Anna Schäfer verblüfft mit ihren Verwandlungen
Ein paar „Nerze“ und schon sind die Ostfriesen komplett: Jochen Kilian, Anna Schäfer und Kim Jovy (v.li.) demonstrieren, warum Angeln männlich ist. Fotos: Zietz
Das Herausragende an Anna Schäfer ist ihre Wandlungsfähigkeit. Zum Internationalen Frauentag zeigte die deutsche Schauspielerin und Sängerin damit auch, dass „frau“ die sein kann, die sie sein will – und sang ein Lied von der Lust und Last der Rollenvielfalt im täglichen Frauendasein.
Der Titel ihres Frauentag-Programms lautete ausgerechnet „Der Mann in mir.“ Nicht ganz unwichtig der Untertitel: „Muss der sein oder kann der weg?“ Ihr Fazit: Der muss sein! Denn auf diese Weise kann man doch so herrlich die Schuld auf „ihn“ schieben. Du hast zu tief ins Glas geschaut? „Das war der Mann in mir!“ Na, bitte!
Eine zentrale Botschaft an alle Frauen lautet, die anerzogene Zurückhaltung aufzugeben, um nicht an „kollektiver seelischer Verstopfung“ zu ersticken. „Lass es raus“, lautet ihr Appell – der wunderbar auf sie selbst und ihr eigenes Programm passt. Denn es dauerte durchaus eine kleine Weile, bis Anna Schäfer ihr Publikum in der Hand hatte. Anfangs war der Applaus noch zögerlich, war unklar, wohin die kabarettistische Reise der perfekt gestylten, coolen Schönen gehen sollte, die sich im Traum immer in einen anderen Mann verwandelt.
Das Eis brach beim Angeln. Einer Nummer, für die sich auch ihre beiden Musiker in Darsteller verwandelten. Zwei Ostfriesennerze genügten dafür. Da saßen sie nun auf ihren Eimern und angelten, bis die Frau mit frechen Fragen die Männerruhe störte: „Männer haben 23 Milliarden Gehirnzellen. Fürs aufs Wasser gucken bracht man – eine? Was macht der Rest in dieser Zeit?“
In bester Loriot-Manier ging’s weiter und bei der „Fleischeslust“ hing dann der ganze Saal am Haken, denn die Deutung der Diva klingt so: „Die wird nur gestillt, wenn mein Mann was für mich grillt.“ Warum nicht mal etwas Zeit in unkomplizierten Männerrunden mit einfachen Strukturen genießen? Das Dschungelbuch-Lied vom König der Affen beschließt die erste Hälfte viel versprechend– und die zweite hält, was die erste verspricht.
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Plötzlich ist es weg, das perfekte Styling, von dem nur die roten Fingernägel geblieben sind. Mit nassen, wirren Haaren kommt Anna Schäfer in Jungs-Pose auf die Bühne zurück, schminkt sich vor den Augen des Publikums einen Johnny-Depp-Bart, setzt einen Udo-Lindenberg-Hut auf und mimt zu diversen Melodien Männerrollen von Humphrey Bogart bis zu Darth Vader (Ich bin Dein Vater). Ein grandioser Auftritt. Während die Musiker (Jochen Kilian am Klavier, Kim Jovy an den Blasintrumenten) charmant überbrücken, wirft sie sich ins nächste Outfit. Jetzt ist Anna Schäfer eine Operndiva. Singen kann sie sowieso. Sowohl stimmlich wie schauspielerisch geht sie aus sich raus, mimt die Rachegöttin, die allen Frauen, die sich ihre Freiheit zu Vergnügungen wie dem Kulturkraftwerk mit einer Babysitterin erkaufen, vor: „Du bist eine Rabenmutter!“ Rabenschwarz werden die Szenarien, was zuhause mit den lieben Kleinen passiert – bis es zum nächsten Bruch und zur „geilen Rabenmutter“ – kommt, deren Bedürfnisse nach Spaß und sozialem Kontakt nicht mit dem Kinderkriegen und nicht bei Sandkastenunterhaltungen enden. Sie sei gerne Mutter und sie liebe ihre beiden Kinder, versichert Schäfer; aber genug ist genug. „Ich will nicht schon wieder basteln“, schreit sie im Abschlusslied zum Vergnügen vieler Leidensgenossinnen heraus und hat „ne gute Idee: tötet bastelhilfe.de“.
Gelungenes Frauenkabarett mit gelungener männlich-musikalischer Unterstützung.
Kabarett