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Gesundheit

Arthrose-Schmerzen lindern: „Nie gedacht, dass es so schnell geht“

Ein Mann sitzt auf einem Stuhl und fasst sich mit beiden Händen an sein deutlich gerötetes gebeugtes Knie.

Knie-Arthrose schränkt Betroffene oftmals sehr ein. Schmerzen beim Aufstehen oder Gehen gehören bei vielen zum Alltag. Foto: u_if8o5n0ioo

Unsere Gelenke sind faszinierende Gebilde: Sie sind so konstruiert, dass sich jeweils zwei Knochen in bestimmten Winkeln geschmeidig zueinander bewegen können.

Von Marta Ways 07.10.2026, 08:35 Uhr

Umhüllt von der Gelenkkapsel, sind beide Knochenenden – also Gelenkkopf und Gelenkpfanne – mit einer elastischen Knorpel-Schutzschicht überzogen, die Reibung verhindern und Stöße abmildern soll. Ist diese Schicht abgenutzt, porös oder verkümmert, spricht man von Arthrose. Und das kann extrem schmerzhaft sein. In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut 17 Prozent der Deutschen von Arthrose betroffen. In der Altersgruppe Ü65 leidet sogar gut jeder Dritte darunter. Seit einigen Jahren ist auch Anton G. einer von ihnen. Bei dem 60-jährigen Unternehmer aus Bernau bei Berlin hat sich die Erkrankung langsam eingeschlichen und ist dann zunehmend eskaliert. Aufstehen, spazieren gehen, lange stehen – schon die kleinsten Bewegungen wurden für sein Knie im Arthrose-Endstadium 4 mehr und mehr zur Qual.

OP nur allerletzter Ausweg

„An manchen Tagen waren die Knieschmerzen unerträglich. 10 von 10 auf der Schmerzskala“, erinnert sich Anton G. an seine schlimmsten Zeiten. Eine Qual für den ehemaligen Leistungskampfsportler, der lieber mit seinen Enkeln im Ostseesand buddeln würde, als auf der Couch zu liegen. Nur ist das in den vergangenen Jahren kaum noch möglich. Schon kurze Spaziergänge muss der Vater von zwei Töchtern abbrechen. „Es war schrecklich, sich vorzustellen, dass das jetzt einfach so bleiben könnte.“

Als er die Diagnose Arthrose erhält, kommt für ihn eine OP mit künstlichem Kniegelenk nur als allerletzter Ausweg infrage. Er will vorher selbst etwas tun und informiert sich online, was für Möglichkeiten es gibt. Im Januar dieses Jahres entscheidet er sich für die Kombination aus Coaching und Ernährungsberatung. Dort hinterfragt er zum ersten Mal seinen Lebensstil: „Ich habe immer viel gearbeitet, war ständig unterwegs und habe zwischendurch meinen Hunger beseitigt. Da gab’s morgens dann schon das schnelle Bockwurstbrötchen. Ich habe überhaupt nicht darauf geachtet, was ich esse.“

Proteine und Ballaststoffe

Im Coaching lernt Anton G., sich bewusster zu ernähren und den Fokus auf bestimmte Nährstoffe zu legen, vor allem: Proteine und Ballaststoffe. Für den Unternehmer heißt das: viel Gemüse, Nüsse, Beeren, jeden Tag eine große Portion Hüttenkäse, dazu mindestens ein Ei täglich, mageres Fleisch oder Fisch und Vollkornprodukte. Dazu kommt ein leichtes Mobilisierungsprogramm für die Gelenke – mit Dehnübungen und Fahrradfahren auf dem Heimtrainer. Dafür plant der disziplinierte 60-Jährige jeden Morgen 1,5 Stunden ein.

Anton G.s Ernährungsberater und Schmerzcoach Lars Szolenszky hat für ihn den Ernährungsplan zusammengestellt. „Viele unterschätzen den Einfluss der Ernährung auf Arthrose massiv. Dabei kann man damit enorm viel erreichen“, betont er. Tatsächlich zeigen Studien, dass eine antientzündliche Ernährung mit wenig Zucker und Weißmehl, sowie der Verzicht auf hochverarbeitete Produkte positiven Einfluss auf Arthrose-Symptome haben kann. Für Szolenszky gehört auch die Behandlung mit hochwertigem Kollagenpulver dazu, das seine Klienten einnehmen sollen.

Deutliche Verbesserung schon nach vier Monaten

Hier ist die Studienlage allerdings nicht eindeutig. Während einzelne Untersuchungen darauf hindeuten, dass Kollagen zur Schmerzlinderung beiträgt und knorpelregenerierend wirken kann, zeigen andere keine oder nur kurzfristige Effekte. Ähnlich uneinheitlich ist die Studienlage bei Omega-3-Fettsäuren, auf die etliche Experten schwören. Viele Betroffene würden eben mit Nahrungsergänzungsmitteln gute Erfahrungen machen, so Szolenszky.

Weiter erklärt er: „Der Gelenkschmerz kommt meist von entzündlichen Prozessen im Gelenk und der Muskulatur und den Faszien drumherum. Deshalb ist es essenziell, den Körper mit guten Mikronährstoffen und Aminosäuren zu versorgen, um die Regeneration zu fördern.“ Sei dieser Prozess angestoßen, könnten auch die Muskeln allmählich wieder mehr gefordert werden. Denn: Während es am Anfang lediglich darum geht, das Gelenk wieder in Bewegung zu bringen, um die Nährstoffversorgung am Knorpel anzukurbeln, ist es die Muskulatur, die langfristig für Stabilität und Beweglichkeit sorgt.

Überlastung rächt sich schnell

Dafür braucht es allerdings Geduld. Eine Sache, die Unternehmer Anton G. recht schwerfällt: „Ich muss gestehen, dass ich manchmal zu viel will, zu heftig trainiere und das Knie überlaste. Das rächt sich schnell, und die Schmerzen sind wieder da.“ Ansonsten geht es dem 60Jährigen nach seiner Ernährungsumstellung viel besser. Schon vier Monate nach Beginn der Therapie merkte er eine deutliche Verbesserung. „Es gibt mittlerweile Tage, an denen ich überhaupt keine Schmerzen habe. Da kann ich problemlos aufstehen, herumlaufen, in die Knie gehen – alles. Ich hätte nicht gedacht, dass sich so schnell Effekte einstellen.“

Auf alles verzichten möchte Anton G. dabei allerdings nicht. Bisweilen ein Eis oder ein Bierchen – das müsse schon drin sein. Schließlich wolle man ja auch das Leben genießen: „Es ist einfach wichtig, sich grundsätzlich an gesunde Routinen zu halten. Man muss bereit sein, dafür selbst aktiv zu werden und die Zeit dafür zu investieren. Aber es lohnt sich auf jeden Fall.“

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