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Arzt vor Gericht: Kokain heimlich beim Sex verabreicht?

Vor Verhandlungsbeginn: Der Saal A 23 im Landgericht Magdeburg.

Vor Verhandlungsbeginn: Der Saal A 23 im Landgericht Magdeburg.

Magdeburg/Harz. Es ist ein ungewöhnlicher, ein spektakulärer Prozess. Es geht um Sex und Drogen. Vor dem Landgericht in Magdeburg muss sich seit Freitag ein ehemaliger Chefarzt aus dem Harz wegen mehrfacher Vergewaltigung verantworten. 

Von Oliver Stade Freitag, 28.09.2018, 16:03 Uhr

Er soll seinen Opfern gegen deren Willen Kokain verabreicht haben. Eine Frau aus Schönebeck starb an einer Überdosis.

Der 42-jährige Angeklagte, der zuletzt in einer Klinik in Halberstadt gearbeitet hat und einen Wohnsitz in Ilsenburg hatte, muss zu Beginn der Verhandlung ein kleines Blitzlichtgewitter über sich ergehen lassen.

Der Mann sitzt seit Februar in Untersuchungshaft. Nachdem dem Spezialisten für Handchirurgie und Notfallmedizin die Handschellen abgenommen wurden, nimmt er zwischen seinen beiden Verteidigern Platz. Zwei Stühle von ihm entfernt sitzt außerdem ein Facharzt für Rechtsmedizin aus Leipzig, den die Verteidigung als Gutachter aufbietet.

Oberstaatsanwältin Eva Vogel führt in der Anklage zehn Fälle auf, in denen der aus Österreich stammende Mediziner Frauen gegen deren Willen Kokain verabreicht haben soll, um sie gefügig zu machen. Ins Rollen kam der Fall, als im Februar in der Halberstädter Wohnung des Mediziners eine 38-jährige Friseurin starb, die den Arzt für intime Treffs besuchte. Sie sei an einer Kokainvergiftung gestorben, heißt es in der Anklage. Das Gericht muss nun prüfen, ob für diese Tat eine Verurteilung wegen Mordes aus niederen Beweggründen oder wegen Totschlags in Frage kommt.

Andere Frauen litten unter den Folgen der Drogen. Eine war mehrere Tage arbeitsunfähig, eine weitere verursachte laut Staatsanwaltschaft zwei Autounfälle unter dem Drogeneinfluss. Eine Frau, die als Zeugin aussagen musste, wird von einer psychosozialen Betreuerin begleitet. Sie begründete ihren Einsatz mit der „sexuellen Gewalttat“ und einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ ihrer Mandantin. Andere Frauen berichteten von Halluzinationen und davon, dass sie bewegungsunfähig waren, sich nicht artikulieren konnten. Von der Friseurin soll der Arzt die Geschlechtsteile fotografiert haben. Fünf Frauen waren es laut Staatsanwaltschaft, die der Chefarzt mit Drogen gefügig machte. Das Kokain mischte er laut Anklage in Getränke oder führte es den Frauen auf andere Weise zu.

Gleich zu Beginn der Verhandlung kommt es zu einer ersten Kraftprobe zwischen der Verteidigung und der Staatsanwältin. Einer der Rechtsanwälte des Mediziners beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen, wegen der vielen intimen Details und um die Privatsphäre seines Mandanten zu schützen.

Außerdem beantragt der Verteidiger, die Hauptverhandlung auszusetzen – die Anklage sei in zwei Punkten verändert und nicht noch einmal zugestellt worden.

Beide Anträge weist der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg zurück. Nur wenn Zeugen gehört werden, soll die Öffentlichkeit im Einzelfall ausgeschlossen werden. Am Freitag geschieht dies zum Beispiel, als der Ehemann der verstorbenen 38-Jährigen befragt wird. Als er im Saal Platz nimmt, setzt sich sein Rechtsanwalt als Beistand neben den Zeugen, der unter der Situation leidet. Zumindest solange die Zuschauer im Saal sitzen, schaut er den Angeklagten nicht an. Der Beschuldigte aber blickt einige Male zu dem Witwer hinüber.

Weitere 21 Verhandlungstage hat das Gericht vorsorglich angesetzt. Der nächste Termin beginnt am 4. Oktober um 9 Uhr.

Akten und die Strafprozessordnung.

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