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Abenteuer für eine gute Sache: Thorsten Knaack fährt „Tajik Rally“ mit

Thorsten Knaack (li.) mit seinen Teamkollegen startbereit vor der Münchner Allianz-Arena. Das Auto spenden sie am Ziel der Feuerwehr Duschanbe. Foto: Privat

Thorsten Knaack (li.) mit seinen Teamkollegen startbereit vor der Münchner Allianz-Arena. Das Auto spenden sie am Ziel der Feuerwehr Duschanbe. Foto: Privat

München/Duschanbe. Sonntag startete sie von München nach Tadschikistan: die „Tajik Rally 2015“. Mit dabei ist Thorsten Knaack, der in Clausthal-Zellerfeld aufwuchs. Gefahren wird für gute Zwecke.

Von Bettina Ebeling Sonntag, 09.08.2015, 19:42 Uhr

Mit der öffentlichkeitswirksamen Aktion werben die 29 teilnehmenden Teams Spenden für die „Hänsel & Gretel“-Stiftung (engagiert sich für Kinderschutzprojekte) und für „Habitat for Humanity“ (organisiert unter anderem den Wiederaufbau in Katastrophengebieten weltweit) ein.

Ihren Mindestbetrag von 750 Euro hat „Breaking Good“, so der Teamname der Vier, in den zurückliegenden Wochen per Fundraising via Internet hereingeholt. Zusätzlich mussten Thorsten Knaack, Marc Pöcking, Joachim v. Dörnberg und Alexander Sosna 840 Euro Startgebühr aufbringen – und als ob dies nicht genug wäre, sammeln sie während der Tour noch Spenden für den Bau von erbebensicheren Häusern im Himalaya und winterfeste Häuser für Familien in Tadschikistan. „Wir haben ein Spendentool auf unserer Homepage eingerichtet, oder einfach direkt überweisen mit dem Vermerk ,Spende‘“, erklärt Knaack.

Erste Beträge kann er schon verzeichnen, unter anderem 750 Euro vom Clausthaler Unternehmer Norbert Lehne. „Vielleicht motiviert das noch weitere Firmen, aber auch Privatpersonen, ein paar Euros zu spenden.“

Und sogar das Fahrzeug, mit dem sie die fast 10000 Kilometer von Hohenthann bei München durch Österreich, den Balkan und Zentralasien in die tadschikische Hauptstadt Duschanbe bewältigen wollen, ist eine Spende: Der 30 Jahre alte, aber „voll einsatzfähige“ Feuerwehr-Sechssitzer soll am Ziel bei der örtlichen Feuerwehr bleiben. „Er hat erst 43000 Kilometern auf der Uhr und wird von uns persönlich den örtlichen Feuerwehrbehörden von Duschanbe übergeben“, erklärt Knaack. Nicht von ungefähr haben sie sich das Teammotto „Gut Schlauch“ ausgesucht.

Dass sich nicht wie geplant ein Sponsor für das Fahrzeug fand, schreckte die Jungs im Vorfeld nicht ab: „Wir haben es von einem Händler für viel Geld erworben, aber so können wir auch sicher sein, dass das Auto dort in Tadschikistan noch viele Jahre als Feuerwehrauto in Betrieb sein kann“, sagt Knaack.

Aber erst einmal müssen sie ankommen: Die Abenteurer erwarten laut Rallye-Veranstalter „adventure manufactory“ einige der abenteuerlichsten und schwierigsten Straßen der Erde, Flussquerungen ohne Brücken, 4600 Meter hohe Bergpässe des Pamir und Wüstentemperaturen bis 50 Grad Celsius, aber zum Glück auch „extrem gastfreundliche Menschen“.

GPS und Navigationssystem sind nach den Regeln erlaubt, doch „weil wir mit einem Oldtimer unterwegs sind, wollen wir auch weitgehend so reisen wie vor 30 Jahren“, sagt der Abenteurer mit Clausthaler Wurzeln. Lediglich ein „Tracker“ sei an Bord, „damit zu Hause Freunde, Unterstützer und die Familien live schauen können, wo wir wieder den Hals aus der Schlinge ziehen müssen.“

Thorsten Knaack (34), ein Clausthal-Zellerfelder Kind und heute Gymnasiallehrer für Sport und Erdkunde in Hannover, hat schon mehrere Abenteuerreisen gemacht – auf einem Kamel durchs Atlasgebirge etwa oder in den Iran. Im September 2010 besiegte er TV-Star Stefan Raab in dessen Sendung „Schlag den Raab“ – und gewann die Million.

Auf die Tour haben sich die Vier sorgfältig vorbereitet, unter anderem im Mai einen Autoschrauberkurs absolviert, denn „keiner von uns hat Ahnung von Autos. Jetzt können wir unterwegs Reifen flicken, Kühler reparieren, Bremsschläuche austauschen und so weiter, es war extra ein Schrauberkurs für Abenteuerrallyes“.

Die Ausrüstung besteht aus dem Allernotwendigsten, „wir sind eh hemmungslos überladen“, so der 34-Jährige. Gepäck sparen können sie dank der selbst gebauten „Waschmaschine“: eine Plastiktrommel, „die setzen wir während der Fahrt aufs Dach, Wäsche, Wasser und Waschpulver rein, und am Ende des Tages ist alles ordentlich durchgewaschen...“ So reicht für jeden ein Satz Wechselklamotten.

Weniger einfach ist die Routenplanung. Die ist frei wählbar, aber eigentlich in jeder Variante mit Tücken behaftet. Die Vier entschieden sich für die Ukraine, weil „andere Routen keine wirklichen Alternativen“ darstellten: über den Iran „machbar, aber nicht prickelnd“ wegen der Konflikte mit Aserbaidschan, Tschetschenien fiel angesichts des dort gerade ausgerufenen „IS-Kalifats“ raus, und Weißrussland habe visatechnisch nicht mehr geklappt – „also müssen wir die Kriegsgebiete möglichst weit im Norden umfahren.“

In vier Wochen hoffen sie, die Tour trotz „vieler Unwägbarkeiten“ bewältigt zu haben. Letztlich sei es aber „wirklich eine Charity-Rallye, die auf die Probleme in Tadschikistan und Zentralasien aufmerksam machen soll. Wir freuen uns wahnsinnig, unseren Teil dazu beizutragen, den Leuten dort ein Stück weit zu helfen – das ist unsere größte Motivation“ so Thorsten Knaack. „Wenn sich jetzt unsere Spendensumme noch weiter erhöhen würde durch Harzer Spenden, dann macht uns das noch glücklicher.“

Alle Infos dazu: www.tajikrally2015.de

Pisten wie der 4600 Meter hohe „Pamir-Highway“ erwarten die Abenteurer.

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