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Alfred Küne geht in den Ruhestand: Ein Berufsleben im Takt der Fahrpläne

Die Busse der KVG waren 40 Jahre lang so etwas wie ein Lebensmittelpunkt von Alfred Küne. Foto: Schlegel

Die Busse der KVG waren 40 Jahre lang so etwas wie ein Lebensmittelpunkt von Alfred Küne. Foto: Schlegel

Bad Harzburg. Wenn man Alfred Küne um einen Fototermin bittet, kommt ein freundliches „Aber nur mit Krawatte“. Der Mann ist nicht eitel, sondern korrekt. Das musste er auch 40 Jahre lang sein.

Von Holger Schlegel Dienstag, 16.09.2014, 20:00 Uhr

So lange verlief sein Berufsleben im Takt der Fahrpläne. Erst als normaler Busfahrer, bald aber an führender Position bei der Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) Braunschweig. Nun geht Alfred Kühne in den Ruhestand.

Eigentlich war Küne Kfz-Schlosser, aber er arbeitete nur zwei Jahre, 1972 und 1973, in dem Beruf. Denn dann kam die Ölkrise. Sein damaliger Arbeitgeber musste einen Betrieb schließen und da gehörte der junge Küne als einer derjenigen, die als Letzte kamen zu den Ersten, die gehen mussten.

Er blieb dem Kraftfahrzeug treu und machte einen Busführerschein. 1974 begann er bei der KVG als regulärer Fahrer. Und bald schon ging es auf der Karriereleiter nach oben: 1981 Aufsicht führender Fahrer, 1985 Fahrdienstleiter, 1986 erst kommissarisch, 1987 dann regulär Betriebsleiter in Bad Harzburg. Aufregende Jahre standen ihm bevor: Da waren die Harzüberquerungen, die damals noch mit vielen Hunderten mitunter Tausenden von Wanderern veranstaltet wurde. Die KVG musste alle Teilnehmer morgens zum Start fahren, da waren mal locker 28 bis 30 Fahrzeuge im Einsatz.

Dann der Skibus-Anfang in den 80er-Jahren. An schneereichen Wochenenden fuhr die KVG die Wintersportler hinauf in den Harz, auch das war ein logistisches Unterfangen. Am Ende wurde der Skibus eingestellt, „weil wir keine Unterstützung mehr von den Behörden bekamen“, erinnert sich Küne. Die Busse steckten genauso im Stau, wie die Skifahrer, die mit den Autos unterwegs waren.

Absolutes Highlight in der Karriere war natürlich auch für Küne die Grenzöffnung, bei der die KVG über Tage im Pendelverkehr nach Eckertal fuhr. Auch nachts. Weitere Stichworte sind der Reisebusverkehr, den die KVG bis 2010 organisierte, dann die Gasbusse, die der Grundstein waren für die Waldbuslinien. Auch die sind eine Besonderheit, die noch heute im Land selten ist. Gasbusse indes gib es nicht mehr. Das sei, so Alfred Küne, irgendwann nicht mehr wirtschaftlich gewesen.

Was Alfred Küne, der zuletzt seinen Dienstsitz in Salzgitter hatte, in all den Jahren in Bad Harzburg am meisten Spaß gemacht hat? Alles. Vor allen Dingen das Erstellen von Fahrplänen, „das ist eine Wissenschaft für sich“. Sehr gefallen hat Alfred Küne auch das angenehme Miteinander in Bad Harzburg, die Kooperation mit den Behörden. Organisatorische Dinge wie beim Lichterfest oder bei Baustellen – alles und alle seien immer pflegeleicht gewesen.

Natürlich habe sich das Geschäft in den Jahren geändert, „die Menschen sind heute viel mobiler, haben Autos, nutzen weniger den Bus.“ Aber in Bad Harzburg seien die meisten Fahrgäste Schüler oder Rentner.

Und was macht so ein altgedienter Bus-Mensch nun im Ruhestand? „Die Freizeit genießen. Haus, Hof, Garten, Familie.“ Aber er weiß jetzt schon, dass er auch in Zukunft auf die Uhr schaut, wenn er irgendwo einen Bus in Bad Harzburg sieht. Nicht, um zu kontrollieren, ob der im Plan ist. Das geschieht unwillkürlich. Das ist so drin, nach40 Jahren Berufsleben im Takt der Busfahrpläne.

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