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Als man dem Fahrprüfer noch die Tasche trug

Bernd und Uschi Schilling betreiben die älteste Fahrschule der Stadt: Es gibt sie seit 60 Jahren. Foto: Schlegel

Bernd und Uschi Schilling betreiben die älteste Fahrschule der Stadt: Es gibt sie seit 60 Jahren. Foto: Schlegel

Bad Harzburg. Bernd und Uschi Schilling betreiben die älteste Fahrschule der Stadt. Anlässlich des 60. Geburtstages schauen sie zurück: Wie hat man früher das Fahren gelernt und gelehrt?

Von Holger Schlegel Mittwoch, 01.03.2017, 15:02 Uhr

Gas rechts, Bremse in der Mitte, Kupplung links, bei Rot wird angehalten und wer von rechts kommt, hat in der Regel Vorfahrt. Die Grundprinzipien des Autofahrens haben sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht großartig geändert. Wohl aber die Grundprinzipien des Fahrenlernens, beziehungsweise des Fahrenlehrens. Bernd Schilling kann dazu Einiges erzählen. Denn er, respektive seine Familie, betreibt die älteste Fahrschule der Stadt. Dieser Tage feiert sie ihren 60. Geburtstag.

Als sein Vater Horst Schilling zusammen mit Ehefrau Liselotte 1957 in der Breiten Straße die Fahrschule gründete, war der Unterricht noch so, wie man ihn sich für diese Zeit vorstellte: Der Fahrlehrer unterrichtete „frontal“ mit Bildern, Schautafeln, Modellen und Magnetschildern. Die Fahrschüler lauschten andächtig und lernten auswendig. Am Ende kam der Prüfer im weißen Kittel – und wurde hofiert. Eine Garage wurde freigeräumt, damit er sein Auto dort unterstellen konnte, jemand trug ihm die Aktentasche, und in der Mittagspause gab es ein üppiges Mahl am gedeckten Tisch.

An all das kann sich Bernd Schilling, obwohl lange noch nicht60 Jahre alt, sehr gut erinnern, sei es aus Erzählungen des Herrn Vaters, sei es später aus eigener Anschauung. Denn „in unserer Familie wurde Fahrschule immer gelebt“.

Und so war es für ihn auch keine Frage, was er einmal werden wollte. 1995 übernahm er den Betrieb vom Senior, mittlerweile mit drei Standorten: Zum Stammsitz in der Breiten Straße kam nämlich 1975 noch eine Filiale in Oker dazu. Und 1988 übernahm Schilling die Räumlichkeiten der ehemaligen Fahrschule Fricke in der Bad Harzburger Herzog-Wilhelm-Straße.

An diesen drei Orten wird noch heute Unterricht gemacht –und der ist mit dem aus der Anfangszeit nicht mehr zu vergleichen. Die moderne Technik hat Einzug gehalten, alles ist interaktiv. Computerprogramme haben die alten Fragebögen aus Papier abgelöst. Der Unterricht sei eher ein Gespräch, so Schilling. Und auch der gesetzlich vorgegebene Rahmen heute ein ganz anderer. Gab es früher drei Führerscheinklasse (Klasse 1 für Motorrad, 2 für Lkw und 3 für Auto) sind es heute sage und schreibe 18. Die Zahl der Fahrstunden hat sich ebenfalls erhöht, allein zwölf Sonderfahrten müssen absolviert werden.

Auch die Prüfung ist eine andere. Tat es früher (fast nach Lust und Laune des Prüfers) schon mal eine kurze Fahrt durch die Stadt mit einmal Einparken und einmal rückwärts ums Eck, sind heute 45 Minuten vorgeschrieben. Nur der Prüfer kommt heute nicht mehr im weißen Kittel. Seine Tasche trägt er auch selbst. Aber einen Kaffee, den bekommt er noch.

Als Horst und Lieselotte Schilling (kleines Bild) in den 50er-Jahren ihre Fahrschule eröffneten, war das Unterrichtsmaterial doch noch eher schlicht. Foto: Privat

Als Horst und Lieselotte Schilling (kleines Bild) in den 50er-Jahren ihre Fahrschule eröffneten, war das Unterrichtsmaterial doch noch eher schlicht. Foto: Privat

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