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Barbarossa-Klinik macht 50 Pflegebetten frei, um andere Krankenhäuser zu entlasten

Die Barbarossa-Klinik ist eine von drei Reha-Kliniken der Michels-Gruppe in Bad Harzburg. Sie hat 97 Pflegebetten, die eigentlich für neurologische Fälle vorgesehen sind. 50 werden nun auch normalen Krankenhauspatienten zur Verfügung gestellt, damit an anderer Stelle Platz ist für Corona-Fälle.  Foto: Schlegel/GZ-Archiv

Die Barbarossa-Klinik ist eine von drei Reha-Kliniken der Michels-Gruppe in Bad Harzburg. Sie hat 97 Pflegebetten, die eigentlich für neurologische Fälle vorgesehen sind. 50 werden nun auch normalen Krankenhauspatienten zur Verfügung gestellt, damit an anderer Stelle Platz ist für Corona-Fälle. Foto: Schlegel/GZ-Archiv

Bad Harzburg. Im Zuge der Corona-Krise wird die Barbarossa-Reha-Klinik 50 Betten für Patienten aus umliegenden Krankenhäusern zur Verfügung stellen. Allerdings nicht, das unterstreicht Verwaltungschefin Annette Bothe, für Covid-19-Fälle. Vielmehr wird die Klinik, die zur Michels-Unternehmensgruppe gehört, bei Bedarf „normale“ Patienten aus regulären Krankenhäusern übernehmen, damit dort Kapazitäten für Corona-Patienten frei werden. Die Versorgung der Reha-Patienten bleibe allerdings gesichert, so die Klinikleitung.

Dienstag, 31.03.2020, 15:08 Uhr

Das Niedersächsische Gesundheitsministerium hat 22 der 78 Rehakliniken im Land angewiesen, im Rahmen des Codiv-19-Krankenhausentlastungsgesetzes Betten zur Verfügung zu stellen (die GZ berichtete). Die Michels-Gruppe hatte sich mit allen drei Bad Harzburger Kliniken, die zusammen 361 Betten haben, für dieses Programm angemeldet. In der Kurstadt betreibt Michels die Herzog-Julius-Klinik mit 192 Betten für orthopädische Rehabilitation und 72 geriatrischen Betten und eben die Barbarossa-Klinik mit 97 Betten für neurologische Fälle. Dort werden unter anderem Patienten nach einem Schlaganfall oder mit anderen neurologischen Schädigungen beispielsweise nach einem Autounfall behandelt.

Insgesamt arbeiten in Bad Harzburg rund 400 Angestellte für die Michels-Kliniken, darunter sieben Fachärzte und diverse Assistenzärzte. Die medizinische Versorgung der Patienten aus den Akut-Krankenhäusern sei gewährleistet, so Bothe.

Kurt-Josef Michels und Verwaltungschefin Annette Bothe stellen in der Barbarossa-Klinik 50 Betten für reguläre Krankenhauspatienten zur Verfügung.

Kurt-Josef Michels und Verwaltungschefin Annette Bothe stellen in der Barbarossa-Klinik 50 Betten für reguläre Krankenhauspatienten zur Verfügung.

Das Ministerium habe sich letztlich für die Barbarossa-Klinik entschieden, weil dort reguläre Pflegebetten zur Verfügung stehen, sagt die Verwaltungschefin. Die Herzog-Julius-Klinik zum Beispiel habe eher Hotelcharakter.

Spontan könnten, Stand Dienstag, zehn bis zwölf Patienten aus anderen Krankenhäusern in die Barbarossa-Klinik einziehen. Die restlichen Betten würden bei Bedarf frei gehalten oder freigemacht. Wobei kein Patient der Barbarossa-Klinik vorzeitig nach Hause geschickt wird.

Und die neurologische Rehabilitation werde auch weiterhin angeboten. Schlaganfälle oder Autounfälle wird es ja auch in den kommenden Monaten geben. Doch die leichten neurologischen Fälle könnten in die Herzog-Julius-Klinik umquartiert werden, so Bothe. Dort seien nämlich Kapazitäten frei, da die orthopädischen Operationen momentan dort, wo es geht, verschoben – und entsprechend weniger Reha-Plätze gebraucht werden.

In die Barbarossa-Klinik kommen dann leichtere stationäre Fälle aus den Krankenhäusern, die dort genauso gut betreut werden könnten, wie in einer normalen Klinik. Die Klinik habe dazu die erforderliche technische Ausstattung und die entsprechende fachliche Ausrichtung, begründet das Gesundheitsministerium die Entscheidung für die Bad Harzburger Klinik.

Zwar hat die Barbarossa-Klinik keinen Operationssaal und keine Beatmungsplätze. Aber wie gesagt: Die Betten würden auch nicht für schwere Fälle oder Covid-19-Patienten zur Verfügung gestellt. Die Menschen, die aus den Krankenhäusern überstellt werden, würden auch alle zuvor getestet und müssen coronafrei sein, so Bothe.

Mit der Maßnahme möchte die Michels-Gruppe ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten und die regulären Krankenhäuser unterstützen. Allerdings macht Annette Bothe auch keinen Hehl daraus, dass natürlich auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen: Jedes belegte Bett bringe Geld und die Zahl der Reha-Patienten gerade aus dem orthopädischen Bereich nehme aus oben genannten Gründen ab.

HINTERGRUND: DAS IST DIE MICHELS-UNTERNEHMENSGRUPPE

Die Michels Unternehmensgruppe wurde 1932 als Sanitär- und Heizungsunternehmen gegründet. Nach der Realisierung zahlreicher Krankenhausprojekte wurde Anfang der 1990er-Jahre unter Federführung von Kurt Michels, Sohn des Firmengründers, das Engagement erweitert.
Seit dieser Zeit wurde begonnen, Rehabilitationskliniken zu errichten, die auch in eigener Verantwortung betrieben werden. Auch Hotels und Pflegeeinrichtungen kamen dazu. Derzeit beschäftigt die Michels-Gruppe bundesweit 3500 Mitarbeiter, Geschäftsführer ist Kurt-Josef Michels, Sohn des vor einem halben Jahr im Alter von 96 Jahren verstorbenen Kurt Michels. Vor 30 Jahren wurde die Herzog-Julius-Klinik oberhalb des Kurparks errichtet. 2000 kam dann die Barbarossa-Klinik am Badepark hinzu. Und im September 2017 eröffnete der Buchenhof, ein Alten- und Pflegeheim sowie eine geriatrische Reha-Einrichtung.
Neben diesen drei Kliniken gehört zur Michels-Gruppe auch die Brandenburg-Klinik in Berlin (Wandlitz), eine Eins-zu-Eins-Kopie der Bad Harzburger Herzog-Julius-Klinik. Dazu kommen die Reha-Tagesklinik im Forum Pankow, die Sachsenklinik Bad Lausick, das Neurologische Reha-Zentrum Leipzig samt angeschlossenem Therapiezentrum.

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