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BBS-Messerstecher kommt vor Gericht

Goslar. Wegen versuchten Mordes klagt die Staatsanwaltschaft Braunschweig einen zur Tatzeit 19-jährigen Goslarer an, der am 19. Februar an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Baßgeige mit zwei Messern mindestens 13 Mal auf seine 18-jährige Ex-Freundin aus Seesen eingestochen und sie lebensgefährlich verletzt hat. Nach Auskunft von Staatsanwalt Hans Christian Wolters startet der Prozess am 24. August (Freitag) und läuft nach Jugendstrafrecht.

Von Frank Heine Dienstag, 14.08.2018, 10:25 Uhr

Goslar. Wegen versuchten Mordes klagt die Staatsanwaltschaft Braunschweig einen zur Tatzeit 19-jährigen Goslarer an, der am 19. Februar an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Baßgeige mit zwei Messern mindestens 13 Mal auf seine 18-jährige Ex-Freundin aus Seesen eingestochen und sie lebensgefährlich verletzt hat. Nach Auskunft von Staatsanwalt Hans Christian Wolters startet der Prozess am 24. August (Freitag) und läuft nach Jugendstrafrecht.

Den Heranwachsenden, der seit seiner Ergreifung in der Jugendanstalt Hameln in Untersuchungshaft sitzt, hatten die Ermittler zunächst wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung festgenommen. Inzwischen hat sich der Vorwurf verschärft.

Die Staatsanwaltschaft sieht laut Wolters mit niedrigen Beweggründen und Heimtücke zwei Mordmerkmale als gegeben an. Als Motiv wird Rache angenommen. Das Paar hatte sich demnach einige Wochen vorher einvernehmlich getrennt. Als die junge Frau die Beziehung nicht wieder aufnehmen wollte und im Internet Fotos von sich postete, brannten bei ihrem Ex-Freund alle Sicherungen durch.

Nach Auffassung der Strafverfolgungsbehörden hat sich die Tat wie folgt abgespielt: Der junge Mann packte zu Hause zwei Küchenmesser in seine Jackentaschen, ging zur Schule und entdeckt um 9.18 Uhr die Seesenerin, die sich vor ihrem Klassenraum in einer Sitzecke auf dem Flur im ersten Obergeschoss mit anderen Schülern im Gespräch befand.

Ohne Vorwarnung zückte er vor rund 25 Augenzeugen ein Messer, trat schnurstracks seitlich von hinten an sein Opfer heran und stach zu. Sechs Stiche trafen das ahnungslose Mädchen in den Rücken, das jetzt zu schreien begann und zu flüchten versuchte. Der Angeklagte, der nach Sicht der Staatsanwaltschaft den Tod der Frau billigend in Kauf nahm, ließ sich nicht von seinem Tun abbringen.

Als sich nach einem weiteren Stich die Klinge des ersten Messers um 90 Grad verbog, zog er seine zweite Waffe und traf seine frühere Freundin mit weiteren Stichen am Hals, im linken Brustbereich, in den Bauch und am Unterarm. Aufgrund der Verletzungen schwebte das Opfer in Lebensgefahr und wurde nur durch eine Notoperation im Goslarer Krankenhaus gerettet. Die junge Frau ist nach wie vor an den BBS Baßgeige und besucht dort den Unterricht.

Glück im Unglück war letztlich auch der Umstand, dass die Rettungsleitstelle mit ihren Ersthelfern der BBS direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite sitzt und die Einsatzkräfte blitzschnell vor Ort waren.

Nach seinerzeitigen GZ-Erkenntnissen hatte der Angeklagte vor dem Geschehen noch eine Krankmeldung bei seinem Klassenlehrer abgegeben und sich vorher – nicht zum ersten Mal – in psychologischer Behandlung befunden. Nach seiner widerstandslosen Festnahme hatte der junge Mann lange geschwiegen, ehe er vor der Goslarer Jugendrichterin Urte Schwerdtner die Tat einräumte.

Die ganze Schule stand nach der blutigen Attacke unter Schock. Bewaffnete Polizisten, jede Menge Blaulicht, Krankenwagen, die vor- und wieder wegfuhren: Wer wollte da an einen geregelten Schulbetrieb denken? Viele hatten das Drama hautnah miterlebt. Tränen flossen. Um 11.10 Uhr wurden alle Schülerinnen und Schüler nach Hause geschickt. Schulpastoren, mehrere Kriseninterventionsteams und fünf Schulpsychologen der Landesschulbehörde kamen an diesem und an den nächsten Tagen zum Einsatz. Das Geschehen wurde im Unterricht aufgearbeitet.

Die BBS Baßgeige-Seesen ist mit rund 2200 Berufs- und Vollzeitschülern sowie etwa 120 Lehrkräften die größte Schule im Landkreis Goslar und in direkter Nachbarschaft zum Schulzentrum Goldene Aue an der Bornhardtstraße gelegen. Die Berufsausbildung erfolgt in technisch-gewerblichen Jobs und in sozialpädagogischen Bildungsgängen. Hinzu kommen diverse Berufseinstiegsschulen, Berufsfachschulen, Fachoberschulen und ein Berufliches Gymnasium.

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