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Alte Reklame: „Weißer als weiß!“

Sozialgeschichte in der Werbung: Männer schneiden sich mit Sägen, Frauen mit Küchenmessern.  Fotos: Rusch

Sozialgeschichte in der Werbung: Männer schneiden sich mit Sägen, Frauen mit Küchenmessern. Fotos: Rusch

Goslar. Im Goslarer Museum wird Drogeriewerbung von früher gezeigt: Die Exponate der spannenden Ausstellungen erzählen viel über die Menschen und das Leben in den verschiedenen Jahrzehnten.

Donnerstag, 02.07.2015, 17:42 Uhr

Wer kennt noch die Marken Brisk oder Potasan? Nivea oder Schwarzkopf werden dagegen vielen ein Begriff sein. Eine breite Produktpalette wurde in den Drogerien der dreißiger bis sechziger Jahre beworben – mit kreativen Sprüchen und faszinierender Graphik.

Die Geschichte der Ausstellung, die am Sonntag im Goslarer Museum eröffnet wird, beginnt im Sommer 1985 im niedersächsischen Springe: Bernd Schönebaum kam an einer alten Scheune vorbei, aus der Baulärm drang. Er erhaschte einen Blick ins Innere: Dort wurden alte Werbeschilder in einen Container geschmissen. Schönebaums Instinkt meldete sich, mit einem Kasten Bier erkaufte er sich eine Stunde, um Werbetafeln, Bilder, Verpackungen und Schriftverkehr vor der Vernichtung zu retten. Rund 400 zum Teil durchnässte Artikel breitete er auf dem Dachboden seines Elternhauses aus. Damals ahnte er nur, welchen Schatz er in der Scheune des Drogisten Oswald Keutner geborgen hatte.

Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Momente, in denen Schönebaum die Bedeutung der Sammlung bewusst wurde, er sogar Kaufangebote erhielt. Auch erste Datierungsversuche und einzelne Restaurationen fanden schon um die Jahrtausendwende herum statt. Durch die Zusammenarbeit mit Museumsleiter Christoph Gutmann finden nun erstmals 120 farbenfrohe Exponate ihren Weg in die Öffentlichkeit. Durch die unterschiedlich großen Rahmen, die in variierender Höhe platziert wurden, sei die recht beliebige Anordnung in früheren Drogerien nachempfunden worden, so Schönebaum. Der Besucher durchschreitet die Geschichte der Drogeriewerbung beginnend in den dreißiger Jahren, durch die Mangelzeit des Krieges hindurch in die goldenen fünfziger und sechziger Jahre. Graphische Entwicklungen werden sichtbar, etwa bei Schrifttypen oder unterschiedlichem Umgang mit Fotografien und Fotovorlagen. Auch Hinweise auf Konventionen und Gepflogenheiten der Gesellschaft lassen sich entdecken: Während in den Dreißigern noch Katzenfelle gegen Rheuma beworben wurden, drehte sich nach dem Krieg vieles um neue Kosmetik und die gute Hausfrau. Hygieneartikel der Damen und „Gummiwaren“ wurden dagegen sehr subtil, geradezu rätselhaft, beworben.

Das Besondere an der Sammlung ist ihr Seltenheitswert: Werbungen aus Pappe wurden früher weggeschmissen. Der Grund, warum Keutner sie lagerte, ist wohl in der Mangelzeit der Nachkriegsjahre zu sehen: Papier wurde von ihm lediglich zum Einwickeln von Waren aufgehoben. Was die vermutlich bereits in Vergessenheit geratenen Produkte betrifft: Brisk war eine Frisiercreme für den Herrn, und Potasan sagte Kartoffelkäfern den Kampf an – auch dieses Sortiment deckte eine Drogerie ab.

Die Ausstellung wird am Sonntag um 16 Uhr eröffnet und läuft bis zum 27. September. Für Nostalgiker sind die Werbeschilder als Nachdruck aus Holz und als Frühstücksbrettchen im Museumsshop erhältlich. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Museumsleiter Christoph Gutmann (li.) und Bernd Schönebaum, Sammler und Kurator der Ausstellung, diskutieren über Burn-out in den fünfziger Jahren: Klosterfrau Melissengeist versprach Abhilfe.

Museumsleiter Christoph Gutmann (li.) und Bernd Schönebaum, Sammler und Kurator der Ausstellung, diskutieren über Burn-out in den fünfziger Jahren: Klosterfrau Melissengeist versprach Abhilfe.

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