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Anstiften zum Stiften: Prominente Talkrunde in der Pfalz

Auf dem Podium dabei: Braunschweigs ehemaliger Oberbürgermeister Dr. Gert Hofmann (li.) und der frühere Wimbledon-Sieger Michael Stich.  Foto: Epping

Auf dem Podium dabei: Braunschweigs ehemaliger Oberbürgermeister Dr. Gert Hofmann (li.) und der frühere Wimbledon-Sieger Michael Stich. Foto: Epping

Goslar. Eine hochkarätige Runde hat zum Jubiläum der Tessner-Stiftung über den Sinn des Stiftens diskutiert. Dabei waren auch Vize-Kanzler Sigmar Gabriel und Wimbledon-Sieger Michael Stich.

Von Frank Heine Sonntag, 27.09.2015, 18:56 Uhr

Stiften –wie und warum? Wer wüsste das besser als Gründer und Vorsitzende von Stiftungen wie die beiden Braunschweiger Dr. Gert Hofmann und Richard Borek oder Wimbledon-Sieger Michael Stich? In eine Runde mit Vize-Kanzler Sigmar Gabriel und Professor Dr. Michael Göring vom Bundesverband Deutsche Stiftungen formulierten sie am Samstag in der Pfalz unter Leitung von NDR-Moderatorin Inka Schneider viele kluge Gedanken und streiften manches überraschende Detail, waren sich aber auch längst nicht immer einig.

Der Stiftung den eigenen Namen geben? Der frühere Tennis-Profi Stich würde dies nicht noch einmal tun. „Ich habe meine Stiftung sehr leichtsinnig gegründet“, erklärte er freimütig angesichts einer gern übernommenen, aber eben lebenslangen Verpflichtung. Auch unverschuldete Fehler fielen auf einen selbst zurück. Und nicht zuletzt: „Der Name hat auch mit Eitelkeiten zu tun“, vermutete er – für ihn kein ausschlaggebendes Kriterium. Stich setzt sich seit 1994 für HIV-infizierte und an Aids erkrankte Kinder ein und will „mit eigener Emotionalität andere begeistern“.

Die Mittel bündeln? Löwenstadt-Unternehmer Borek erkannte die Vorteile an, die der Hansestädter Göring anführte: in Zeiten niedriger Zinserträge zusammen agieren, um wirklich starke Projekte schultern zu können – etwa in Bürgerstiftungen. In Braunschweig habe er aufgrund unterschiedlicher Interessenlagen der Stiftungen aber andere Erfahrungen gemacht: „Das ist fast unmöglich.“

Stifter sollten sich aber auch stets ihrer hohen Verantwortung bewusst sein. Schließlich, so Borek, der für sein Leben den „biblischen Zehnten“ als Spendenziel anstrebe, verliere der Staat durch Stiften Finanzmittel, die er sonst anderswo gezielt eingesetzt hätte.

Also soll die öffentliche Hand mitbestimmen? „Vorgeben geht schief“, mahnte ausgerechnet der aktive Politiker Gabriel, der mahnte, „Stiftungen nicht zur Ersatzkasse zu machen“. Er versicherte sein hohes Vertrauen: „Die Stiftungen reagieren auf den Bedarf, man kann sich auf sie verlassen.“ Kein Widerspruch vom Ex-Oberbürgermeister: Stiftungen könnten längerfristig als die Politik, weil unabhängig von wechselnden Mehrheiten arbeiten, sagte Hofmann, der an der Spitze des Braunschweigischen Kulturbesitzes steht.

Der Christdemokrat wusste sich mit dem Genossen Gabriel auch darin einig, dass ein von Schneider ins Spiel gebrachter Ost-West-Unterschied bei Stiftungen wohl eher nicht auf Unterschiede in der Mentalität zurückzuführen sei. Im Osten könnten Stiftungen noch nicht auf gewachsene Familien-Traditionen zurückgreifen, sah Hofmann genau wie Gabriel ein reines Zeitproblem. Der Westen habe nach dem Weltkrieg viele Jahr(zehnt)e lang Wohlstand aufgebaut: „Die Möglichkeiten sind größer.“ Und eine schwächere Zivilgesellschaft im Osten? „Es gibt nicht mehr Rechte als im Westen, aber von den anderen sind weniger da“, argumentierte Gabriel einmal rein quantitativ.

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