz. Tatsächlich lässt sich nicht übersehen, dass der Bergbau im Geltungsbereich des LBEG an Bedeutung einbüßt. Das habe verschiedene Gründe, führe aber dazu, dass aktuell nur noch 6000 Beschäftigte in 157 Betrieben einer Tätigkeit unter Bergaufsicht nachgehen. Dabei falle besonders schmerzhaft ins Gewicht, dass das letzte Kali-Bergwerk in Niedersachsen, Sigmundshall, vorzeitig die Produktion einstellt. Das geplante Ersatzbergwerk Siegfried Giesen bei Hildesheim ist noch nicht in Betrieb.

Trotz dieser und anderer nicht so erfreulicher Entwicklungen machte Sikorski aber auch Mut: Selbst wenn die Erlaubnis, zwischen Bad Grund und Clausthal-Zellerfeld neue Erze zu suchen, zurückgezogen werden musste, zeige dieser Vorstoß doch eine dahinter stehende Idee – nämlich die hier noch vorhandenen Schätze, unter anderem Indium und Germanium, eines Tages gewinnbringend heben zu können.

Sikorski verwies auf die historischen Erfahrungen im Harz: Immer gab es Perioden des Stillstands, gefolgt von neuen Hochphasen – „warum soll es diesmal anders sein?“

Nach anschließender Stärkung mit den guten Gaben aus Wurstküche und Brauhaus, von einer fantastisch aufgelegten Kapelle begleitet und angeregt, ging es dann für viele Festteilnahme zum inoffiziellen zweiten Teil auf Verbindungshäuser oder Vereinslokale, wo bis in den späten Abend gefeiert, diskutiert und Freundschaft gepflegt wurde.

In Wildemann führte der Festumzug am Sonntag nach dem Kirchgang mit Marschmusik durch den Ort zum Schärperfrühstück ins Hotel Rathaus. Das Bergdankfest organisiert der Bergwerks- und Geschichtsverein seit einigen Jahren wieder federführend. Die Veranstaltung lockt auch über die Stadtgrenzen hinaus ihre Besucher an. Sie kommen aus Clausthal-Zellerfeld, Bad Grund und Lautenthal und tauschen dabei die neuesten Nachrichten aus. Schließlich sitzt man nicht jeden Tag in dieser Gemeinschaft beisammen.

Unter den Männern, die im traditionellen Bergkittel am Tisch sitzen, dürften nur die wenigsten eigene Untertage-Erfahrungen haben. „Wir freuen uns über jeden, der sich der Tradition verbunden fühlt“, unterstrich Vereinsvorsitzende Inge Schubert bei der Begrüßung der Gäste.

Ein formelles Programm war nicht vorgesehen. Dennoch ließen es sich der Bergschulchor in der Kirche und der MGV Germania beim Frühstück nicht nehmen, mit ihrem Gesang zur Unterhaltung des Vormittags beizutragen.red/Tgd/P.W./bf

In der Kirche und beim Marsch zum Schärperfrühstück begleiteten die Wildemanner Blaskapellen die Bergdankfest-Besucher mit ihrer Musik.

In der Kirche und beim Marsch zum Schärperfrühstück begleiteten die Wildemanner Blaskapellen die Bergdankfest-Besucher mit ihrer Musik.

Das Steigerlied des MGV Germania wird im Stehen mitgesungen.  Fotos: Weiss

Das Steigerlied des MGV Germania wird im Stehen mitgesungen. Fotos: Weiss

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