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„An den Drehtagen hatten wir schulfrei“

<p>Hornburger Jungs im Jahr 1976: Ralf Meyer, Axel Steinkampf und Jörg Meyer (v.li.) als Komparsen bei den Dreharbeiten zu „Grete Minde“ vor der Marienkirche. Foto: Privat</p>

<p>Hornburger Jungs im Jahr 1976: Ralf Meyer, Axel Steinkampf und Jörg Meyer (v.li.) als Komparsen bei den Dreharbeiten zu „Grete Minde“ vor der Marienkirche. Foto: Privat</p>

Hornburg. In der Hornburger Marienkirche dürfte es ziemlich voll werden, wenn am Dienstagabend um 19 Uhr auf großer Leinwand das „Kirchenkino“ beginnt und der Spielfilm „Grete Minde“ gezeigt wird. Scharenweise Hornburger werden sich treffen, ist Jörg Meyer von der evangelischen Kirchengemeinde sicher. Und sie werden sich gemeinsam an das Jahr 1976 erinnern. Denn in diesem Jahr waren sie alle Filmstars.

Von Corinna Knoke Montag, 12.11.2018, 16:04 Uhr

„Alle Generationen in Hornburg haben als Komparsen an dem Film mitgewirkt“, erzählt Meyer. „Wir Kinder bekamen 15 D-Mark pro Einsatz. An den Drehtagen hatten wir schulfrei.“ Für alle und besonders für die Jüngeren „war das absolut spannend“, erinnert sich Meyer, Jahrgang 1966, der damals zehn Jahre alt war und zur Clemens-Grundschule ging.

Der Film „Grete Minde“ nach der gleichnamigen Novelle von Theodor Fontane lief 1977 sogar im Kino. Meyer: „Zur Vorführung waren wir alle ins Kino in Goslar eingeladen.“ Prominente Schauspieler waren auch dabei: Katerina Jacob in der Hauptrolle der Grete, Hannelore Elsner als fiese Schwägerin Trud und mit Siemen Rühaak, Tilo Prückner oder Brigitte Grothum weitere noch heute bekannte Namen. Zu vier Fünfteln, sagt Meyer, sei der Film in Hornburg gedreht worden. Zum Drehort auserkoren wurde die Hopfenstadt von Regisseurin Heidi Genée offenbar wegen ihres spätmittelalterlichen Stadtbildes, das sich über die Jahrhunderte erhalten hat.

Eigentlich spielt die Geschichte nicht in Hornburg, sondern in Tangermünde zu Beginn des 17. Jahrhunderts – die Novelle endet im Jahr 1617 mit dem Brand der Stadt. Aus Hass und menschlicher Enttäuschung wird die junge Grete Minde darin zur Brandstifterin. Sie selbst und viele Menschen sterben in den Flammen und unter den Trümmern der Stadt.

Jörg Meyer (52), sein Vater Ernst (80), sein Bruder Ralf (54) und viele weitere Hornburger spielten damals das Fußvolk bei den Außenaufnahmen. Meyer erinnert sich: Für die Dreharbeiten wurde in Hornburg viel gewerkelt, um es optisch ins17. Jahrhundert zu versetzen: Straßenlaternen wurden demontiert, der Hopfenspeicher umgebaut, Fallrohre der Dachrinnen abgebaut.

Besonders beeindruckend waren die Pyro-Effekte, so Meyer. „Mit Brennpaste wurde der Kirchturm teilweise in Brand gesetzt.“ Eine nachgebaute Haus-Kulisse wurde auf freier Fläche vollständig abgebrannt. Direkt nach dem Film wird Ernst Meyer in der Kirche noch ein Making-of zeigen – eine Bilderserie zur Entstehung des Films. Alle Interessierten sind dazu eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Szene aus „Grete Minde“ in Hornburg mit Katerina Jacob, Hannelore Elsner, Hans Christian Blech (v.li.).  Foto: Universal

Szene aus „Grete Minde“ in Hornburg mit Katerina Jacob, Hannelore Elsner, Hans Christian Blech (v.li.). Foto: Universal

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