Alarmzeichen „Blut im Stuhl“
Harz. Niemand spricht gerne darüber – es sind Leiden ausder Tabuzone: Hämorrhoiden (landläufig bekannt als Hämorriden), Afterrisse, Entzündungen und Krebsblutungen aus dem Darm oder im Analbereich. Sie sorgen bei vielen Menschen für Schrecken und Unwohlsein.
Blut beim Toilettengang kann viele Ursachen haben, es kann harmlos, aber auch ernsthaft und gefährlich sein. Gleich vorweg: Blut beim Stuhlgang sollte immer eine ärztliche Untersuchung nach sich ziehen. Da ungefähr jeder Dritte über 30 Jahren und jeder Zweite über 50 Jahren darunter leidet, zählen sie zu den Volkskrankheiten.
Bei „Blut im Stuhl“ denken viele direkt an eine schwere Erkrankung wie etwa an eine Krebsgeschwulst – doch es gibt zahlreiche und darunter viele harmlose Ursachen. Hämorrhoiden und kleine Verletzungen am After oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt zählen zu den möglichen Auslösern. Juckreiz, Nässen, Schmerzen, Schwellungen, Vorwölbungen oder Knoten im Bereich des Darmausgangs, das Gefühl der unvollständigen Entleerung oder eine Undichtigkeit werden als sehr störend empfunden und belasten die Betroffenen teils erheblich.
Ein für den Patienten sehr unangenehmes Krankheitsbild sind die Hämorrhoiden. Hämorrhoiden, wie auch die ebenfalls häufig auftretenden Afterrisse, können durch das Symptom abgehendes hellrotesBlut – am Darmausgang, auf dem Toilettenpapier oder Stuhlauflagerungen – in Erscheinung treten. Helles Blut, oder auch schwarzer Stuhl sind für den Laien leicht zu erkennen. Zudem gibt es aber auch Blut im Stuhl, das für das bloße Auge nicht sichtbar ist. In diesen Fällen kann das Blut nur durch bestimmte Untersuchungen, die unter anderem im Rahmen der Darmkrebsvorsorge angeboten werden, erkannt werden.
Ob eine Behandlung notwendig ist oder wie diese aussieht, ist abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung. Nicht selten kommt die Blutung ohne jegliches Zutun zum Stillstand. Falls sie jedoch nicht von alleine stoppt, muss die Blutungsquelle im Magen-Darm-Trakt so schnell wie möglich ausfindig gemacht werden, um die Blutung zu stillen. Glücklicherweise sind die meisten Blutungsursachen im Magen-Darm-Trakt gutartiger Natur.
Ein ebenfalls häufiges Krankheitsbild ist die Verstopfung. Dies betrifft vorwiegend ältere Patienten, kann aber auch in allen Altersgruppen auftreten. Für all diese Störungen kommen verschiedene Ursachen in Betracht. Die meisten Durchfallerkrankungen verlaufen harmlos und hören von selbst wieder auf. Kommt es aber zu chronischen, also immer wieder auftretenden bzw. dauerhaften Beschwerden oder sogar zu dem Erscheinungsbild Blut aus dem Darm, muss dies unbedingt ärztlich geklärt werden, um eine schlimmere Ursache auszuschließen. Das Risiko für krankhafte Veränderungen und damit teilweise verbundene Magen-Darm-Blutungen steigt mit zunehmendem Lebensalter. Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel), Entzündungen sowie gut- und bösartige Geschwulste im Dick- und Enddarm können Blutungen auslösen und gehören zu den häufigsten Blutungsquellen. Blutungen in einem der oberen Abschnitte des Magen-Darm-Trakts verursachen meist den sogenannten Teerstuhl. Hier kommt es meist aus Geschwüren im Bereich des Magens und des Zwölffingerdarms zu einer Blutung, wobei sich durch den Kontakt von Blut mit Magensäure der Stuhl schwarz färbt. Wichtig ist folgende Erkenntnis: Ab 55 Jahren wird eine kostenlose Darmspiegelung im Rahmen der Früherkennung von Darmkrebs angeboten – das kann dazu führen, den Krebs schon vor der Entstehung zu heilen oder ihn früher zu erkennen.
In der nächsten Folge unserer Arztserie lesen Sie: „Gallensteine – Koliken aus heiterem Himmel, bei Sekretstau wird es gefährlich!“
Eine Magen-Darm-Blutung muss dringend abgeklärt beziehungsweise zügig behandelt werden. Magen, Zwölffingerdarm, Mastdarm und der übrige Dickdarm, lassen sich gut von innen durch eine sogenannte Endoskopie inspizieren. Dazu schiebt der Arzt einen biegsamen Gummischlauch durch den Mund oder den After. So können kleine Gewebeproben entnommen oder Wucherungen abtragen werden. Beides kann im Anschluss genauer untersucht werden.Die Untersuchung ist meist schmerzlos, wird jedoch manchmal als unangenehm empfunden. Die Patienten werden deshalb häufig leicht betäubt.
Was Sie für einen gesunden Darm tun können:
Durch eine aktive Lebensweise kann bestimmten Darm- und Analerkrankungen wie Hämorrhoiden oder Darmkrebs vorgebeugt werden. Es wird eine ausgewogene, ballaststoffreiche, kalorienbewusste Ernährung empfohlen. Sinnvoll ist auch regelmäßige körperliche Bewegung. Diese stimuliert die Darmaktivität, reduziert Übergewicht und senkt unter anderem das Risiko für Darmkrebs. Auch kann eine gute Hygiene und hautfreundliche Kleidung dazu beitragen, Krankheiten im Analbereich zu vermeiden.
Privatdozent (PD) Dr. med. Dean Bogoevski, 1972 in Mazedonien geboren und aufgewachsen, schloss sein Medizinstudium 1997 in Skopje (Makedonien) mit der Note „Sehr gut“ ab. 2002 kam er zum Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nach Hamburg, dort wurde er fünf Jahre später im Fachbereich Chirurgie der Universität Hamburg mit „magna cum laude“ promoviert. Im Jahr 2009 erhielt er im Rahmen der Verleihung des mit 10 000 Euro dotierten Hubertus-Wald-Preises für Onkologie an Nachwuchsforscher ein Stipendium. PD Dr. med. Bogoevski, Facharzt für Chirurgie, Viszeral- und Thoraxchirurgie, war zuletzt Geschäftsführender Oberarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), ist seit dem 1. April 2017 neuer Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie in der Asklepios-Harzklinik Goslar.