Bauarbeiten fördern Welterbe zutage
Die Grabungsmitarbeiter Bjorn Jobst (li.) und Jens Jansen legen die alten Mauern frei. Mithilfe des Grabens wurde Wasser aus der Innerste abgeleitet, mit dem die Mühlen und das Kehrrad zur Erzförderung im Ort betrieben wurden. Fotos: Ciszewski
Lautenthal. Im Zuge der Bauarbeiten an dem neuen Hochwasserschutzwall an der Innerste haben Archäologen einen Teil des jahrhundertealten Caroliner Grabens freigelegt. Mithilfe der auch als Pulvergraben bezeichneten Ableitung des Flusses wurden einst die Wasserräder der Mühlen und ein Kehrrad zur Erzförderung in Lautenthal betrieben. Der Graben ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes „Oberharzer Wasserregal“.
Lautenthal. Im Zuge der Bauarbeiten an dem neuen Hochwasserschutzwall an der Innerste haben Archäologen einen Teil des jahrhundertealten Caroliner Grabens freigelegt. Mithilfe der auch als Pulvergraben bezeichneten Ableitung des Flusses wurden einst die Wasserräder der Mühlen und ein Kehrrad zur Erzförderung in Lautenthal betrieben. Der Graben ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes „Oberharzer Wasserregal“.
Zwei Grabungsmitarbeiter untersuchen unweit der so genannten „Kuhnasenkurve“ südlich von Lautenthal die alte Mauer des Grabens und den Fehlschlag aus Holz, der sich in einem erstaunlich guten Zustand befindet. Um die Befunde genau dokumentieren zu können, kleben durchnummerierte Schilder an Erdschichten, Steinen und anderen Untersuchungsgegenständen.
Bislang wissen die Denkmalschützer noch nicht viel mehr, als das, was alte Chroniken und die Dennert-Tanne, die an der Stelle als Hinweisschild stand, bereits verraten. Das Schild ist im Zuge der Bauarbeiten eingelagert worden. Dort heißt es, dass der Graben „um 1679 bis 1891“ in Betrieb war (siehe Hintergrund). Genauer eingrenzen lässt sich die Bauzeit durch weitere Untersuchungen. Dafür soll das Holz des Fehlschlags, mit dem der Wasserstand im Graben reguliert wurde, geborgen und naturwissenschaftlich analysiert werden, sagt Katharina Malek. Sie ist Referentin für Montan-Archäologie beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege mit Sitz in Goslar.
Der nun in der Ausgrabungsstätte frei gelegte Bereich ist mit rund13 Metern nur ein kleiner Teil des insgesamt 1450 Meter langen Grabens. Wo genau er von der Innerste abgeleitet wurde, bleibt im Verborgenen. Das soll auch so bleiben. „Der Schutz des Denkmals ist am besten gewährleistet, wenn es unter der Erde bleibt“, sagt Karen Ullrich, Sachbearbeiterin in der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Goslar. Die gegenwärtigen Ausgrabungen sind durch den Bauantrag der Stadt für den Hochwasserwall mit einer Länge von30 Metern in Gang gekommen, der über den Graben verlaufen soll.
Die Frage, die sich dabei im Vorfeld stellte, nämlich ob das öffentliche Interesse groß genug ist, um an jener Stelle in das Denkmal einzugreifen, war schnell geklärt. Denn im Bereich der Kuhnasenkurve war in der Vergangenheit immer wieder bei Starkregen Wasser über die Ufer getreten. Ferienhaussiedlung und Seniorenresidenz Waldschlösschen wurden geflutet. Der geplante Hochwasserschutzwall soll künftig Abhilfe schaffen. Damit musste der „Teilzerstörung“ des Denkmals zugestimmt werden, so Katharina Malek. Das Vorgehen sei mit dem Landesarchäologen Dr. Henning Haßmann abgestimmt.
Die Bauarbeiten an dem Hochwasserwall werden durch den Fund „verlangsamt“, sagt Bauamtsleiter Ralf Schönian. Er geht von rund zwei Wochen aus. Die Fertigstellung ist noch in diesem Jahr geplant. Die Kosten für den rund zwei Meter hohen und 30 Meter langen Hochwasserschutzwall liegen laut Schönian bei rund 70.000 Euro.
Befunde erhalten Nummern, um die Grabungsstätte zu dokumentieren.