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Frühjahrsputz

Aufräumexpertin Marie Kondo liegt mit ihrer Netflix-Serie im Trend

Die japanische Autorin Marie Kondo (2.v.r.) in einer Szene der Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“.  Foto: Denise Crew/Netflix/dpa

Die japanische Autorin Marie Kondo (2.v.r.) in einer Szene der Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“. Foto: Denise Crew/Netflix/dpa

Als ich vor einigen Jahren meine Cousine und ihre Familie in Hamburg besuchte, fiel mir eine kleine Box mit der Aufschrift „Einsame Socken“ ins Auge. Ich musste schmunzeln. Die niedliche Umschreibung für die einzelnen Strümpfe, die über die Jahre in fast jedem Haushalt wie durch Zauberhand ihren Zwilling verlieren, gefiel mir. Dass es dafür extra eine Box gibt, das hätte Marie Kondo, die japanische Bestsellerautorin und Aufräumexpertin, wohl auch begrüßt.

Von Silja Meyer-Zurwelle Mittwoch, 06.03.2019, 15:51 Uhr

Aber auch nur das: Denn laut Marie Kondo sollte es in keinem Haushalt einsame Socken, unglückliche T-Shirts oder traurige Pullover geben. Sie sollten hingegen vollkommen glücklich gefaltet, nach Farbe, Gewicht und Länge sortiert und, wenn man sie nicht mehr braucht, mit dem Aufjuchzer dankbarer Freude abgegeben werden.

Hat man, wie Marie Kondo, das Aufräumen zu seinem Beruf gemacht, dürfte das auch zeitlich gar kein Problem darstellen. Andernfalls muss das ganze Konzept eher als die Etablierung eines stressigen Nebenjobs bewertet werden. Wäre mir beim Streaming-Dienst Netflix nicht seit Anfang des Jahres ständig die Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“ auf dem Bildschirm angezeigt worden, dann wüsste ich jetzt gar nicht, wer Kondo ist. Tatsächlich muss es aber so einige Menschen auf dieser Welt geben, die auch schon vor Netflix-Zeiten von ihr gehört haben. Immerhin hat die Japanerin drei Bücher geschrieben, die laut Wikipedia mehr als sieben Millionen Mal verkauft wurden.

Und trotzdem habe ich die erste Folge der Serie nur schwer durchgehalten. Im Fokus ist hier die kleine Familie von Rachel und Kevin, die mit ihren zwei Kleinkindern in einem Haus wohnen, das aus meiner Sicht aussieht, wie ein Haus eben aussieht, wenn dort kleine Kinder wohnen. Eigentlich sieht es geradezu ordentlich aus. Auf dem Kinderzimmerfußboden liegen bloß vereinzelt Spielzeuge.

In der Serie wird dies jedoch zu einem Riesenproblem aufgebauscht und Marie Kondo, die dauerlächelnde Aufräumfee, scheint Rachel und Kevin dringend unter die Arme greifen zu müssen, da ihre Beziehung, wie sie sagen, auch schon enorm unter der einen offenen Lunchbox, die in der Küche auf der Ablage stehen geblieben ist, und den ungemachten Betten leidet. Da drängt sich die Frage auf, wie Familien mit noch mehr Kindern ohne eine Marie Kondo überlebensfähig sind? Und mal ganz ehrlich: Dass man Dinge gut in Boxen verstauen kann und, dass gefaltete Shirts und ordentlich aufgereihte Schuhe schöner aussehen, das wussten wir doch auch schon vor Marie Kondo. Außerdem bin ich zutiefst glücklich über meine vielen einsamen Socken, die ich – getreu dem Motto „Zusammen ist man weniger allein“ – , alle völlig unsortiert in einer Schublade vereine. Marie Kondo würde staunen: Zwei Zueinanderpassende finde ich nämlich trotzdem immer...

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