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Automobilzulieferer DFA stellt ab sofort Schutzmasken her

Normalerweise werden in den Hallen von Dr. Freist Automotive in der Baßgeige Dämmstoffe für die Autobranche hergestellt. Weil die Produktion ruht, hat das Unternehmen auf Schutzmasken-Herstellung umgestellt. Die vorgestanzten Platten mit den Nasenbügeln müssen am Ende per Hand auseinandersortiert werden. Wie der Schutz am Ende aussieht, demonstriert GZ-Mitarbeiterin Holly Hildebrand im Bild links und in einem Video auf unserer Homepage – samt Montage-Demonstration.  Fotos: Sowa

Normalerweise werden in den Hallen von Dr. Freist Automotive in der Baßgeige Dämmstoffe für die Autobranche hergestellt. Weil die Produktion ruht, hat das Unternehmen auf Schutzmasken-Herstellung umgestellt. Die vorgestanzten Platten mit den Nasenbügeln müssen am Ende per Hand auseinandersortiert werden. Wie der Schutz am Ende aussieht, demonstriert GZ-Mitarbeiterin Holly Hildebrand im Bild links und in einem Video auf unserer Homepage – samt Montage-Demonstration. Fotos: Sowa

Goslar/Bielefeld. Not macht erfinderisch – und die Erfindungen helfen in schweren Zeiten: Der Automobilzulieferer Dr.Freist Automotive (DFA) mit Sitz in der Baßgeige stellt ab sofort gemeinsam mit seiner Bielefelder Schwesterfirma eine Mund-Nasen-Maske zum Schutz gegen das Corona-Virus her, die dem dringend benötigten Bedarf etwa in Pflegeheimen abhelfen soll. Ziel ist es laut Prokurist Andreas Hannig, 510.000 Masken am Tag zu produzieren.

Mittwoch, 01.04.2020, 16:01 Uhr

„Eine Million Masken sind schon ausgeliefert“, rechnete Hannig Mittwochvormittag vor. In Bielefeld zählen demnach das Evangelische Klinikum Bethel sowie die Stadt Bielefeld mit 200.000 bestellten Exemplaren für die Feuerwehr und den Rettungsdienst zu den ersten Kunden. Die Stadt Goslar hat laut Hannig bereits am Dienstag 10.000 Masken geordert. Der Kontakt zum Landkreis ist hergestellt.

Holly mit Mund-Nasen-Schutzmaske im Selbstbaukit

Holly mit Mund-Nasen-Schutzmaske im Selbstbaukit

Wie funktioniert die Maske, die vorerst nicht an Privatleute, sondern in 1000er Einheiten in erster Linie an den medizinisch-pflegerischen Bereich ausgeliefert werden soll? Nun: Zunächst einmal bekommt der Kunde kein fertiges Endprodukt, sondern einen Bausatz. Er besteht aus einem Mikrofaservlies, einer Nasenklammer und zwei Gummis. Eine Anleitung liegt bei, wie die Klammer passend auf den Stoff geklebt werden muss und die Gummizüge durch die Seiten zu ziehen sind. Das Stück wird auf der Nase aufgesetzt, über das Kinn gezogen und hinter den Ohren verknotet – fertig. Warum der Bausatz? „Es geht um schnelle und bezahlbare Hilfe“, erklärt Hannig.

Der Preis pro Maske liegt umgerechnet bei nur knapp 70Cent. Wenn DFA-Mitarbeiter erst den Clip für die Nase aufkleben und die Gummis einfädeln müssten, dauerte die Herstellung länger und läge deutlich teurer. Technisch ließe sich sicherlich immer eine Lösung finden, sagt Hannig und zieht einen Vergleich: „Wir fliegen heutzutage zum Mars.“

Der zu zahlende Endbetrag ist ein wichtiger Grund, warum die Maske nicht an Privatpersonen abgegeben werden soll. „Wir wissen, dass anderswo ganz andere Preise aufgerufen werden“, sagt Hannig. Spekulanten, die die Masken zum Weiterverkauf ordern, wolle man aber nicht unter die Arme greifen, sondern in der Krise gezielt helfen.

Auch deshalb ging es bei der Zulassung offenkundig schnell und unkompliziert: Erst am vorletzten Wochenende wurde laut Hannig die Idee geboren und anschließend in die Tat umgesetzt. Technische Voraussetzungen, die amtliche (Sonder-)Zulassung – alles im Eiltempo erledigt. Seit dem 26.März liegt die Freigabe für die Maske mit dem Namen Sono MN durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zum Einsatz für den medizinischen Bereich vor. Sie gilt vorerst bis zum 31. Juli – eine Zertifizierung nach FFP2-Norm liegt allerdings nicht vor. Die Masken sind nicht für invasive Eingriffe und für die Behandlung bei Corona-Patienten oder Verdachtspersonen gedacht. Laut DFA-Angaben haben auch Hygiene-Ärzte ihre Schutzwirkung für das Verwenden während der Corona-Pandemie in Krankenhäusern im Raum Bielefeld bestätigt.

Bielefeld? Goslar? Die beiden Schwestern helfen sich gegenseitig. Aus Ostwestfalen kommt der Mundschutz. Der Nasenbügel wird am Nordharz-Rand hergestellt. Gummi wird zugekauft – auch eine logistische Herausforderung, weil es in China produziert wird. Das Material, so heißt es im technischen Datenblatt für den Mundschutz, ist nicht steril und kann laut Hannig bei 70 Grad Celsius im Ofen für eine halbe Stunde vor einem nochmaligen Gebrauch erhitzt werden.

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